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24. Februar 2026

Kinderwunsch und Übergewicht: Wie der BMI die Fruchtbarkeit beeinflusst

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Kinderwunsch und Übergewicht: Wie der BMI die Fruchtbarkeit beeinflusst | 2026

Das Körpergewicht hat einen größeren Einfluss auf die Fruchtbarkeit, als viele denken – bei Frauen und bei Männern. Dieser Artikel erklärt verständlich, was die Forschung zeigt und was Sie selbst tun können.

BMI und Fruchtbarkeit: Die Übersicht

Was ist der BMI?

Der Body-Mass-Index (BMI) berechnet sich aus Körpergewicht und Körpergröße. Er ist ein grober Richtwert – er sagt zum Beispiel nichts darüber aus, ob jemand viel Muskelmasse hat. Trotzdem ist er der am besten untersuchte Wert, wenn es um den Zusammenhang zwischen Gewicht und Fruchtbarkeit geht.

Gewichtsklasse BMI Was bedeutet das für die Fruchtbarkeit?
Untergewichtunter 18,5Periode kann unregelmäßig werden oder ausbleiben. Eisprung fällt manchmal aus.
Normalgewicht18,5–24,9Beste Voraussetzungen für eine Schwangerschaft.
Übergewicht25–29,9Leicht erhöhtes Risiko, aber meist keine spürbare Einschränkung.
Adipositas Grad I30–34,9Zyklus kann unregelmäßig werden. Einnistung des Embryos ist erschwert.
Adipositas Grad II35–39,9IVF-Erfolgsraten sinken deutlich. Fehlgeburten-Risiko steigt.
Adipositas Grad IIIab 40Erfolgsraten stark eingeschränkt. Risiken für Mutter und Kind erhöht.

Quellen: ASRM Committee Opinion 2021, Sermondade et al. 2019

Warum stört Übergewicht die Fruchtbarkeit?

Übergewicht wirkt sich auf mehreren Wegen auf die Fortpflanzung aus. Hier die vier wichtigsten – einfach erklärt:

Der Körper reagiert schlechter auf Insulin

Bei Übergewicht braucht der Körper immer mehr Insulin, um den Blutzucker zu regulieren. Zu viel Insulin bringt aber die Eierstöcke durcheinander: Sie produzieren mehr männliche Hormone. Das kann dazu führen, dass der Eisprung ausbleibt – besonders bei Frauen mit PCOS.

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Hormone geraten aus dem Gleichgewicht

Fettgewebe ist nicht nur Speicher – es produziert selbst Hormone. Je mehr Fettgewebe, desto mehr Östrogen wird gebildet. Zu viel Östrogen stört das feine Zusammenspiel der Fruchtbarkeitshormone. Das Gehirn bekommt falsche Signale, und der Zyklus wird unregelmäßig.

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Stille Entzündungen im Körper

Bei starkem Übergewicht befindet sich der Körper in einem Zustand dauerhafter leichter Entzündung. Diese Entzündung ist nicht spürbar, stört aber die Eizellreifung und kann verhindern, dass sich ein Embryo gut in die Gebärmutter einnistet.

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Die Eizellqualität leidet

In der Flüssigkeit rund um die heranreifenden Eizellen finden sich bei übergewichtigen Frauen mehr schädliche Stoffwechselprodukte. Das kann die Qualität der Eizellen und damit auch die Entwicklung des Embryos beeinträchtigen.

Was sagen die aktuellen Studien?

Die gute Nachricht zuerst: Abnehmen vor einer Kinderwunschbehandlung lohnt sich. Und dafür reichen oft schon wenige Kilogramm.

Große Übersichtsstudie der Universität Oxford, 2025

12 Studien zusammengefasst · fast 2.000 Frauen mit Übergewicht und Kinderwunsch

Frauen, die vor einer Kinderwunschbehandlung abgenommen haben, wurden 47 % häufiger auf natürlichem Weg schwanger. Auch die Gesamtrate an Schwangerschaften war 21 % höher als bei Frauen, die ihr Gewicht nicht verändert haben.

Sermondade und Kollegen, 2019

Auswertung von 21 Studien

Frauen mit starkem Übergewicht haben pro IVF-Behandlung eine um 15–20 % niedrigere Chance auf ein Baby als normalgewichtige Frauen.

Wie beeinflusst der BMI die IVF-Erfolgsrate?

Geschätzte Schwangerschaftsrate pro IVF-Behandlung, aufgeteilt nach BMI-Klasse:

Richtwerte basierend auf Sermondade et al. 2019, Luke et al. 2011

Sonderfall PCOS: Wenn Gewicht und Hormone zusammenspielen

Was ist PCOS? Das Polyzystische Ovarialsyndrom ist eine häufige Hormonstörung. Typische Zeichen: unregelmäßiger Zyklus, erhöhte männliche Hormone, viele kleine Eibläschen im Ultraschall. PCOS ist eine der häufigsten Ursachen für Fruchtbarkeitsprobleme.

Etwa 50–70 % der Frauen mit PCOS sind übergewichtig. Das Problem: Übergewicht und PCOS verstärken sich gegenseitig. Mehr Gewicht → mehr Insulin → mehr männliche Hormone → noch unregelmäßigerer Zyklus. Diesen Teufelskreis kann man durchbrechen.

Spannende Studie: Salamun und Kollegen

Übergewichtige Frauen mit PCOS erhielten vor der IVF-Behandlung eine Kombination aus zwei Medikamenten (Liraglutid + Metformin). Ergebnis: 85,7 % wurden schwanger – in der Vergleichsgruppe ohne diese Vorbereitung nur 28,6 %. Die Studie war klein, aber das Ergebnis ist beeindruckend.

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Metformin

Hilft dem Körper, Insulin besser zu verarbeiten. Kann den Eisprung wieder auslösen und das Fehlgeburten-Risiko senken. Wird oft als erstes Medikament bei PCOS eingesetzt.

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Ozempic & Co. (GLP-1-Medikamente)

Zeigen in Studien bei PCOS gute Ergebnisse. Wichtig: Dürfen in der Schwangerschaft nicht genommen werden. Müssen mindestens 2 Monate vorher abgesetzt werden. → Mehr dazu

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Gewicht reduzieren

Schon 5–10 % weniger Körpergewicht können bei PCOS den Zyklus normalisieren und den Eisprung zurückbringen. Das ist oft der wichtigste erste Schritt.

Auch Männer betroffen: Gewicht und Spermienqualität

Übergewicht beim Mann wird beim Kinderwunsch oft übersehen – dabei sind die Auswirkungen gut belegt:

Was Übergewicht beim Mann verändert

Weniger Testosteron: Fettgewebe wandelt das männliche Hormon Testosteron in das weibliche Hormon Östrogen um. Je mehr Fett, desto weniger Testosteron.
Weniger Spermien: Bei starkem Übergewicht kann die Spermienanzahl um bis zu 40 % sinken.
Spermien bewegen sich schlechter: Übergewicht verschlechtert die Beweglichkeit der Spermien.
Mehr Schäden am Erbgut: Schädliche Stoffwechselprodukte können das Erbgut (die DNA) der Spermien beschädigen.
Hoden werden zu warm: Fettgewebe im Bauchbereich erhöht die Temperatur der Hoden. Spermien brauchen es aber kühler als der Rest des Körpers.

Die gute Nachricht

Die Spermienqualität kann sich erholen. Nach 3–6 Monaten Gewichtsabnahme zeigen sich oft deutliche Verbesserungen.
Regelmäßige Bewegung (3–5 mal pro Woche) verbessert sowohl die Anzahl als auch die Beweglichkeit der Spermien.
Der Testosteronspiegel normalisiert sich oft allein durch den Gewichtsverlust – ohne Medikamente.
Zusätzliche Nahrungsergänzungsmittel (z. B. Zink, Selen, Coenzym Q10) können den Effekt verstärken.

Tipp: Ein Spermiogramm zu Beginn zeigt den Ausgangswert. Nach 3–6 Monaten Lebensstiländerung kann eine Kontrolluntersuchung den Fortschritt sichtbar machen.

Was Sie konkret tun können

✅ Das hilft nachweislich

Mediterrane Ernährung: Viel Gemüse, Obst, Fisch, Olivenöl, Nüsse, Vollkorn. Die am besten untersuchte Ernährungsform für die Fruchtbarkeit.
Regelmäßige Bewegung: Etwa 150 Minuten pro Woche – eine Mischung aus Ausdauer (z. B. Spazieren, Schwimmen) und leichtem Krafttraining.
Realistisches Gewichtsziel: Oft reichen schon 5–10 % Gewichtsverlust. Bei 90 kg wären das 4,5–9 kg. Tempo: 0,5–1 kg pro Woche.
Nahrungsergänzung: Folsäure (800 µg), Vitamin D (1.000–2.000 IE), Coenzym Q10 (200 mg). Bei PCOS zusätzlich: Myo-Inositol.

❌ Das sollten Sie vermeiden

Crash-Diäten: Schnelles, radikales Abnehmen bringt die Hormone durcheinander und kann den Zyklus stören.
Zu wenig essen: Unter 1.200 Kalorien am Tag kann die Eizellqualität leiden. Der Körper schaltet in den „Sparmodus".
Ozempic/Wegovy in der Schwangerschaft: Diese Medikamente müssen rechtzeitig abgesetzt werden (mindestens 2 Monate vorher).
Übermäßig viel Sport: Tägliches intensives Training (über 60 Minuten) kann die Hormonsteuerung stören. Moderat ist besser als extrem.

Was bringt eine Gewichtsabnahme von 5–10 %?

Geschätzte Verbesserungen bei übergewichtigen Frauen nach 3–6 Monaten:

Richtwerte basierend auf Oxford-Studie 2025, ASRM 2021

Häufig gestellte Fragen

Lassen Sie sich persönlich beraten

Im Erstgespräch besprechen wir Ihre Situation – Gewicht, Hormonwerte und den besten Weg zum Wunschkind.

Verfasst von Dr. Roman Pavlik, Facharzt für Gynäkologie und Reproduktionsmedizin

Quellen: Oxford Meta-Analyse, Ann Intern Med 2025 · Sermondade et al., Hum Reprod Update 2019 · ASRM Committee Opinion 2021 · Salamun et al. (Liraglutide + Metformin RCT) · Luke et al., Fertil Steril 2011

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Wenn Sie Fragen haben oder persönlich mit uns über Ihren Kinderwunsch sprechen möchten, sind wir jederzeit für Sie da. Dr. Pavlik und sein Team begleiten Sie liebevoll und fachkundig auf Ihrem Weg.

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