
Was sagt eine Erfolgsrate bei IVF wirklich aus?
Eine Prozentzahl allein sagt wenig über Ihre Chance aus. Entscheidend ist, was gezählt wurde: ein positiver Test, eine im Ultraschall bestätigte Schwangerschaft oder die Geburt eines Kindes. Und worauf sich die Zahl bezieht: auf alle begonnenen Behandlungen oder nur auf Embryotransfers. Ohne Angabe von Ereignis, Bezugsgröße und Alter lässt sich eine Prozentzahl nicht sinnvoll lesen.

Eine Erfolgsrate bei IVF zählt eines von drei Ereignissen: einen positiven Schwangerschaftstest, eine im Ultraschall bestätigte Schwangerschaft oder die Geburt eines Kindes.
Die drei Ereignisse liegen zeitlich hintereinander, und auf jeder Stufe können Schwangerschaften wegfallen. Eine Zahl zu positiven Tests liegt deshalb meist höher als eine Zahl zu Geburten aus denselben Behandlungen. Für Sie zählt am Ende die Geburt. Genau diese Zahl ist aber am schwersten zu erheben.
Die Stufe ist also die erste Frage an jede Zahl. Steht neben einer Prozentangabe nur „Schwangerschaftsrate", bleibt offen, ob ein positiver Test oder ein Herzschlag im Ultraschall gemeint ist. Zu Geburten wiederum berichten viele Auswertungen nur ältere Jahrgänge, weil die jüngeren noch nicht vollständig sind.
Die Bezugsgröße einer Erfolgsrate legt fest, durch welche Zahl geteilt wird: durch alle begonnenen Behandlungen, durch die Eizellentnahmen oder nur durch die Embryotransfers.
Nicht jede begonnene Behandlung führt zu einer Eizellentnahme, auch Punktion genannt. Und nicht jede Punktion führt zu einem Transfer. Je weiter hinten im Ablauf gezählt wird, desto kleiner wird der Nenner, und desto günstiger kann die Rate für dieselben Schwangerschaften aussehen.
Die kumulative Rate beantwortet die Frage, die sich die meisten Paare tatsächlich stellen: Wie wahrscheinlich ist ein Kind aus einer Eizellentnahme? Seit Embryonen häufig eingefroren und in einem späteren Zyklus übertragen werden, gilt sie in der Fachwelt als die aussagekräftigere Größe. Wie sie genau zu berechnen ist, etwa über welchen Zeitraum, ist allerdings noch nicht einheitlich geregelt [Maheshwari 2015]. Achten Sie deshalb darauf, ob sich eine kumulative Angabe auf eine Eizellentnahme, auf mehrere Entnahmen oder auf einen bestimmten Zeitraum bezieht.
Auch die Art des Transfers verändert die Zahl. Werden mehrere Embryonen gleichzeitig übertragen, kann die Rate pro Transfer steigen. Zugleich steigt das Risiko einer Mehrlingsschwangerschaft. Eine Erfolgsrate ohne Angabe zur Mehrlingsrate zeigt deshalb nur eine Seite.
Das Alter der Frau bei der Eizellentnahme gehört zu den wichtigsten Einflüssen auf die Erfolgsrate einer IVF. Mit dem Alter nehmen Zahl und Qualität der Eizellen ab.
Eine Erfolgsrate, die alle Altersgruppen zusammenfasst, ist deshalb ein Durchschnitt über sehr unterschiedliche Ausgangslagen. Behandelt eine Einrichtung viele jüngere Frauen, liegt ihr Durchschnitt höher. Mit der Arbeit im Labor hat das zunächst nichts zu tun.
Für Ihre persönliche Einordnung ist eine Gesamtzahl deshalb wenig hilfreich. Sinnvoller ist eine Angabe für Ihre Altersgruppe. Noch besser ist eine Einschätzung, die auch Ihre Befunde einbezieht, zum Beispiel Ihre Eizellreserve und den Befund Ihres Partners. Dafür sind unsere Rechner gedacht. Sie nennen eine statistische Orientierung mit ausgewiesener Bezugsgröße und ersetzen kein ärztliches Gespräch.
Das österreichische IVF-Register beschreibt, wie Behandlungen im Rahmen des IVF-Fonds in ganz Österreich verlaufen; über die Chance eines einzelnen Paares sagt es nichts aus.
Geführt wird das Register von der Gesundheit Österreich GmbH im Auftrag des Sozialministeriums. Die Kinderwunschzentren melden ihre Versuche dorthin, auch die Kinderwunschklinik Dr. Pavlik in Thalheim bei Wels. Einmal im Jahr erscheint ein öffentlicher Bericht [IVF-Register 2024].
Das Register verwendet eine strenge Definition. Als Schwangerschaft gilt nur, wenn im Ultraschall eine Herzaktion festgestellt und dokumentiert wurde. Ein positiver Test allein reicht nicht. Zahlen aus dem Register sind deshalb nicht mit Angaben vergleichbar, die positive Tests zählen. Geburten weist der Bericht für die Versuche des Vorjahres aus, weil eine Schwangerschaft erst Monate später mit einer Geburt endet.
Der Bericht beschreibt nur die Versuche, die über den IVF-Fonds gelaufen sind. Privat bezahlte Behandlungen sind darin nicht enthalten. Für den Fonds gelten Voraussetzungen, unter anderem eine Altersgrenze. Behandlungen außerhalb dieser Voraussetzungen kommen in den Fondszahlen nicht vor. Ein landesweiter Wert ist außerdem ein Mittelwert über viele Zentren, Altersgruppen und Ausgangslagen. Er zeigt, wie Behandlungen in Österreich insgesamt verlaufen. Ihre persönliche Chance kann deutlich darüber oder darunter liegen.
Für Patientinnen und Patienten aus Deutschland gibt es ein eigenes Register: Das Deutsche IVF-Register veröffentlicht ebenfalls jedes Jahr einen Bericht [D·I·R]. Wie bei jeder Statistik lohnt der Blick darauf, was genau gezählt wird.
Klinikvergleiche anhand von Erfolgsraten sind schwierig, weil Einrichtungen ihre Zahlen unterschiedlich berechnen und unterschiedliche Patientinnen behandeln.
Eine Untersuchung von Klinikwebsites in Großbritannien fand dutzende verschiedene Arten, Erfolg anzugeben. Angaben zur Fallzahl, zum Zeitraum oder zu den behandelten Patientinnen fehlten meist. Die Autoren sehen darin ein Risiko, dass Zahlen selektiv dargestellt werden [Wilkinson 2017].
Die Ausgangslage der Patientinnen prägt jede Zahl. Eine Einrichtung mit vielen Frauen nach mehreren erfolglosen Versuchen oder mit geringer Eizellreserve hat niedrigere Raten. Über die Qualität der Behandlung sagt das allein nichts aus. Unterschiedliche Erfolgsraten können also auch durch unterschiedliche Ausgangslagen entstehen. Eine höhere Zahl allein beweist keine bessere Behandlung.
Bei kleinen Fallzahlen schwankt eine Rate stark von Jahr zu Jahr. Wenige Schwangerschaften mehr oder weniger verschieben den Prozentwert dann deutlich. Eine Rate für eine einzelne Altersgruppe in einer einzelnen Einrichtung beruht oft auf wenigen Behandlungen.
Schon der Wechsel vom positiven Test zur Herzaktion verändert die Zahl, ebenso der Wechsel von der Punktion zum Transfer als Bezugsgröße. Werden Kryotransfers getrennt oder gemeinsam mit frischen Transfers ausgewertet, ändert sich das Bild erneut. Zwei Zahlen sind nur dann vergleichbar, wenn alle diese Punkte übereinstimmen.
Wir vergleichen uns deshalb nicht mit anderen Kliniken, und wir veröffentlichen auf dieser Seite keine eigenen Erfolgszahlen. Was Sie für Ihre Entscheidung brauchen, ist eine ehrliche Einschätzung Ihrer eigenen Situation.
Auch ein Rechner arbeitet mit Daten anderer behandelter Paare. Er gibt eine statistische Orientierung nach Ihrem Alter und Ihren Ausgangsbefunden, aber keine Vorhersage, wie Ihr eigener Versuch ausgeht.
IVF-Erfolgsrechner öffnenWenn Ihnen eine Klinik eine Erfolgsrate nennt, helfen sieben Fragen, die Zahl einzuordnen.
Wenn Sie eine Erfolgszahl sehen, fragen Sie: Geht es um eine Schwangerschaft oder um die Geburt eines Kindes? Sind Behandlungen ohne Embryotransfer mitgezählt? Gilt die Zahl für meine Altersgruppe? Sind spätere Transfers eingefrorener Embryonen enthalten?
Ausführlicher helfen diese sieben Fragen. Fragen Sie nach, wenn Angaben fehlen oder unklar sind.
Die letzte Frage ist die wichtigste. Im Erstgespräch in der Kinderwunschklinik Dr. Pavlik besprechen wir sie anhand Ihrer Befunde. Wenn Sie bereits anderswo in Behandlung sind und eine zweite Einschätzung wünschen, ist auch das möglich.
Die Schwangerschaftsrate zählt Schwangerschaften, je nach Definition ab dem positiven Test oder ab der Herzaktion im Ultraschall. Die Geburtenrate zählt Geburten mit mindestens einem lebend geborenen Kind, eine Zwillingsgeburt zählt dabei als eine Geburt. Weil nicht jede Schwangerschaft zu einer Geburt führt, liegt die Geburtenrate aus denselben Behandlungen meist niedriger.
Für die Entscheidung vor einer Behandlung ist eine Rate pro begonnener Behandlung oder pro Eizellentnahme aussagekräftiger als eine Rate pro Transfer. Am besten ist eine kumulative Angabe zu Geburten für Ihre Altersgruppe. Eine statistische Orientierung für Ihre Ausgangslage gibt der IVF-Erfolgsrechner.
Nur, wenn gezähltes Ereignis, Bezugsgröße, Altersgruppe und Zeitraum übereinstimmen und die behandelten Patientinnen ähnlich sind. Das ist bei veröffentlichten Zahlen selten der Fall. Ein direkter Vergleich führt deshalb häufig zu falschen Schlüssen.
Die kumulative Erfolgsrate wertet zusammengehörige Behandlungsschritte gemeinsam aus, etwa den frischen Transfer und die späteren Transfers eingefrorener Embryonen aus einer Eizellentnahme. Gezählt wird, ob dabei mindestens eine Geburt entstanden ist. Die Prozentwerte einzelner Transfers werden nicht addiert. Die Rate beantwortet die Frage, wie wahrscheinlich ein Kind aus einer Eizellentnahme ist.
Weil eine einzelne Zahl ohne Ihre Ausgangslage wenig über Ihre Chance aussagt und leicht als Vergleich missverstanden wird. Eine statistische Orientierung für Ihre Situation gibt der IVF-Erfolgsrechner. Im Erstgespräch ordnen wir sie anhand Ihrer Befunde ein.
Nein. Das österreichische IVF-Register wertet eine Behandlung nur dann als Schwangerschaft, wenn im Ultraschall eine Herzaktion festgestellt wurde. Ein positiver Test allein zählt dort nicht.
Eine Erfolgsrate beschreibt viele Paare. Im Erstgespräch in Thalheim bei Wels sehen wir uns Ihre Befunde an und besprechen, was sie für Ihre Behandlung bedeuten.
Sie sind unsicher, ob ein Erstgespräch schon der richtige Schritt ist? Dann vereinbaren Sie ein kostenloses Orientierungsgespräch: Wir rufen Sie an. Das ist unverbindlich und braucht keine Befunde. Lieber gleich sprechen? Rufen Sie uns an: +43 7242 22 44 66.