Immunglobuline (IVIg) bei Kinderwunsch: Was die Studienlage hergibt
Helfen Immunglobuline bei wiederholten Fehlgeburten oder Einnistung, die ausbleibt?
Immungestützte Behandlungen werden bei wiederholtem Einnistung, die ausbleibt und wiederholten Fehlgeburten untersucht. Die Datenlage ist uneinheitlich, und eine Anwendung setzt eine gezielte Diagnostik voraus, nicht einen Verdacht. Wann eine solche Abklärung sinnvoll ist und was zur Sicherheit von IVIg bekannt ist, steht weiter unten.

- 01Wenn der Körper blockiert: Immungestützte Therapien als Schlüssel zur Schwangerschaft→
- 02Welche Untersuchungen sinnvoll sind→
- 03Sicherheit geht vor: Was Sie über IVIg wissen sollten→
- 04Blick nach vorn: Was die Forschung noch klären muss→
- 05Was für Sie infrage kommt→
- 06Häufig gestellte Fragen (FAQ)→
Wenn der Körper blockiert: Immungestützte Therapien als Schlüssel zur Schwangerschaft
Manchmal liegt die Ursache für wiederholte Fehlversuche nicht in der Genetik oder den Hormonen, sondern im Immunsystem. Belegt ist dieser Zusammenhang bisher nur in Teilen. Vor allem bei Frauen mit sogenannten im Abwehrsystem liegenden Auffälligkeiten, wie erhöhten natürlichen Killerzellen oder einem gestörten Gleichgewicht zwischen Entzündungs- und Schutzmechanismen, kann das Immunsystem die Einnistung regelrecht verhindern.
Eine Behandlungsoption, die in diesen Fällen Hoffnung schenkt, ist die Gabe von intravenösen Immunglobulinen (IVIg). Wie gut das belegt ist, hängt davon ab, welche Studien man betrachtet. Untersuchungen ohne Vergleichsgruppe nennen hohe Erfolgszahlen. In den randomisierten Studien, bei denen der Zufall entscheidet, wer die Infusion bekommt und wer ein Scheinpräparat, verschwindet der Unterschied. Besonders bei Frauen mit bislang unerklärtem Implantationsversagen oder wiederholten Fehlgeburten kann IVIg die entscheidende Wende bringen.
Welche Untersuchungen sinnvoll sind
Ein genauer Blick hinter die Kulissen ist oft der erste Schritt zur richtigen Behandlung. Mit modernen Diagnostikverfahren (etwa genetischen Tests oder im Abwehrsystem liegenden Screenings) können wir gezielt Risikofaktoren aufdecken.
Je klarer das Bild, desto gezielter die Therapie. Deshalb empfehlen wir vor einer IVIg-Therapie eine umfassende Fruchtbarkeitsabklärung. So stellen wir sicher, dass die Behandlung nicht nur wirksam, sondern auch sicher ist, und perfekt zu Ihrer persönlichen Geschichte passt.
Sicherheit geht vor: Was Sie über IVIg wissen sollten
- Das Verfahren wird seit Jahren eingesetzt
- Die Verträglichkeit ist meist gut
- Einzelne Beobachtungsstudien zeigen bessere Ergebnisse
- Randomisierte Studien fanden keinen Nutzen
- Fachgesellschaften empfehlen es nicht
- Die Kosten trägt die Patientin selbst
Natürlich stellt sich die Frage: Wie verträglich ist eine IVIg-Therapie? Die gute Nachricht: Die Behandlung gilt als sicher. Schwerwiegende Nebenwirkungen sind selten. Die häufigsten Begleiterscheinungen wie Müdigkeit, Kopfschmerzen oder grippeähnliche Symptome klingen meist rasch wieder ab, und lassen sich durch eine langsame Infusion und gezielte Begleitmaßnahmen gut abmildern. Regelmäßige Blutkontrollen sorgen zusätzlich dafür, dass mögliche Komplikationen frühzeitig erkannt und vermieden werden können.
- Nennen Erfolgsraten bis über 80 Prozent
- Alle behandelten Frauen bekommen die Infusion
- Ob es ohne Infusion genauso gut gelaufen wäre, bleibt offen
- Cochrane 2014, acht Studien, 303 Frauen: kein Unterschied
- Größte Einzelstudie 2015: 54,8 gegen 50,0 Prozent, nicht belastbar
- Fachgesellschaften empfehlen die Behandlung nicht
Blick nach vorn: Was die Forschung noch klären muss
Wir stehen erst am Anfang eines Verständnisses für die Rolle des Immunsystems in der Reproduktionsmedizin. Es fehlen groß angelegte Studien zu Nutzen, Dosierung, Therapiezeitpunkt und Langzeitwirkung der IVIg-Gabe. Bis dahin bleibt IVIg eine Einzelfallentscheidung.
Was für Sie infrage kommt
Eine anerkannte Indikation für Immunglobuline gibt es nicht. Wir setzen sie nur in Einzelfällen nach Ausschluss anderer Ursachen ein und besprechen Nutzen und Risiken vorher mit Ihnen. Heparin und ASS sind nur beim Antiphospholipidsyndrom belegt; Kortison und Intralipid werden von den Fachgesellschaften nicht empfohlen.
In der Kinderwunschklinik Dr. Pavlik in Thalheim bei Wels setzen wir Immunglobuline nur in seltenen Einzelfällen ein, nach Ausschluss der behandelbaren Ursachen und nach ausführlichem Gespräch. Eine Regelbehandlung ist es nicht, und Erfolgszahlen nennen wir dazu bewusst keine: Sie wären nach heutiger Studienlage nicht belegt.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Wann kommt eine IVIg-Therapie überhaupt infrage?
Nur im Einzelfall, wenn es wiederholt zu Fehlgeburten oder ausbleibender Einnistung trotz guter Embryonen kommt und andere Ursachen ausgeschlossen sind. Eine anerkannte Indikation gibt es nicht; erhöhte natürliche Killerzellen oder TH1/TH2-Verhältnisse gelten nach ESHRE nicht als Behandlungsgrund. Vor jeder Überlegung steht die Abklärung der behandelbaren Ursachen.
Wie funktioniert IVIg, und was bewirkt es im Körper?
IVIg steht für intravenös verabreichte Immunglobuline. Sie wirken regulierend auf das Immunsystem: überschießende Reaktionen der Abwehr, die eine Einnistung stören könnten, werden abgemildert. Gleichzeitig fördern sie ein im Abwehrsystem liegendes Gleichgewicht, das für eine erfolgreiche Schwangerschaft entscheidend ist.
Wie sicher ist die Behandlung mit IVIg?
IVIg gilt als gut verträglich. Nebenwirkungen wie Kopfschmerzen, Müdigkeit oder grippeähnliche Symptome treten selten auf und können durch langsame Infusionsgeschwindigkeit reduziert werden. Schwere Nebenwirkungen sind äußerst selten. Eine ärztliche Überwachung und Blutkontrollen sorgen für zusätzliche Sicherheit.
Muss ich die Infusion regelmäßig wiederholen, und wie lange dauert die Therapie?
In der Regel beginnt die Behandlung kurz vor oder rund um den Übertragung des Embryos. Je nach individueller Ausgangslage kann sie über die Frühschwangerschaft hinaus fortgesetzt werden (z. B. alle 4 Wochen bis zur 12.–16. SSW). Die genaue Dauer und Frequenz richten sich nach Ihrer im Abwehrsystem liegenden Diagnostik und dem Verlauf.
Gibt es Alternativen zur IVIg-Therapie?
Belegt sind niedrig dosiertes Heparin und ASS nur beim Antiphospholipidsyndrom. Kortison und Intralipid-Infusionen werden von den Fachgesellschaften nicht empfohlen. Was in Ihrem Fall sinnvoll ist, hängt von der Abklärung ab.
Quellen zum Nachlesen
- 01 Cochrane Database of Systematic Reviews: Immunotherapy for recurrent miscarriage. 2014. Acht randomisierte Studien mit 303 Frauen zu Immunglobulinen, Peto-Chancenverhältnis 0,98.
- 02 Christiansen OB, Larsen EC, Egerup P, et al.: Intravenous immunoglobulin treatment for secondary recurrent miscarriage. BJOG 2015;122(4):500–508. doi: 10.1111/1471-0528.13192
- 03 Practice Committee of the American Society for Reproductive Medicine: The role of immunotherapy in in vitro fertilization. Fertility and Sterility 2018;110(3):387–400. doi: 10.1016/j.fertnstert.2018.05.009
- 04 Yamada H, Deguchi M, Saito S, et al.: Intravenous immunoglobulin treatment in women with four or more recurrent pregnancy losses. eClinicalMedicine 2022;50:101527. doi: 10.1016/j.eclinm.2022.101527 — 99 Frauen, andere Fragestellung als das wiederholte Einnistungsversagen.
Wenn Sie eine im Abwehrsystem liegende Abklärung erwägen
Eine im Abwehrsystem liegende Abklärung steht am Ende der Ursachensuche, nicht am Anfang. In der Kinderwunschklinik Dr. Pavlik in Thalheim bei Wels gehen wir vorher die häufigeren Ursachen durch und sagen offen, wo die Evidenz dünn ist.
Sie sind unsicher, ob eine Kinderwunschklinik schon der richtige Schritt ist? Dann buchen Sie ein kostenloses Orientierungsgespräch: Wir rufen Sie an, ohne Verpflichtung, ohne Befunde. Lieber gleich sprechen? +43 7242 22 44 66.



