Social Freezing in Österreich: Eizellen einfrieren – Ablauf, Kosten und neue Rechtslage
Darf man in Österreich Eizellen ohne medizinischen Grund einfrieren lassen?
Der Verfassungsgerichtshof hat das Verbot aufgehoben, die Aufhebung wirkt aber erst nach einer Übergangsfrist. Bis dahin bleibt das Einfrieren ohne medizinischen Grund in Österreich unzulässig; aus medizinischem Grund war und ist es erlaubt. Was ab wann gilt, wie der Ablauf aussieht und welches Alter entscheidend ist, steht weiter unten.

- 01Neue Rechtslage: VfGH kippt Verbot des Social Freezing→
- 02Was genau ist Social Freezing?→
- 03Ablauf: Schritt für Schritt→
- 04Das optimale Alter für Social Freezing→
- 05Mit welchen Kosten ist zu rechnen?→
- 06Social Freezing in Europa: Wo ist es erlaubt?→
- 07Chancen und Grenzen→
- 08Häufig gestellte Fragen (FAQ)→
Neue Rechtslage: VfGH kippt Verbot des Social Freezing
VfGH-Erkenntnis G 52/2024 vom 6. Oktober 2025
Der österreichische Verfassungsgerichtshof hat das gesetzliche Verbot von Social Egg Freezing (§ 2b Abs. 1 FMedG) als verfassungswidrig aufgehoben. Das ausnahmslose Verbot greift unverhältnismäßig in das Grundrecht auf Achtung des Privat- und Familienlebens (Art. 8 EMRK) ein.
Ab 1. April 2027 Die Aufhebung des Verbots wird wirksam; welche Regeln dann gelten (Altersgrenzen, Beratung, Fristen), entscheidet der Gesetzgeber bis dahin.
Bis dahin Die bisherige Regelung gilt unverändert weiter.
Was der Gesetzgeber bis dahin regeln darf Altersgrenzen und Aufklärungspflichten.
Bis April 2027: Eizellen dürfen in Österreich nur bei medizinischem Grund eingefroren werden (Medical Freezing), etwa vor Chemotherapie, bei Endometriose oder vorzeitiger Menopause. Viele österreichische Frauen weichen derzeit nach Deutschland, Tschechien oder Spanien aus.
Was genau ist Social Freezing?
Social Freezing
Einfrieren noch nicht befruchteter Eizellen ohne medizinischen Grund, rein zur Vorsorge für eine spätere Schwangerschaft.
🇦🇹 Verbot fällt am 1. April 2027; welche Regeln danach gelten, ist offen
Medical Freezing
Einfrieren bei medizinischem Grund, z. B. vor Krebstherapie, bei Endometriose, vorzeitiger Menopause.
🇦🇹 Bereits jetzt erlaubt
Die Technik ist in beiden Fällen dieselbe. Nach einer Hormonbehandlung werden die Eizellen entnommen und sofort auf minus 196 Grad heruntergekühlt. Dieses sehr schnelle Einfrieren heißt Vitrifikation; dabei bilden sich keine Eiskristalle, die die Zelle verletzen könnten. Bei dieser Temperatur stehen alle biologischen Prozesse still. Die Eizellen altern nicht.
Ablauf: Schritt für Schritt
- 1Beratung und BefundeAMH, FSH, Ultraschall der Eierstöcke
- 2Hormonbehandlung10 bis 14 Tage, Spritzen zu Hause
- 3Entnahme der Eizellenkurzer Eingriff, 15 bis 20 Minuten
- 4Einfrierensehr schnelles Kühlen auf minus 196 Grad
- 5Lagerndie Eizellen altern dabei nicht weiter
- 6Später verwendenauftauen, befruchten, übertragen
- 01Beratung & Diagnostik: Ausführliches Gespräch, Blutabnahme (AMH, FSH, Östradiol), Ultraschall zur Bestimmung der antralen Follikel. 1 Termin.
- 02Hormonelle Stimulation: Tägliche Hormonspritzen (subkutan, selbst zu Hause) über 10–14 Tage. Ziel: mehrere Eizellen gleichzeitig heranreifen lassen. 2–3 Ultraschallkontrollen.
- 03Entnahme der Eizellen (Punktion): Ambulanter Eingriff unter leichter Sedierung, ca. 15–20 Minuten. Ultraschall-geführte Punktion durch die Scheide.
- 04Vitrifikation: Reife Eizellen werden innerhalb weniger Stunden durch Vitrifikation kryokonserviert. Überlebensrate nach Auftauen: 90–97 %.
- 05Lagerung: In flüssigem Stickstoff bei –196 °C. Keine zeitliche Begrenzung für noch nicht befruchtete Eizellen in Österreich.
- 06Spätere Verwendung: Eizellen auftauen → per ICSI befruchten → Embryo transferieren. Erfolgsraten hängen vom Alter bei Entnahme ab.
Das optimale Alter für Social Freezing
Das Alter bei der Entnahme der Eizellen ist der mit Abstand wichtigste Erfolgsfaktor. Je jünger die eingefrorenen Eizellen, desto höher die spätere Zahl der Schwangerschaften.
| Alter bei Entnahme | Erw. Eizellen/Zyklus | Empf. Gesamtzahl | LBR/Eizelle |
|---|---|---|---|
| Unter 30 | 10–15 | 15–20 | 8–10 % |
| 30–34 | 8–12 | 15–20 | 6–8 % |
| 35–37 | 6–10 | 20–25 | 4–6 % |
| 38–40 | 4–8 | 25–30+ * | 2–4 % |
| Über 40 | 2–5 | Individuell | < 2 % |
Quelle Größenordnungen nach Goldman und Kollegen (Quelle 04), die aus Alter und Eizellzahl die Wahrscheinlichkeit einer Geburt berechnet haben, sowie Cobo und Kollegen (Quelle 03). Richtwerte, keine Zusage für den Einzelfall.
* Mehrere Zyklen mit Hormonbehandlung wahrscheinlich erforderlich. LBR steht für Zahl der geborenen Kinder je aufgetauter Eizelle. Die Zahl sagt also, wie viele von hundert aufgetauten Eizellen am Ende zu einem Kind führen, nicht wie hoch Ihre Gesamtchance ist.
Alter und Aussicht auf Erfolg
Wie groß die Chance am Ende ist, hängt vor allem am Alter beim Einfrieren. Die größte Untersuchung dazu hat knapp 1.500 Frauen begleitet, die ihre Eizellen einfrieren ließen. Wer mit 35 oder jünger einfriert und später 10 bis 15 Eizellen auftauen lässt, kommt auf rund 85 Prozent Gesamtchance, mindestens ein Kind zu bekommen. Ab 36 Jahren sind es etwa 36 Prozent, und diese Zahl steigt kaum noch, auch wenn mehr Eizellen eingelagert wurden. Unter acht bis zehn reifen Eizellen lohnt sich der Aufwand nach dieser Arbeit kaum (Quelle 3).
Ideal ist eine Entnahme der Eizellen zwischen 25 und 35 Jahren. In diesem Alter genügen in der Regel 1–2 Zyklen mit Hormonbehandlung. Ab 38 steigt der Aufwand deutlich, während die Erfolgsaussichten sinken.
Mit welchen Kosten ist zu rechnen?
Social Freezing wird vermutlich nicht von Krankenkassen oder dem IVF-Fonds erstattet. Richtwerte pro Stimulationszyklus:
| Leistung | Richtwert |
|---|---|
| Beratung, Diagnostik, Blutbild | 150–300 € |
| Stimulationsmedikamente | 1.000–2.500 € |
| Entnahme der Eizellen + Narkose | 1.500–3.000 € |
| Vitrifikation (Einfrieren) | 300–500 € |
| Jährliche Lagerung | 200–400 €/Jahr |
| Gesamtkosten pro Zyklus (geschätzt) | 3.000–6.000 € |
Richtwerte basierend auf Medical Freezing und vergleichbaren Preisen in Nachbarländern. Tatsächliche Social-Freezing-Preise nach Gesetzesreform können abweichen.
Social Freezing in Europa: Wo ist es erlaubt?
| Land | Status | Altersgrenze | Besonderheiten |
|---|---|---|---|
| 🇩🇪 Deutschland | Erlaubt | Keine gesetzliche | Keine Kassenübernahme |
| 🇪🇸 Spanien | Erlaubt | Bis 50 (Verwendung) | Viel Erfahrung |
| 🇨🇿 Tschechien | Erlaubt | Bis 49 (Verwendung) | Günstig, kurze Anreise |
| 🇧🇪 Belgien | Erlaubt | Bis 47 (Verwendung) | Teilweise Kasse |
| 🇩🇰 Dänemark | Erlaubt | Bis 46 (Verwendung) | Auch für Singlefrauen |
| 🇦🇹 Österreich | Aufhebung wirksam ab 04/2027, Regeln offen | Noch offen | VfGH-Urteil 10/2025 |
Chancen und Grenzen
Was Social Freezing kann
- Qualität der Eizellen zum Zeitpunkt des Einfrierens konservieren
- Zeitdruck reduzieren: für selbstbestimmte Familienplanung
- Die Eizellen altern im Stickstoff nicht weiter. Sie bleiben so, wie sie beim Einfrieren waren
Was es nicht garantiert
- Keine Schwangerschaftsgarantie
- Nicht jede Eizelle wird befruchtet, nicht jeder Embryo nistet ein
- Nur ca. 10–15 % der Frauen nutzen ihre Eizellen später tatsächlich
Eingefrorene Eizellen sind eine Versicherung, keine Therapie. Viele Frauen werden auf natürlichem Weg schwanger. Die eingefrorenen Eizellen sind der Plan B.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Kann ich jetzt schon Social Freezing in Österreich machen?
Nein, aktuell ist Social Freezing ohne medizinischer Grund noch verboten. Die Aufhebung tritt am 1. April 2027 in Kraft. Bei medizinischem Grund (z. B. Krebstherapie, Endometriose) ist Medical Freezing bereits jetzt möglich.
Wie lange können Eizellen eingefroren bleiben?
Theoretisch unbegrenzt. Für noch nicht befruchtete Eizellen gibt es in Österreich keine gesetzliche Lagerbegrenzung. Die Vitrifikation gewährleistet, dass die Eizellen auch nach Jahrzehnten ihre Qualität behalten.
Wie viele Eizellen sollte ich einfrieren lassen?
Faustregel: 15–20 reife Eizellen für eine realistische Chance auf mindestens ein Kind. Je nach Alter und Eierstockreserve können dafür 1–3 Zyklen mit Hormonbehandlung notwendig sein. Ihr AMH-Wert gibt eine gute Vorhersage.
Ist Social Freezing für jede Frau sinnvoll?
Am sinnvollsten für Frauen zwischen 25 und 35 Jahren, die aktuell keinen Kinderwunsch umsetzen können, aber für später planen. Ab 38 sinkt das Kosten-Nutzen-Verhältnis deutlich.
Werden die Kosten von der Krankenkasse übernommen?
Voraussichtlich nein. Social Freezing ist eine Vorsorgemaßnahme und wird weder vom IVF-Fonds noch von Krankenkassen erstattet. Politisch wird eine Förderung diskutiert, eine Regelung gibt es aber noch nicht.
Kann ich als Singlefrau Social Freezing nutzen?
Das Einfrieren wird vermutlich auch für Singlefrauen möglich sein. Die spätere Verwendung (IVF) setzt in Österreich aktuell eine Partnerschaft voraus. Auch diese Regelung wird diskutiert, ein weiterer Individualantrag beim VfGH ist anhängig.
Quellen zum Nachlesen
- 01Verfassungsgerichtshof, Erkenntnis G 52/2024-29 vom 6.10.2025
- 02Bioethikkommission beim Bundeskanzleramt: Stellungnahme zur Einfrieren von Eizellen, Wien 2023
- 03Cobo A, García-Velasco JA, Coello A, Domingo J, Pellicer A, Remohí J. Oocyte vitrification as an efficient option for elective fertility preservation. Fertil Steril. 2016;105(3):755-764.e8. Doi: 10.1016/j.fertnstert.2015.11.027
- 04Goldman RH, Racowsky C, Farland LV, Munné S, Ribustello L, Fox JH. Predicting the likelihood of live birth for elective oocyte cryopreservation: a counseling tool for physicians and patients. Hum Reprod. 2017;32(4):853-859. doi: 10.1093/humrep/dex008
- 05ESHRE Task Force on Ethics and Law: Oocyte cryopreservation for age-related fertility loss. Hum Reprod. 2012;27(5):1231-1237. doi: 10.1093/humrep/des029
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