Das Körpergewicht hat einen größeren Einfluss auf die Fruchtbarkeit, als viele denken – bei Frauen und bei Männern. Dieser Artikel erklärt verständlich, was die Forschung zeigt und was Sie selbst tun können.
BMI und Fruchtbarkeit: Die Übersicht
Was ist der BMI?
Der Body-Mass-Index (BMI) berechnet sich aus Körpergewicht und Körpergröße. Er ist ein grober Richtwert – er sagt zum Beispiel nichts darüber aus, ob jemand viel Muskelmasse hat. Trotzdem ist er der am besten untersuchte Wert, wenn es um den Zusammenhang zwischen Gewicht und Fruchtbarkeit geht.
| Gewichtsklasse | BMI | Was bedeutet das für die Fruchtbarkeit? | |
|---|---|---|---|
| Untergewicht | unter 18,5 | Periode kann unregelmäßig werden oder ausbleiben. Eisprung fällt manchmal aus. | |
| Normalgewicht | 18,5–24,9 | Beste Voraussetzungen für eine Schwangerschaft. | |
| Übergewicht | 25–29,9 | Leicht erhöhtes Risiko, aber meist keine spürbare Einschränkung. | |
| Adipositas Grad I | 30–34,9 | Zyklus kann unregelmäßig werden. Einnistung des Embryos ist erschwert. | |
| Adipositas Grad II | 35–39,9 | IVF-Erfolgsraten sinken deutlich. Fehlgeburten-Risiko steigt. | |
| Adipositas Grad III | ab 40 | Erfolgsraten stark eingeschränkt. Risiken für Mutter und Kind erhöht. |
Quellen: ASRM Committee Opinion 2021, Sermondade et al. 2019
Warum stört Übergewicht die Fruchtbarkeit?
Übergewicht wirkt sich auf mehreren Wegen auf die Fortpflanzung aus. Hier die vier wichtigsten – einfach erklärt:
Der Körper reagiert schlechter auf Insulin
Bei Übergewicht braucht der Körper immer mehr Insulin, um den Blutzucker zu regulieren. Zu viel Insulin bringt aber die Eierstöcke durcheinander: Sie produzieren mehr männliche Hormone. Das kann dazu führen, dass der Eisprung ausbleibt – besonders bei Frauen mit PCOS.
Hormone geraten aus dem Gleichgewicht
Fettgewebe ist nicht nur Speicher – es produziert selbst Hormone. Je mehr Fettgewebe, desto mehr Östrogen wird gebildet. Zu viel Östrogen stört das feine Zusammenspiel der Fruchtbarkeitshormone. Das Gehirn bekommt falsche Signale, und der Zyklus wird unregelmäßig.
Stille Entzündungen im Körper
Bei starkem Übergewicht befindet sich der Körper in einem Zustand dauerhafter leichter Entzündung. Diese Entzündung ist nicht spürbar, stört aber die Eizellreifung und kann verhindern, dass sich ein Embryo gut in die Gebärmutter einnistet.
Die Eizellqualität leidet
In der Flüssigkeit rund um die heranreifenden Eizellen finden sich bei übergewichtigen Frauen mehr schädliche Stoffwechselprodukte. Das kann die Qualität der Eizellen und damit auch die Entwicklung des Embryos beeinträchtigen.
Was sagen die aktuellen Studien?
Die gute Nachricht zuerst: Abnehmen vor einer Kinderwunschbehandlung lohnt sich. Und dafür reichen oft schon wenige Kilogramm.
Große Übersichtsstudie der Universität Oxford, 2025
12 Studien zusammengefasst · fast 2.000 Frauen mit Übergewicht und Kinderwunsch
Frauen, die vor einer Kinderwunschbehandlung abgenommen haben, wurden 47 % häufiger auf natürlichem Weg schwanger. Auch die Gesamtrate an Schwangerschaften war 21 % höher als bei Frauen, die ihr Gewicht nicht verändert haben.
Sermondade und Kollegen, 2019
Auswertung von 21 Studien
Frauen mit starkem Übergewicht haben pro IVF-Behandlung eine um 15–20 % niedrigere Chance auf ein Baby als normalgewichtige Frauen.
Wie beeinflusst der BMI die IVF-Erfolgsrate?
Geschätzte Schwangerschaftsrate pro IVF-Behandlung, aufgeteilt nach BMI-Klasse:
Richtwerte basierend auf Sermondade et al. 2019, Luke et al. 2011
Sonderfall PCOS: Wenn Gewicht und Hormone zusammenspielen
Etwa 50–70 % der Frauen mit PCOS sind übergewichtig. Das Problem: Übergewicht und PCOS verstärken sich gegenseitig. Mehr Gewicht → mehr Insulin → mehr männliche Hormone → noch unregelmäßigerer Zyklus. Diesen Teufelskreis kann man durchbrechen.
Spannende Studie: Salamun und Kollegen
Übergewichtige Frauen mit PCOS erhielten vor der IVF-Behandlung eine Kombination aus zwei Medikamenten (Liraglutid + Metformin). Ergebnis: 85,7 % wurden schwanger – in der Vergleichsgruppe ohne diese Vorbereitung nur 28,6 %. Die Studie war klein, aber das Ergebnis ist beeindruckend.
Metformin
Hilft dem Körper, Insulin besser zu verarbeiten. Kann den Eisprung wieder auslösen und das Fehlgeburten-Risiko senken. Wird oft als erstes Medikament bei PCOS eingesetzt.
Ozempic & Co. (GLP-1-Medikamente)
Zeigen in Studien bei PCOS gute Ergebnisse. Wichtig: Dürfen in der Schwangerschaft nicht genommen werden. Müssen mindestens 2 Monate vorher abgesetzt werden. → Mehr dazu
Gewicht reduzieren
Schon 5–10 % weniger Körpergewicht können bei PCOS den Zyklus normalisieren und den Eisprung zurückbringen. Das ist oft der wichtigste erste Schritt.
Auch Männer betroffen: Gewicht und Spermienqualität
Übergewicht beim Mann wird beim Kinderwunsch oft übersehen – dabei sind die Auswirkungen gut belegt:
Was Übergewicht beim Mann verändert
Die gute Nachricht
Tipp: Ein Spermiogramm zu Beginn zeigt den Ausgangswert. Nach 3–6 Monaten Lebensstiländerung kann eine Kontrolluntersuchung den Fortschritt sichtbar machen.
Was Sie konkret tun können
✅ Das hilft nachweislich
❌ Das sollten Sie vermeiden
Was bringt eine Gewichtsabnahme von 5–10 %?
Geschätzte Verbesserungen bei übergewichtigen Frauen nach 3–6 Monaten:
Richtwerte basierend auf Oxford-Studie 2025, ASRM 2021
Häufig gestellte Fragen
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Im Erstgespräch besprechen wir Ihre Situation – Gewicht, Hormonwerte und den besten Weg zum Wunschkind.



