Der richtige Embryo zur richtigen Zeit: Warum Aussehen allein nicht reicht
Sie haben alles getan: Die Hormontherapie gut überstanden, die Eizellentnahme erfolgreich gemeistert – und der Embryo sah unter dem Mikroskop perfekt aus. Warum also kein positives Ergebnis?
Wie wählen wir den besten Embryo aus?
Traditionell verlassen sich Embryologen auf die morphologische Beurteilung. Embryologen bewerten Form, Zellstruktur und Entwicklungsgeschwindigkeit. Ein regelmäßig wachsender, symmetrischer Embryo gilt als besonders vielversprechend.
Doch diese hübsche Fassade kann täuschen: Denn auch ein äußerlich perfektes „Mini-Wunder“ kann genetische Veränderungen in sich tragen, die die weitere Entwicklung oder die Einnistung erschweren. Genau hier greift das genetische Screening, die sogenannte PGT-A (präimplantationsgenetischer Test auf Aneuploidien). Deshalb beruht die Auswahl der Embryonen heute idealerweise auf einer Kombination beider Methoden.
Morphologische Bewertung
Die traditionelle Methode: Embryonen werden nach ihrem Aussehen, ihrer Zellzahl und ihrer Entwicklungsgeschwindigkeit unter dem Mikroskop bewertet. Ein "schöner" Embryo gilt als vielversprechend.
Genetisches Screening (PGT-A)
Dabei wird eine einzelne Zelle entnommen und auf ihre Chromosomenzahl untersucht – Auffälligkeiten wie Trisomien oder Monosomien können so erkannt werden.
Warum die Kombination sinnvoll ist
Der Goldstandard: Die Kombination aus visueller Begutachtung und genetischer Analyse. Sie erhöht die Chance, den Embryo mit dem höchsten Einnistungspotenzial zu identifizieren.
Ergebnisse: Aussehen und Genetik widersprechen sich oft
Die Studienergebnisse zeigen eindrücklich, dass ein „schöner“ Embryo nicht immer auch genetisch ideal ist. Besonders mit zunehmendem Alter der Frau steigt die Wahrscheinlichkeit, dass ein morphologisch perfekter Embryo chromosomale Veränderungen aufweist. Die Grafik veranschaulicht diesen Zusammenhang.
Was bedeutet das für Sie in Österreich?
In Österreich ist PGT-A nur in bestimmten Ausnahmefällen gesetzlich erlaubt, etwa bei bekannten erblichen Chromosomenstörungen der Eltern, nach wiederholten Fehlgeburten oder bei medizinisch begründeten Einzelfällen. Diese Einschränkung beruht auf dem Fortpflanzungsmedizingesetz (FMedG).
Eine reine Selektion nach Alter ist gesetzlich nicht zulässig. Deshalb empfehlen wir dringend, das Thema offen beim Arztbesuch anzusprechen. Wir beraten Sie ehrlich, ob in Ihrem Fall eine medizinische Indikation vorliegen könnte und begleiten Sie transparent durch alle rechtlichen Schritte.
Fazit: Darum ergänzt Genetik die Auswahl optimal
Die wichtigste Erkenntnis: Morphologische Merkmale geben zwar wertvolle Hinweise, erfassen aber nicht die verborgenen genetischen Risiken. Ein Embryo, der äußerlich perfekt erscheint, kann dennoch chromosomale Auffälligkeiten haben, die den Behandlungserfolg gefährden. Mit zunehmendem Alter der Frau steigt dieses Risiko bedeutend an. Die Kombination aus Morphologie und genetischem Screening (PGT-A) erhöht nicht nur die Chance, den passenden Embryo zu finden, sondern minimiert auch die Anzahl unnötiger Transfers und kann die emotionale Belastung verringern.




