
Kann ich mit Endometriose schwanger werden?
Ja, viele Frauen mit Endometriose werden schwanger, manche ohne Behandlung, andere mit Insemination oder IVF. Endometriose kann die Fruchtbarkeit beeinträchtigen, aber nicht jede Form gleich stark. Welcher Weg passt, hängt von Ihrem Befund, Ihrem Alter und den Befunden Ihres Partners ab. Mit der Diagnose beginnt die Planung, sie beendet den Kinderwunsch nicht.
Bei einer Endometriose wächst Gewebe, das der Gebärmutterschleimhaut ähnelt, außerhalb der Gebärmutter, etwa am Bauchfell, an den Eierstöcken oder an den Eileitern.
Diese Herde reagieren auf die Hormone des Zyklus. Sie können Entzündungen und Verwachsungen auslösen. Am Eierstock bilden sich manchmal Zysten, die mit altem, eingedicktem Blut gefüllt sind. Man nennt sie Endometriome oder wegen ihrer Farbe auch Schokoladenzysten.
Für den Kinderwunsch zählt vor allem, wo die Herde liegen. Verwachsungen können die Eileiter verschließen oder ihre Beweglichkeit einschränken, sodass Eizelle und Spermien nicht zusammentreffen. Zysten und Operationen am Eierstock können die Eizellreserve verringern. Medizinisch wird die Endometriose in vier Stadien eingeteilt, von leicht bis ausgeprägt. Das Stadium sagt allerdings wenig darüber, wie stark die Schmerzen sind.
Eine Endometriose steht bei der Planung selten für sich allein. In der Kinderwunschklinik Dr. Pavlik beziehen wir die Befunde des Partners und Ihr Alter von Anfang an mit ein.
Eine Operation ist nicht automatisch der erste Schritt. Eine Endometriosezyste muss vor einer IVF nicht grundsätzlich entfernt werden. Dass eine routinemäßige Entfernung zu mehr Geburten führt, ist nicht belegt, und der Eingriff kann die Eizellreserve verringern. Bei Schmerzen oder anderen auffälligen Befunden entscheiden wir im Einzelfall. Welcher Weg zu Ihnen passt, steht in Abschnitt 05.
Bei einer Adenomyose wächst Gewebe der Gebärmutterschleimhaut in die Muskelwand der Gebärmutter hinein.
Die Adenomyose ist mit der Endometriose verwandt, der Unterschied liegt im Ort. Bei der Endometriose sitzen die Herde außerhalb der Gebärmutter, bei der Adenomyose in ihrer Wand. Beide Erkrankungen können gleichzeitig vorkommen. Typisch sind starke und schmerzhafte Regelblutungen, manche Frauen haben aber gar keine Beschwerden.
Eine Adenomyose wird in erster Linie mit dem Ultraschall durch die Scheide beurteilt, nach international einheitlichen Zeichen [Harmsen 2022]. Die Grenze zwischen Schleimhaut und Muskelwand sehen wir uns zusätzlich im 3D-Ultraschall an. In unklaren Fällen kann eine Magnetresonanztomographie (MRT) ergänzen. Eine Gewebeprobe ist für die Diagnose nicht nötig [Leitlinie DGGG/OEGGG/SGGG 2025].
Eine Adenomyose schließt eine Schwangerschaft nicht aus. In Studien führte eine IVF bei Adenomyose im Durchschnitt seltener zu einer Geburt, und Fehlgeburten waren häufiger [Cozzolino 2022, Ge 2024]. Wir berücksichtigen den Befund deshalb bei der Planung, und Ihre Frauenärztin oder Ihr Frauenarzt sollte ihn in einer Schwangerschaft kennen [Nirgianakis 2021].
Welche zusätzliche Behandlung die Geburt eines Kindes wahrscheinlicher macht, ist bisher nicht zuverlässig geklärt. Bei ausgeprägter Adenomyose besprechen wir im Einzelfall eine Vorbehandlung vor einem Kryotransfer. Das ist die Übertragung eines zuvor eingefrorenen Embryos. Ein verlässlicher Vorteil der Vorbehandlung ist nicht belegt. Was eine Operation bedeutet und wie stark Adenomyose wirkt, erklärt der Ratgeber.
Endometriose zeigt sich häufig durch starke Schmerzen rund um die Regelblutung, kann aber auch ganz ohne Beschwerden verlaufen.
Regelschmerzen, die Sie im Alltag einschränken, sind nicht einfach normal. Typische Hinweise sind:
Weil Endometriose auch ohne Beschwerden verlaufen kann, fällt sie bei manchen Frauen erst bei der Kinderwunschabklärung auf. Umgekehrt beweisen starke Schmerzen noch keine Endometriose. Beides klären wir mit einer gezielten Untersuchung.
Abklären lassen sollten Sie es, wenn Schmerzen Ihren Alltag bestimmen oder wenn sich der Kinderwunsch nicht erfüllt und solche Beschwerden dazukommen. Ein Verdacht auf Endometriose allein ist noch kein Grund, vor Ablauf eines Jahres ohne Schwangerschaft zu kommen. Früher sollten Sie sich melden, wenn starke Beschwerden eine Operation nahelegen könnten oder wenn eine größere Endometriosezyste am Eierstock bekannt ist.
Endometriose klären wir zuerst mit Ultraschall ab, eine Operation nur zur Diagnose ist heute nicht mehr der Standard.
Früher galt die Diagnose erst nach einer Bauchspiegelung mit Gewebeprobe als gesichert. Heute empfehlen die Leitlinie aus Österreich, Deutschland und der Schweiz (2025) und die europäische Leitlinie (2022) zuerst die Bildgebung. Das ist der Ultraschall durch die Scheide, bei Bedarf eine Magnetresonanztomographie (MRT).
Wir fragen nach Ihren Beschwerden und nach früheren Eingriffen. Ein früherer Operationsbericht enthält oft Angaben, die für die Planung wichtig sind.
Bringen Sie vorhandene Operationsberichte, Ultraschallbefunde und Ihre Medikamentenliste mit. Notieren Sie, wann Schmerzen auftreten und wie stark sie Ihren Alltag einschränken, und seit wann Ihr Kinderwunsch besteht. Sie müssen nicht erst alle Unterlagen beisammen haben, bevor Sie einen Termin vereinbaren.
Im Ultraschall sind Zysten am Eierstock gut zu erkennen, tiefe Herde etwa hinter der Gebärmutter dann, wenn gezielt danach gesucht wird. Kleine, flache Herde am Bauchfell sieht der Ultraschall nicht immer. Ein unauffälliger Befund schließt eine Endometriose deshalb nicht sicher aus. Bei Verdacht suchen wir gezielt nach tiefer Endometriose. Ist zusätzlich eine MRT nötig, überweisen wir Sie an eine radiologische Praxis.
Der AMH-Wert und die Zahl der kleinen Eibläschen im Ultraschall helfen, die Eizellreserve und die zu erwartende Reaktion auf eine Stimulation einzuschätzen. Wie viele Eizellen genau vorhanden sind, zeigen sie nicht. Der AMH-Wert ist kein Fruchtbarkeitstest, aber ein wichtiger Planungswert, gerade vor einer Operation am Eierstock.
Ob die Eileiter durchgängig sind, prüfen wir bei Bedarf mit einer HyCoSy. Beim Partner gehört ein Spermiogramm dazu, weil es die Wahl der Behandlung mitbestimmt.
Eine Bauchspiegelung bleibt sinnvoll, wenn die Bildgebung unauffällig ist, die Beschwerden aber bleiben, oder wenn Diagnose und Behandlung in einem Eingriff verbunden werden sollen. Diese Operation führen wir in der Klinik nicht selbst durch. Je nach Befund überweisen wir an die gynäkologische Abteilung des Klinikums Wels-Grieskirchen oder des Kepler Universitätsklinikums in Linz.
Ob bei Endometriose eher eine Operation oder eine IVF sinnvoll ist, entscheiden wir nach dem Befund bei Ihnen und Ihrem Partner, wobei auch Ihr Alter zählt.
Ein festes Schema gibt es nicht. Eine Operation kann Beschwerden lindern, ist aber ein Eingriff, und am Eierstock kann sie Eizellen kosten. Eine IVF umgeht die Eileiter, beseitigt aber keine Herde. Die Abwägung mit allen Einzelheiten steht in unserem Ratgeber. Hier die Grundzüge:
Bei Stadium I oder II kommt eine Insemination infrage, wenn die Eileiter offen sind und der Samenbefund passt. Auch ein geplanter Versuch ohne Behandlung ist möglich.
Ausgeprägte Endometriose oder weitere BefundeSind die Eileiter betroffen, liegt beim Partner ein auffälliger Befund vor oder sind die Aussichten nach einer Operation gering, ist die IVF meist der direktere Weg.
Zuwarten als geplanter Schritt: Sind die Voraussetzungen günstig, kann zunächst ein Versuch ohne Kinderwunschbehandlung sinnvoll sein. Gemeinsam vereinbaren wir, wie lange wir diesen Weg versuchen und wann wir die Lage neu beurteilen.
Zysten am Eierstock vor einer IVF: Eine Endometriosezyste muss vor einer IVF in der Regel nicht entfernt werden. Die Operation führt nach der Leitlinie nicht zu mehr Geburten, kann aber gesundes Eierstockgewebe mitnehmen; der AMH-Wert sinkt danach meist. Operiert wird eher bei starken Schmerzen oder wenn die Zyste den Zugang zu den Eibläschen bei der Eizellentnahme versperrt.
Hormonvorbehandlung: Früher bekamen viele Frauen vor der IVF über Monate ein Medikament, das die eigenen Hormone herunterfährt. Die Leitlinie empfiehlt diese verlängerte Vorbehandlung seit 2022 nicht mehr, weil ihr Nutzen unsicher ist. Die IVF kann meist ohne diesen Umweg beginnen. Bei ausgeprägter Adenomyose besprechen wir eine Vorbehandlung vor einem Kryotransfer im Einzelfall; ein verlässlicher Vorteil ist nicht belegt. Was Pille und Dienogest bei Kinderwunsch leisten, erklärt der Ratgeber Pille, Dienogest und Kinderwunsch.
Wie sich Ihre Chancen bei einer IVF nach Alter und Ausgangslage einordnen lassen, zeigt unser IVF-Erfolgsrechner.
Sie haben eine Endometriose und wissen nicht, ob zuerst operiert werden soll? Wir sehen uns Ihre Befunde an und planen den nächsten Schritt mit Ihnen.
Erstgespräch vereinbarenVor einer Endometriose-Operation an den Eierstöcken besprechen wir, ob Sie vorher Eizellen einfrieren lassen.
Eine Operation am Eierstock kann den Vorrat an Eizellen dauerhaft senken. Vorher gewonnene und eingefrorene Eizellen können eine zusätzliche Möglichkeit für später erhalten. Eine Schwangerschaft lässt sich damit nicht garantieren. Wir sprechen das Thema an, wenn an beiden Eierstöcken operiert wird oder die Eizellreserve schon niedrig ist, und wägen dann gemeinsam ab. Vor einer Bauchspiegelung nur zur Diagnose ist es meist nicht nötig, weil dabei am Eierstock in der Regel nichts entfernt wird.
Besprechen Sie vorher, wie der Eingriff Ihre Eizellreserve beeinflussen könnte und ob eine Kinderwunschberatung vor der Operation sinnvoll ist. Das gilt besonders bei wiederholten Eingriffen oder wenn beide Eierstöcke betroffen sind.
In Österreich ist das Einfrieren von Eizellen nur mit medizinischem Grund erlaubt. Entscheidend ist, ob eine Erkrankung oder ihre Behandlung die Eizellreserve vorzeitig vermindert. Das kann bei einer Endometriose am Eierstock vor einer geplanten Operation der Fall sein. Ob das in Ihrer Situation zutrifft, prüfen wir vorab einzeln. Das Einfrieren aus medizinischem Grund ist keine Leistung des IVF-Fonds.
Was Frauen mit Endometriose uns vor der Behandlung am häufigsten fragen.
Ja. Endometriose kann die Fruchtbarkeit beeinträchtigen, aber nicht jede Form gleich stark. Je nach Befund werden Frauen ohne Behandlung, mit Insemination oder mit IVF schwanger.
Bei der Endometriose liegt Gewebe, das der Gebärmutterschleimhaut ähnelt, außerhalb der Gebärmutter. Bei der Adenomyose liegt es in der Muskelwand der Gebärmutter. Beide Erkrankungen können gleichzeitig vorkommen.
Ja. Eine Adenomyose kann die Aussichten bei einer IVF verringern und das Risiko einer Fehlgeburt erhöhen, eine Schwangerschaft schließt sie aber nicht aus. Wie wir den Befund in Ihre Planung einbeziehen, besprechen wir nach dem Ultraschall. Mehr dazu im Ratgeber Adenomyose und Kinderwunsch.
Nach bisheriger Datenlage erhöht eine IVF das Risiko nicht, dass die Endometriose wiederkommt. Eine IVF soll Frauen mit Endometriose deshalb nicht vorenthalten werden. Ihre Beschwerden berücksichtigen wir trotzdem bei der Planung.
Nein. Bei manchen Frauen bessern sich die Beschwerden in der Schwangerschaft, bei anderen nicht. Eine Schwangerschaft ist deshalb kein Mittel gegen Endometriose. Was sich in der Schwangerschaft ändert, erklärt der Ratgeber Endometriose in der Schwangerschaft.
Endometriose ist eine der Ursachen, bei denen der IVF-Fonds eine IVF anteilig mitfinanzieren kann, wenn alle weiteren Voraussetzungen erfüllt sind. Als Nachweis genügt ein Befund im Ultraschall oder in der MRT; eine Operation mit Gewebeuntersuchung ist dafür nicht nötig. Die Preise finden Sie auf unserer Kostenseite, die Voraussetzungen auf der Seite zum IVF-Fonds.
Bringen Sie den Operationsbericht und vorhandene Befunde mit. Aus dem Bericht lassen sich Stadium und Zustand von Eileitern und Eierstöcken ablesen, das hilft bei der Wahl des nächsten Schritts. Möchten Sie eine bereits empfohlene Behandlung einordnen lassen, ist eine Zweitmeinung möglich.
In der Kinderwunschklinik Dr. Pavlik in Thalheim bei Wels beurteilen wir Beschwerden, Vorbefunde und den Ultraschall. Für die Kinderwunschplanung kommen je nach Situation weitere Untersuchungen hinzu, etwa zur Eizellreserve und zum Samenbefund. Einen verlässlichen Bluttest auf Endometriose gibt es nicht. Das Erstgespräch ist in der Klinik oder per Video möglich.
Becker CM et al. ESHRE guideline: endometriosis. Hum Reprod Open 2022;2022(2):hoac009.
Burghaus S et al. Diagnosis and Therapy of Endometriosis. Guideline of the DGGG, OEGGG and SGGG (S2k, AWMF 015/045, April 2025). Geburtshilfe Frauenheilkd 2026. doi: 10.1055/a-2760-4867.
Raffi F et al. J Clin Endocrinol Metab 2012;97:3146-54.
Georgiou EX et al. Cochrane Database Syst Rev 2019.
Van den Bosch T et al. Ultrasound Obstet Gynecol 2015;46:284-98 (Begriffe für Ultraschallzeichen der Gebärmutterwand).
Harmsen MJ et al. Ultrasound Obstet Gynecol 2022;60:118-31 (direkte und indirekte Ultraschallzeichen der Adenomyose, 3D-Ultraschall für die Übergangszone empfohlen).
Vercellini P et al. Hum Reprod 2014;29:964-77 (IVF/ICSI, klinische Schwangerschaft RR 0,72, 95-%-KI 0,55 bis 0,95; Fehlgeburt RR 2,12, 95-%-KI 1,20 bis 3,75).
Cozzolino M et al. Reprod Sci 2022;29:3177-93 (Lebendgeburt OR 0,59, 95-%-KI 0,37 bis 0,92; Fehlgeburt OR 2,11, 95-%-KI 1,33 bis 3,33; lange GnRH-Vorbehandlung ohne Nutzen, wenige Studien).
Nirgianakis K et al. Reprod Biomed Online 2021;42:185-206 (klinische Schwangerschaft OR 0,69, Fehlgeburt OR 2,17; Beratung vor der Behandlung und enge Betreuung der Schwangerschaft empfohlen).
Busnelli A et al. Hum Reprod Update 2024;30:751-88 (Adenomyose: Fehlgeburt OR 1,83, Präeklampsie OR 1,70; niedrige Evidenzqualität).
Ge L et al. BMJ Open 2024 (Adenomyose und IVF: Lebendgeburt je Zyklus 30,7 % gegenüber 47,8 %; Fehlgeburt je klinischer Schwangerschaft 27,8 % gegenüber 13,9 %; überwiegend Beobachtungsstudien).
Im Erstgespräch in unserer Kinderwunschklinik in Thalheim bei Wels sehen wir uns Ihre Beschwerden und Vorbefunde an und besprechen, welcher Weg zu Ihnen passt. Sie sind unsicher, ob ein Erstgespräch schon der richtige Schritt ist? Dann buchen Sie ein kostenloses Orientierungsgespräch: ein Anruf, ohne Verpflichtung.