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1. August 2025

Rescue-ICSI und Rescue-IVM: Was möglich ist, wenn Eizellen unreif bleiben oder sich nicht befruchten
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Ratgeber

Rescue-ICSI und Rescue-IVM: Was möglich ist, wenn Eizellen unreif bleiben oder sich nicht befruchten

Was passiert, wenn die entnommenen Eizellen nicht reif sind oder sich nicht befruchten lassen?

Für beide Fälle gibt es Rettungsverfahren im Labor: die Nachreifung unreifer Eizellen und die nachträgliche Befruchtung. Beide sind Notlösungen mit deutlich geringeren Aussichten als der reguläre Weg. Manchmal führen sie zu einem übertragbaren Embryo, oft nicht. Wie sie funktionieren, was die Daten zeigen und für wen sie in Frage kommen, steht weiter unten.

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Wenn der Körper nicht mitspielt: Die Herausforderung verstehen

Ein IVF-Zyklus kostet Kraft, und vieles daran lässt sich nicht steuern. Umso größer ist der Schock, wenn am Ende keine reifen Eizellen entnommen werden können oder die Befruchtung ausbleibt. Diese Momente lösen oft tiefe Enttäuschung und Frust aus. Es ist wichtig zu verstehen, dass dies komplexe biologische Abläufe sind und kein persönliches Versagen.

Fakten zur Eizellreifung

Während einer IVF-Behandlung sollen Hormone mehrere Eizellen zur Reife bringen. Normalerweise sind etwa 80% reif. Manchmal entwickeln sich jedoch weniger, was den gesamten Zyklus gefährdet, da reife Eizellen für die Befruchtung unverzichtbar sind.

Gründe für ausbleibende Befruchtung

In einem gewöhnlichen IVF-Zyklus werden meist 60 bis 80 von 100 reifen Eizellen befruchtet. Dass gar keine befruchtet wird, kommt selten vor; wie selten, hängt stark vom Verfahren und von der Ausgangslage ab. Ursachen können die Qualität von Eizellen oder Spermien oder feine zelluläre Störungen sein. Diese Situation ist besonders schmerzhaft, da sie kurz vor dem Ziel passiert.

Wenn der ersehnte Erfolg ausbleibt, sind Enttäuschung und Trauer vollkommen natürliche Reaktionen. Jetzt ist es entscheidend, Geduld mit sich selbst zu haben, professionelle Unterstützung anzunehmen und offen mit dem Team zu sprechen, um neue Perspektiven zu gewinnen.

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Rescue-IVM und Rescue-ICSI: Wie moderne Verfahren neue Chancen eröffnen

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Rescue-IVM

(Rescue In-vitro-Maturation) bringt unreife Eizellen, die sonst ungenutzt blieben, im Labor zur Reife. So werden wertvolle Eizellen gerettet und die Chancen auf eine erfolgreiche Befruchtung erhöht.

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Rescue-ICSI

(Rescue Intrazytoplasmatische Spermieninjektion) kommt zum Einsatz, wenn die Befruchtung im Labor scheitert. Ein einzelnes Spermium wird direkt in die Eizelle injiziert, um eine Befruchtung doch noch zu ermöglichen.

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Die Bedeutung

Diese Verfahren verhindern, dass Eizellen verloren gehen. Sie nutzen das vorhandene Potenzial optimal aus, steigern die Aussichten auf eine Schwangerschaft und ersparen Paaren einen emotional und körperlich belastenden Neustart.

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Neue Studie enthüllt: So wirksam sind die Rescue-Verfahren

Eine 2025 auf dem ESHRE-Kongress vorgestellte Auswertung über mehr als 9.000 IVF-Zyklen hat sich diese Verfahren angesehen. Die wichtigsten Ergebnisse:

  • Nachreifung im Labor: Etwa zwei Drittel der unreifen Eizellen reifen nach.
  • Nachträgliche Befruchtung: Gelingt in vielen Fällen, in den Auswertungen ebenfalls bei rund zwei Dritteln.
  • Wie oft daraus ein Kind wird: Deutlich seltener, als diese Zahlen vermuten lassen. Die größte veröffentlichte Übersicht zur nachträglichen Befruchtung hat 38 Studien mit 1.863 Patientinnen zusammengefasst. Dort führten 14 von 100 Behandlungen zu einer Schwangerschaft (Quelle 2).
  • Entwicklung der nachgereiften Eizellen: Sie werden seltener befruchtet, teilen sich seltener und führen seltener zu einer Schwangerschaft als Eizellen, die im Körper gereift sind. Wird aber ein genetisch unauffälliger Embryo übertragen, ist die Aussicht dieselbe (Quelle 3).
  • Sicherheit: Ein erhöhtes Fehlbildungsrisiko wurde nicht gefunden. Die Datenlage dazu ist allerdings begrenzt.

Worauf sollte man achten? Ein Wermutstropfen zeigt sich bei Eizellen im sehr frühen GV-Stadium: Rescue-IVM ist hier mit einer hohen Fehlgeburtenrate (67%) verbunden, was auf eine eingeschränkte Embryonalqualität hindeutet.

Abbildung 1
Quelle Coffey H et al., systematische Uebersicht und Metaanalyse, ESHRE 2025
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Für wen bieten Rescue-Verfahren eine Chance?

Abbildung 2
Wann sich der Versuch lohnt
Wofür es sich lohnt
  • Wenn nur wenige Eizellen gewonnen wurden
  • Wenn die Befruchtung ganz ausgeblieben ist
  • Wenn sonst gar kein Embryo übrig bliebe
Was Sie wissen sollten
  • Die Eizellen entwickeln sich schlechter als normal gereifte
  • Die Zahlen stammen aus Beobachtungsstudien
  • In der größten Übersicht führten 14 von 100 Behandlungen zu einer Schwangerschaft
Quelle Bartolacci A et al., J Assist Reprod Genet. 2024;41(8):1939-1950, und Beck-Fruchter R et al., Fertil Steril. 2014;101(3):690-698

Wie wir es halten

Die beiden Verfahren sind nicht dasselbe, und wir behandeln sie auch nicht gleich. Die nachträgliche Befruchtung (Rescue-ICSI) setzen wir ein, wenn nach einer gewöhnlichen IVF gar keine Eizelle befruchtet wurde. Das kommt bei uns sehr selten vor. Die Nachreifung unreifer Eizellen (Rescue-IVM) bieten wir nicht an: Die Aussichten sind gering und die Daten reichen nicht aus. Wir erklären das Verfahren hier trotzdem, weil Sie vielleicht davon gehört haben. Der Nutzen einer Rettung liegt ohnehin nicht in besseren Embryonen, sondern in überhaupt vorhandenen.

Besondere Situationen für Rescue-Verfahren

  • Wenn unreife Eizellen vorliegen, die im Labor zur Reifung gebracht werden können (Rescue-IVM).
  • Bei ausbleibender oder schlechter Befruchtung, obwohl ausreichend Spermien vorhanden sind (Rescue-ICSI).
  • Bei medizinisch vorhersehbaren Herausforderungen aufgrund früherer IVF-Erfahrungen.

Welche Bedingungen sind wichtig?

Es braucht eine präzise Bewertung der Eizellen, eine Analyse der Qualität der Spermien und eine enge Abstimmung mit einem erfahrenen Team. Diese Verfahren erfordern hohe Expertise und technische Präzision.

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Risiken und Sicherheit: Was sollten Sie wissen?

Risiken im Blick: Für die nachträgliche Befruchtung liegen bisher keine Hinweise auf mehr Fehlbildungen vor. Das ist keine Entwarnung, sondern der heutige Stand: Die vorhandenen Untersuchungen sind klein, und angeborene Fehlbildungen kommen auch ohne Kinderwunschbehandlung bei etwa drei bis fünf von hundert Kindern vor. Bei der Nachreifung sehr unreifer Eizellen wurden Fehlgeburtenraten bis zu zwei Dritteln berichtet. Diese Zahlen stammen aus wenigen kleinen Studien und sind entsprechend unsicher, aber sie zeigen die Richtung.

Unsicherheiten und Zukunft: Da die Techniken relativ neu sind, fehlen Langzeitstudien zur Gesundheit der Kinder. Weitere Forschung ist wichtig, um die Sicherheit endgültig zu bestätigen. Transparenz und die Betreuung durch erfahrene Zentren sind das Fundament für eine sichere Behandlung.

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Zusammenfassung: Eine Notlösung mit begrenzten Aussichten

Rescue-IVM und Rescue-ICSI sind gezielte Zusatzmethoden für besondere Herausforderungen. Sie führen manchmal noch zu einem übertragbaren Embryo; die Aussichten sind deutlich niedriger als im regulären Ablauf.

Für Paare, bei denen ein IVF-Zyklus an der Reifung oder Befruchtung scheitert, sind sie eine Notlösung, keine Regel. Sie zeigen, dass trotz Rückschlägen oft noch Wege bestehen, dem Traum vom eigenen Kind näherzukommen. Eine offene und professionelle Begleitung ist dabei der Schlüssel zum Erfolg.

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Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Was sind Rescue-IVM und Rescue-ICSI?

Rescue-IVM ist ein Verfahren, bei dem unreife Eizellen im Labor nachgereift werden. Rescue-ICSI ist eine Methode, bei der ein einzelnes Spermium direkt in eine Eizelle injiziert wird, wenn die normale Befruchtung ausbleibt.

Für wen sind diese 'Rescue'-Verfahren geeignet?

Sie sind besonders für Paare geeignet, bei denen im IVF-Zyklus nur wenige oder keine reifen Eizellen gewonnen werden konnten oder bei denen die Befruchtung der Eizellen im Labor ausgeblieben ist.

Wie hoch sind die Erfolgschancen dieser Methoden?

Ehrlich gesagt: mäßig, und deutlich niedriger, als die Reifungsraten vermuten lassen. Etwa zwei Drittel der unreifen Eizellen reifen im Labor nach. In der größten veröffentlichten Übersicht zur nachträglichen Befruchtung führten aber nur 14 von 100 Behandlungen zu einer Schwangerschaft. Sinnvoll ist das Verfahren deshalb vor allem dann, wenn ohnehin nur wenige Eizellen zur Verfügung stehen und sonst gar nichts übrig bliebe. Dann kann es die Ausbeute erhöhen.

Gibt es Risiken bei den Rescue-Verfahren?

Die Verfahren gelten allgemein als sicher, ohne erhöhtes Risiko für Fehlbildungen. Allerdings ist die Fehlgeburtenrate bei Eizellen, die in einem sehr frühen Stadium (GV-Stadium) gewonnen und nachgereift wurden, erhöht. Eine sorgfältige Abwägung mit dem Ärzteteam ist daher wichtig.

Zur Quelle dieses Artikels: Die hier genannten Ergebnisse wurden auf einem Fachkongress vorgestellt und sind noch nicht in einer Fachzeitschrift erschienen. Solche Ergebnisse sind vorläufig: Die Zahlen können sich bis zur endgültigen Veröffentlichung noch ändern. Wir berichten darüber, weil die Fragestellung für Sie wichtig sein kann, und sagen Ihnen dazu, wie belastbar der Stand ist.

Quellen zum Nachlesen
  1. 01Coffey H, et al. Evaluating the role of rescue IVM and rescue ICSI in ART: a systematic review and meta-analysis of outcomes in low/failed maturation and fertilisation cases. Präsentation beim ESHRE-Kongress 2025.
  2. 02Beck-Fruchter R, Lavee M, Weiss A, Geslevich Y, Shalev E. Rescue intracytoplasmic sperm injection: a systematic review. Fertil Steril. 2014;101(3):690-698. doi: 10.1016/j.fertnstert.2013.12.004 — 38 Studien, 1.863 Patientinnen, gepoolte Zahl der Schwangerschaften 14,4 Prozent.
  3. 03Bartolacci A, Busnelli A, Pagliardini L, et al. Assessing the developmental competence of oocytes matured following rescue in vitro maturation: a systematic review and meta-analysis. J Assist Reprod Genet. 2024;41(8):1939-1950. doi: 10.1007/s10815-024-03211-9 — 24 Studien. Nachgereifte Eizellen zeigten niedrigere Befruchtungs-, Teilungs-, Blastozysten- und klinische Zahl der Schwangerschaften; kein Unterschied bei Euploidie und Lebendgeburt je euploidem Blastozystentransfer.
Verfasst von Dr. Roman Pavlik, Facharzt für Gynäkologie und Reproduktionsmedizin — Stand: 14.09.2026
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