
Ab wann sollten wir wiederholte Fehlgeburten abklären lassen?
Nach drei Fehlgeburten empfehlen die deutschsprachigen Fachgesellschaften eine Abklärung. Schon nach zwei Verlusten kann sie sinnvoll sein. Das hängt von Ihrem Alter und Ihrer Vorgeschichte ab. Wir beziehen beide Partner ein und suchen nach Ursachen, aus denen sich eine Behandlung ableiten lässt. Auch ohne erklärenden Befund ist eine spätere Lebendgeburt möglich. Ihre persönliche Aussicht besprechen wir anhand Ihrer bisherigen Schwangerschaften.
Von wiederholten Fehlgeburten sprechen Ärzte nach mehreren Schwangerschaftsverlusten. Die Fachgesellschaften verwenden unterschiedliche Definitionen: Die deutschsprachige Leitlinie orientiert sich an drei Verlusten, die europäische und die amerikanische Fachgesellschaft setzen die Grenze bei zwei [AWMF 2026, ESHRE 2022, ASRM 2026].
Sie sind nicht schuld. Die meisten Fehlgeburten entstehen, weil sich der Embryo wegen zufälliger Chromosomenfehler nicht weiterentwickeln kann. Sport, Heben, Arbeit oder Geschlechtsverkehr lösen keine Fehlgeburt aus.
Jeder Verlust zählt. Auch eine sehr frühe Fehlgeburt ist ein echter Verlust. Trauer, Wut und Erschöpfung sind normale Reaktionen, bei Ihnen beiden.
Es gibt Hoffnung. Viele Paare bekommen nach mehreren Fehlgeburten später ein Kind, auch wenn keine Ursache gefunden wird.
Die englische Bezeichnung lautet „recurrent pregnancy loss", kurz RPL. Die Verluste müssen nicht unmittelbar aufeinanderfolgen. Auch sehr frühe, nur durch einen Schwangerschaftstest nachgewiesene Verluste können dazugehören. Für die Abklärung erfassen wir alle Schwangerschaften und die vorhandenen Befunde.
Die Definition allein entscheidet nicht, wann eine Untersuchung sinnvoll ist. Die deutschsprachige Leitlinie hält eine Abklärung schon nach zwei Fehlgeburten für sinnvoll, wenn Alter und Vorgeschichte dafür sprechen. Auch die britische Leitlinie lässt eine frühere Abklärung zu [AWMF 2026, RCOG 2023]. Sie müssen deshalb nicht auf einen weiteren Verlust warten, bevor Sie ärztlichen Rat suchen.
Nach drei Fehlgeburten ist eine Abklärung angezeigt. Nach zwei Verlusten besprechen wir, ob sie schon jetzt sinnvoll ist. Das gilt auch, wenn Sie bereits ein Kind haben.
Nach einer weiteren Fehlgeburt fühlen sich viele Paare leer und erschöpft. Manche haben Angst, es noch einmal zu versuchen, andere wollen so schnell wie möglich Antworten. Beides ist verständlich. Sie entscheiden, wann Sie bereit sind, und wir richten uns nach Ihnen.
Entscheidend sind Ihr Alter und der Verlauf der bisherigen Schwangerschaften. Auch bekannte Erkrankungen oder eine laufende Kinderwunschbehandlung können für eine frühere Abklärung sprechen. Welche Untersuchungen infrage kommen und welche Kosten dabei entstehen, klären wir vorab.
Sprechen Sie frühzeitig mit uns, wenn bei Ihnen oder in Ihrer Familie Thrombosen aufgetreten sind. Auch bekannte Autoimmunerkrankungen und Verluste nach den ersten drei Monaten gehören in die Abklärung. Nach einem solchen späteren Verlust kann schon ohne weitere Fehlgeburt eine gezielte Untersuchung nötig sein. Bringen Sie vorhandene genetische Befunde aus früheren Schwangerschaften bitte mit.
Zuerst besprechen wir Ihre bisherigen Schwangerschaften und vorhandenen Befunde. Danach planen wir gezielt weitere Untersuchungen: Bluttests, einen Ultraschall der Gebärmutter und genetische Untersuchungen.
Wir erklären Ihnen, welche Frage ein Test beantworten kann und welches Ergebnis den nächsten Schritt verändern würde. Die Kosten besprechen wir vor der Untersuchung.
Bringen Sie vorhandene Ultraschallberichte, Entlassungs- oder Operationsberichte und genetische Befunde mit. Hilfreich ist eine kurze Übersicht: Wann waren Sie schwanger, in welcher Woche endete die Schwangerschaft und wie wurde die Fehlgeburt behandelt? Notieren Sie auch Ihre Medikamente. Sie müssen nicht alle Unterlagen beisammen haben, bevor Sie einen Termin vereinbaren.
Wir erfassen jede Schwangerschaft, den Zeitpunkt des Verlusts und vorhandene Gewebeuntersuchungen. Dazu kommen Erkrankungen und Medikamente beider Partner sowie die Familiengeschichte. Auch Alter und Lebensstil des Mannes können für die Einordnung wichtig sein [ESHRE 2022, AWMF 2026].
Antiphospholipid-Antikörper können mit wiederholten Fehlgeburten zusammenhängen. Wir untersuchen das Lupus-Antikoagulans und die Antikörper gegen Cardiolipin und Beta-2-Glykoprotein I. Ein auffälliger Wert allein beweist noch kein Antiphospholipid-Syndrom. Dafür müssen passende klinische Voraussetzungen vorliegen, und der Befund muss nach mindestens zwölf Wochen erneut nachweisbar sein [ESHRE 2022].
Wir bestimmen das schilddrüsenstimulierende Hormon TSH. Ist es erhöht, kommen das freie Schilddrüsenhormon fT4 und die Schilddrüsen-Antikörper (TPO-AK) hinzu [AWMF 2026]. Dazu messen wir Ihr Vitamin D, denn ein Mangel sollte vor der nächsten Schwangerschaft ausgeglichen werden. Mehr dazu auf der Seite zur Hormonanalyse.
Mit dem 3D-Ultraschall durch die Scheide beurteilen wir die Form der Gebärmutter. Eine mögliche Veränderung ist eine Scheidewand in der Gebärmutterhöhle, ein Septum. Je nach Befund ergänzt eine Gebärmutterspiegelung die Untersuchung. Ein auffälliger Ultraschallbefund erklärt nicht automatisch die Fehlgeburten [ESHRE 2022].
Bei einer balancierten Chromosomenveränderung sind Teile von Chromosomen anders angeordnet, ohne dass insgesamt Erbgut fehlt oder hinzukommt. Beim Träger verursacht sie meist keine Beschwerden. Sie kann aber das Risiko einer Fehlgeburt oder einer Chromosomenstörung beim Kind erhöhen. Nach drei Fehlgeburten untersuchen wir deshalb die Chromosomen von Ihnen beiden aus einer Blutprobe [AWMF 2026]. Sind Sie jünger als etwa 36 Jahre oder kamen in Ihrer Familie gehäuft Fehlgeburten vor, bieten wir das schon nach zwei Fehlgeburten an. Liegt bereits ein Chromosomenbefund aus dem Gewebe einer Fehlgeburt vor, richtet sich der Test danach. Ein auffälliges Ergebnis besprechen wir in einer humangenetischen Beratung.
Wiederholte Fehlgeburten behandeln wir nach dem Befund: Findet die Abklärung eine Ursache, richtet sich die Behandlung gezielt danach.
In Österreich ist eine Präimplantationsdiagnostik nur unter den Voraussetzungen des § 2a FMedG zulässig. Eine davon sind mindestens drei ärztlich nachgewiesene spontane Fehl- oder Totgeburten, die mit hoher Wahrscheinlichkeit genetisch bedingt waren. Daneben nennt das Gesetz die ernste Gefahr einer Fehl- oder Totgeburt aufgrund der genetischen Veranlagung eines Elternteils. Dafür setzt es keine Mindestzahl an Verlusten voraus. Eine balancierte Chromosomenveränderung macht die Untersuchung aber nicht automatisch zulässig. Vor einer Behandlung prüfen wir im Einzelfall, ob die gesetzlichen Voraussetzungen erfüllt sind und ob sich die konkrete Veränderung im Labor überhaupt sicher untersuchen lässt.
Bei vielen Paaren bleibt die Ursache trotz Abklärung offen. Das fühlt sich oft unbefriedigend an, weil man eine Erklärung sucht. Es bedeutet aber auch: Wir haben nichts gefunden, das einer Schwangerschaft grundsätzlich im Weg steht. Auch dann kann eine weitere Schwangerschaft gut ausgehen [Lund 2012]. Ein unauffälliger Befund heißt nicht, dass wir Ihre Verluste weniger ernst nehmen. Ihre persönliche Aussicht hängt vor allem von Ihrem Alter und Ihrer vollständigen Schwangerschaftsgeschichte ab. Blutet es in einer neuen Schwangerschaft und hatten Sie mindestens drei Verluste, kann Progesteron in die Scheide die Lebendgeburtenrate verbessern [ESHRE 2022, PRISM 2019]. Ohne Blutung ist ein Nutzen nicht verlässlich belegt. Eine Blutung in der Schwangerschaft lassen Sie bitte immer ärztlich abklären.
Sie hatten mehrere Fehlgeburten und möchten wissen, was dahintersteckt? Im Erstgespräch planen wir die Abklärung für Sie beide.
Erstgespräch vereinbarenFür viele zusätzlich angebotene Tests und Behandlungen ist bei ungeklärten wiederholten Fehlgeburten kein verlässlicher Nutzen belegt. Ein auffälliger Laborwert allein rechtfertigt noch keine Behandlung.
Einige Maßnahmen haben Nebenwirkungen oder kosten Geld, ohne die Aussicht auf ein Kind nachweislich zu verbessern. Wir besprechen deshalb Nutzen und Risiken mit Ihnen, bevor Sie entscheiden.
Nach mehreren Fehlgeburten ist der Wunsch verständlich, nichts unversucht zu lassen. Endometrium-Scratching, Intralipid, die Bestimmung der NK-Zellen und IVIG bieten wir in der Kinderwunschklinik Dr. Pavlik deshalb an. Wir sagen Ihnen aber offen, wie es um die Studienlage steht: Die Leitlinien empfehlen diese Maßnahmen nicht routinemäßig, weil ein Nutzen bisher nicht sicher belegt ist. Wenn Sie es in Erwägung ziehen, besprechen wir gemeinsam, was dafür und was dagegen spricht, welche Risiken und Kosten entstehen, und entscheiden dann mit Ihnen. Hintergründe finden Sie in unserem Ratgeber zu Immunglobulinen und auf der Seite zu NK-Zellen und Plasmazellen.
Wiederholte Fehlgeburten können beide Partner belasten. Zur Betreuung gehört deshalb auch, über Ängste und Unterstützung zu sprechen.
Mehrere Fehlgeburten hinterlassen Spuren, auch wenn das Umfeld oft wenig davon mitbekommt. Sie müssen das nicht allein tragen. Psychologische Unterstützung kann Ihnen beiden helfen, auf Wunsch nennen wir Ihnen geeignete Beratungsangebote und Selbsthilfegruppen [AWMF 2026].
Den ersten Ultraschall in der nächsten Schwangerschaft planen wir passend zum Schwangerschaftsalter, meist zwischen der sechsten und achten Woche. Wir beurteilen, wo die Schwangerschaft sitzt und wie sie sich entwickelt. Ist noch kein Herzschlag zu sehen, kann der Zeitpunkt zu früh sein. Dann legen wir eine Kontrolle fest. Weitere Termine und die Übergabe an Ihre Frauenärztin oder Ihren Frauenarzt stimmen wir mit Ihnen ab.
Angst ist normal. Viele Frauen trauen sich nach mehreren Fehlgeburten kaum, sich über einen positiven Test zu freuen. Sie dürfen sich trotzdem freuen, und Sie dürfen Angst haben. Beides hat Platz.
Melden Sie sich früh. Besprechen Sie schon vorher mit uns, wann Sie nach einem positiven Test anrufen. Dann klären wir, ob aufgrund Ihrer Befunde Medikamente nötig sind. Beginnen Sie ASS, Heparin oder Progesteron bitte nicht auf eigene Faust.
Feste Termine geben Halt. Viele Paare empfinden die Wartezeit zwischen den Kontrollen als am schwersten. Wir vereinbaren die Termine so, dass Sie nicht lange im Ungewissen bleiben.
Bei sehr starker Blutung, starken Schmerzen, Fieber oder Kreislaufproblemen brauchen Sie rasch ärztliche Hilfe. Warten Sie dann nicht auf einen Termin für eine Untersuchung.
Was Paare uns nach mehreren Fehlgeburten am häufigsten fragen.
Nach drei Fehlgeburten wird eine Abklärung empfohlen. Nach zwei Verlusten kann sie schon sinnvoll sein, abhängig von Ihrem Alter und Ihrer Vorgeschichte. Auch Verluste, die nicht direkt aufeinander folgten, gehören ins Gespräch.
Ja. Wir beziehen seine Vorgeschichte, sein Alter und seinen Lebensstil ein. Nach drei Fehlgeburten untersuchen wir die Chromosomen von Ihnen beiden, bei jüngeren Frauen schon nach zwei. Ein Spermiogramm oder weitere Tests kommen dazu, wenn es dafür einen Anlass gibt.
Bei vielen Paaren bleibt die Ursache offen. Auch dann kann eine weitere Schwangerschaft gut ausgehen. Wir besprechen Ihre persönliche Aussicht und vereinbaren, wie wir Sie in einer neuen Schwangerschaft begleiten.
Nein. Wiederholte Fehlgeburten allein bedeuten nicht, dass eine IVF nötig ist. Entscheidend ist, ob es zusätzlich schwierig ist, schwanger zu werden, oder ob ein Befund für eine bestimmte Behandlung spricht. Auch eine IVF verhindert nicht jede Fehlgeburt.
Bei ungeklärten wiederholten Fehlgeburten verbessert Heparin die Aussicht auf ein Kind nicht nachweislich. Es wird deshalb nicht allein zu diesem Zweck empfohlen. Bei einem Antiphospholipid-Syndrom oder zur Vorbeugung einer Thrombose kann es dagegen angezeigt sein.
Das hängt davon ab, welche Untersuchungen Sie brauchen. Die Laborkosten tragen Sie in der Regel selbst. Wir nennen Ihnen die Kosten vor der Untersuchung. Unsere Tarife finden Sie auf der Kostenseite.
In einer spezialisierten gynäkologischen oder reproduktionsmedizinischen Einrichtung. In der Kinderwunschklinik Dr. Pavlik in Thalheim bei Wels besprechen wir Ihre Vorgeschichte mit Ihnen beiden und planen die Abklärung.
Sie müssen diesen Weg nicht allein gehen. Im Erstgespräch in unserer Kinderwunschklinik in Thalheim bei Wels nehmen wir uns Zeit für Ihre Geschichte, gehen Ihre Befunde gemeinsam durch und planen die Untersuchungen für Sie beide. Bringen Sie vorhandene Befunde gerne mit. Sie erreichen unser Sekretariat unter +43 7242 22 44 66, Montag bis Freitag von 8:00 bis 16:00 Uhr.