Intrauterine PRP-Infusion bei wiederholt ausbleibender Einnistung: Was das Verfahren kann und was nicht
Kann eine PRP-Infusion helfen, wenn sich Embryonen wiederholt nicht einnisten?
Bei PRP wird der Patientin wenig Blut abgenommen, daraus der Anteil mit den Blutplättchen gewonnen und dieser in die Gebärmutter eingebracht. Blutplättchen enthalten Botenstoffe, die an Heilungsvorgängen beteiligt sind. Das Verfahren gilt als experimentell. Ein gesicherter Nachweis, dass es zu mehr Geburten führt, liegt nicht vor. Wir bieten es nicht als Behandlung an. Diese Seite erklärt, worum es geht und was sich belegen lässt.

Was passiert dabei?
So wird das Verfahren in den Studien durchgeführt; bei uns ist es nicht im Angebot.
- 01Blutabnahme wie bei einer gewöhnlichen Laboruntersuchung, etwa zwanzig Milliliter
- 02Aufbereitung im Labor: Das Blut wird zentrifugiert, dabei trennt sich der plättchenreiche Anteil ab
- 03Einbringen in die Gebärmutter über einen dünnen Katheter, ähnlich einem Embryotransfer
- 04Embryotransfer einige Tage später im selben Zyklus
Weil es Ihr eigenes Blut ist, gibt es keine Unverträglichkeit im Sinne einer Abstoßung. Eine Narkose ist nicht nötig, die meisten Frauen empfinden das Einbringen als nicht oder kaum unangenehm.
Wann kommt es infrage?
Nicht als Teil einer gewöhnlichen Behandlung, sondern dann, wenn mehrere Übertragungen guter Embryonen ohne Einnistung geblieben sind.
Für diese Lage gibt es einen eigenen Begriff: wiederholt ausbleibende Einnistung, kurz RIF. Gemeint ist eine Störung im Zusammenspiel von Embryo und Gebärmutterschleimhaut — nicht ein Fehler des einen oder des anderen.
- 01Mindestens drei erfolglose Übertragungen, obwohl die Embryonen gut entwickelt waren
- 02Die Gebärmutterschleimhaut bleibt dünn, obwohl sie hormonell vorbereitet wurde
Die Auswertungen zeigen einen Nutzen erst ab drei vorangegangenen Fehlversuchen. Bei zwei ließ sich keiner nachweisen. Das ist keine willkürliche Grenze, sondern das, was die Daten hergeben.
Vor einer solchen Maßnahme gehört abgeklärt, ob eine erkennbare Ursache vorliegt. Eine chronische Entzündung der Schleimhaut, eine Auffälligkeit der Gebärmutterhöhle oder ein genetischer Befund am Embryo sind zuerst zu behandeln, nicht mit PRP zu überdecken.
Was sich belegen lässt und was nicht
Zwei Dinge gehören hier zusammen. Unter den Verfahren, die vor dem Transfer in die Gebärmutter eingebracht werden, schneidet PRP am besten ab. Und zugleich ist keines dieser Verfahren gut belegt, PRP eingeschlossen.
| Frage | Was die Datenlage hergibt |
|---|---|
| Wirkt es besser als andere Spülverfahren? | Ja. Zwei voneinander unabhängige Auswertungen, die alle Verfahren miteinander vergleichen, sehen PRP an erster Stelle, vor der Gabe von Wachstumsfaktoren und deutlich vor dem Schwangerschaftshormon HCG. |
| Führt es zu mehr Geburten? | Nicht gesichert. Zusammenfassende Auswertungen sprechen dafür, aber die einzelnen Studien sind klein, ihre Ergebnisse schwanken stark, und die Methodik einzelner Übersichtsarbeiten ist fachlich kritisiert worden. |
| Ab wann lohnt es sich? | Nach mindestens drei erfolglosen Übertragungen. Nach zwei zeigte sich kein Vorteil. |
| Gibt es ein Risiko? | Eine Auswertung von 2026 fand mehr Frühgeburten in der PRP-Gruppe. Die Fallzahlen sind klein und die Unsicherheit groß, aber wir nennen es Ihnen, weil es zur Entscheidung gehört. |
Die europäische Fachgesellschaft ESHRE empfiehlt PRP bei Einnistungsstörungen derzeit nur im Rahmen von Studien, nicht als Standardbehandlung. Wir ordnen es deshalb als das ein, was es ist: ein experimentelles Verfahren. Unter den Maßnahmen dieser Art ist es das am besten untersuchte, belegt ist der Nutzen nicht; als Behandlung bieten wir es nicht an.
Wenn Sie im Netz Angaben finden, die von Verdopplung der Chancen sprechen: Solche Zahlen stammen meist aus einzelnen kleinen Studien oder aus Kongressbeiträgen, die noch keine fachliche Begutachtung durchlaufen haben. Wir halten uns an die vollständig veröffentlichten Auswertungen.
Sie hatten mehrere Übertragungen ohne Einnistung?
Erstgespräch vereinbarenHäufige Fragen
Ist PRP gefährlich?
Es ist Ihr eigenes Blut, deshalb sind Unverträglichkeiten oder Abstoßungen nicht zu erwarten. Der Eingriff selbst ist klein. Ein Punkt gehört aber genannt: Eine Auswertung von 2026 fand in der PRP-Gruppe mehr Frühgeburten als in der Vergleichsgruppe. Die Zahlen beruhen auf wenigen Fällen und sind entsprechend unsicher, geklärt ist das nicht.
Ist PRP eine anerkannte Behandlung?
Nein, es gilt als experimentell. Die europäische Fachgesellschaft ESHRE empfiehlt es bei Einnistungsstörungen derzeit nur im Rahmen von Studien. Wo es angewendet wird, gehört eine schriftliche Aufklärung über den experimentellen Charakter dazu.
Verdoppelt PRP meine Chancen?
Nein, das lässt sich so nicht sagen. Solche Angaben kursieren, sie stützen sich aber auf einzelne kleine Studien oder auf Kongressbeiträge ohne fachliche Begutachtung. Sagen lässt sich nur: Im Vergleich der Verfahren, die vor dem Transfer in die Gebärmutter eingebracht werden, schneidet PRP am besten ab. Auch diese Aussage stützt sich auf Studien geringer Qualität. Ein gesicherter Nachweis, dass PRP zu mehr Geburten führt, liegt nicht vor, und eine Zahl, auf die Sie sich verlassen könnten, gibt es nicht.
Ersetzt PRP die HCG-Spülung?
Für die HCG-Spülung ließ sich in der bisher verlässlichsten Auswertung kein Nutzen mehr nachweisen, PRP schneidet in den Vergleichen besser ab. Das heißt nicht, dass eine Spülung nötig wäre. Es heißt nur: Wenn eine erwogen wird, spricht mehr für PRP.
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Zum NachlesenWas eine Behandlung kostet →
Preise mit und ohne IVF-Fonds, und was zusätzlich anfällt
Quellen zum Nachlesen
- 01Maleki-Hajiagha A. et al. (2020): Intrauterine infusion of autologous platelet-rich plasma in women undergoing assisted reproduction: a systematic review and meta-analysis. Journal of Reproductive Immunology 137:103078.
- 02ESHRE Working Group on Recurrent Implantation Failure, Cimadomo D. et al. (2023): ESHRE good practice recommendations on recurrent implantation failure. Human Reproduction Open 2023(3):hoad023.
- 03ESHRE Add-ons Working Group, Lundin K. et al. (2023): Good practice recommendations on add-ons in reproductive medicine. Human Reproduction 38(11):2062-2104.
Nach mehreren erfolglosen Übertragungen
Bevor eine weitere Maßnahme hinzukommt, sehen wir uns an, was bisher geschehen ist. Manchmal findet sich eine Ursache, die sich gezielt behandeln lässt. Wenn nicht, ordnen wir gemeinsam ein, was die Studien zu Maßnahmen wie dieser hergeben und was nicht.
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