PCOS und Schwangerschaft
Ist eine Schwangerschaft mit PCOS eine Risikoschwangerschaft?
Nicht automatisch. Einige Komplikationen kommen bei PCOS häufiger vor, vor allem Schwangerschaftsdiabetes und Bluthochdruck. Die meisten Schwangerschaften mit PCOS verlaufen ohne schwere Zwischenfälle. Wichtig sind drei Dinge: dass Ihre Frauenärztin von der Diagnose weiß, dass der Zucker rechtzeitig getestet wird und dass der Blutdruck kontrolliert wird.

Kann man mit PCOS schwanger werden?
Ja. Eine Schwangerschaft gelingt bei PCOS häufig, von selbst oder mit Unterstützung.1
PCOS kann den Eisprung stören. Manche Frauen haben unregelmäßige Zyklen, manche Zyklen ohne Eisprung, andere einen ganz normalen Verlauf. Wie stark der Zyklus betroffen ist, entscheidet, wie viel Hilfe nötig wird.
Wenn es nicht von selbst klappt, beginnt die Behandlung meist mit einer Tablette, die den Eisprung auslöst, und nicht mit einer künstlichen Befruchtung. Diese Seite beantwortet die andere Frage: was gilt, wenn die Schwangerschaft da ist.
Risikoschwangerschaft bei PCOS?
Nicht automatisch. PCOS gilt als Diagnose, die man in der Schwangerschaft kennen sollte. Eine eigene Einstufung folgt daraus nicht.1
Ob zusätzliche Kontrollen sinnvoll sind, hängt von Ihrem Blutdruck, Ihrem Zuckerstoffwechsel, Ihrem Gewicht, Ihrem Alter und Ihrer Vorgeschichte ab. Das PCOS ist einer von mehreren Punkten, die dabei zählen.
Häufiger als sonst sind bei PCOS diese Dinge:1
- 01Schwangerschaftsdiabetes. Lässt sich meist gut behandeln, wenn er früh erkannt wird. Deshalb ist der Zuckerbelastungstest bei PCOS besonders wichtig.
- 02Bluthochdruck und Präeklampsie.
- 03Frühgeburt und Fehlgeburt.
- 04Ein kleineres Kind bei der Geburt.
- 05Stärkere Gewichtszunahme, häufiger ein Kaiserschnitt.
Genauso wichtig ist, was nicht erhöht ist: Ein besonders großes Kind, ein Geburtsgewicht über vier Kilogramm und eine Saugglocken- oder Zangengeburt kommen bei PCOS nicht häufiger vor.1
Ist eine Schwangerschaft nach IVF riskanter?
Eine Kinderwunschbehandlung erhöht bei PCOS das Risiko für Fehlgeburt, Frühgeburt, ein zu kleines Kind und einen Kaiserschnitt nicht zusätzlich.1 Entscheidend ist etwas anderes: ob ein Kind oder Zwillinge erwartet werden. Mehrlinge sind das größte vermeidbare Risiko in der Schwangerschaft, und dagegen hilft es, nur einen Embryo zu übertragen. Das besprechen wir vor jeder Übertragung mit Ihnen.
Wie hoch das Risiko bei PCOS wirklich ist
In einer großen kanadischen Untersuchung traten schwere gesundheitliche Komplikationen bei der Mutter bei 2,6 von 100 Geburten mit PCOS auf und bei 2,2 von 100 Geburten ohne PCOS. Der Unterschied war also vorhanden, aber klein.2
Gezählt wurde dabei nur, was schwerwiegend ist: lebensbedrohliche Ereignisse rund um die Geburt und in den sechs Wochen danach. Häufigere und gut behandelbare Probleme wie ein Schwangerschaftsdiabetes sind in dieser Zahl nicht enthalten.
Solche Zahlen beschreiben große Gruppen. Wie hoch Ihr persönliches Risiko ist, hängt zusätzlich von Blutdruck, Zuckerstoffwechsel, Gewicht und weiteren Vorerkrankungen ab.
Was mehr ausmacht als die PCOS-Diagnose
In derselben Auswertung hing das Risiko stark von der Ausgangslage ab: Bei Frauen mit starkem Übergewicht lag es bei gut 3 von 100, bei Frauen mit vorbestehendem Bluthochdruck bei etwa 9 von 100. Der Abstand zwischen Frauen mit und ohne PCOS blieb dabei immer klein.2
Blutdruck, Zuckerstoffwechsel und Gewicht beeinflussen Ihr persönliches Risiko also deutlich. Das heißt aber nicht, dass PCOS nur eine Frage des Gewichts wäre: Auch beim Vergleich von Frauen mit gleichem Gewicht bleiben die meisten dieser Risiken bestehen.3 Wie viel auf das PCOS selbst entfällt und wie viel auf alles andere, lässt sich nicht sauber trennen.
Senkt eine Kinderwunschbehandlung das Risiko?
Auffällig ist: In zwei großen Auswertungen war das Risiko nur bei Frauen erhöht, die nicht in Kinderwunschbehandlung waren.23 Daraus folgt aber nicht, dass die Behandlung schützt. Wer eine Behandlung beginnt, wird vorher untersucht und begleitet. Vermutlich macht das den Unterschied, nicht die Behandlung selbst.
Zucker und Blutdruck bestimmen einen guten Teil der Ausgangslage. Beides lässt sich vor einer Schwangerschaft ansehen.
PCOS und StoffwechselWas vor der Schwangerschaft zu prüfen ist
Der wirksamste Teil der Vorsorge liegt vor der Schwangerschaft. Vier Punkte sind dabei wichtig.
Insulin und Zucker prüfen lassen
Bei PCOS arbeitet der Körper oft gegen das eigene Insulin an. In der Kinderwunschklinik Dr. Pavlik bestimmen wir deshalb bei allen Patientinnen mit PCOS regelmäßig den HOMA-Index. Er wird aus dem Nüchternblutzucker und dem Nüchterninsulin berechnet und zeigt, wie empfindlich der Körper auf Insulin reagiert.
Ob bereits ein Diabetes oder eine Vorstufe vorliegt, zeigt dagegen der Zuckerbelastungstest genauer.1 In Österreich bekommt ihn jede Schwangere zwischen der 25. und 28. Woche kostenlos über den Eltern-Kind-Pass.5 Bei PCOS empfiehlt die internationale Leitlinie, den Zucker schon vorher prüfen zu lassen: am besten, bevor Sie schwanger werden, oder zu Beginn einer Kinderwunschbehandlung.1 Sprechen Sie das in Ihrer Hausarzt- oder Frauenarztpraxis an. Wir selbst führen den Zuckerbelastungstest nur in einzelnen Fällen durch.
Blutdruck messen lassen
Ebenfalls vor der Schwangerschaft. Ein bestehender Bluthochdruck war in der großen Auswertung der Punkt mit dem größten Gewicht.2
Über den Alltag sprechen
Ernährung, Bewegung, Schlaf, Rauchen, Folsäure: die üblichen Punkte, die vor jeder Schwangerschaft zählen.1 Das ist keine Bedingung für eine Behandlung, sondern der Teil, den Sie selbst in der Hand haben.
Die Diagnose weitergeben
Sagen Sie in der Praxis, die Ihre Schwangerschaft betreut, dass ein PCOS bekannt ist. Das geht oft unter, weil die Diagnose meist Jahre zurückliegt.
Schwanger mit PCOS: was jetzt zählt
Jetzt betreut Sie Ihre Frauenärztin oder Ihr Frauenarzt. Drei Dinge kommen dabei fast immer zur Sprache.
Der Zuckerbelastungstest. Er ist Teil der Schwangerenvorsorge und läuft über die Praxis, die Sie betreut. Nehmen Sie ihn wahr, auch wenn Sie sich gut fühlen: Ein Schwangerschaftsdiabetes tut nicht weh und macht keine Beschwerden. Er fällt nur auf, wenn man ihn sucht.
Metformin. Viele Frauen mit PCOS nehmen es schon vorher. Dass es in der Schwangerschaft vor Schwangerschaftsdiabetes, Bluthochdruck oder Präeklampsie schützt, ist nicht nachgewiesen.1 In einzelnen Fällen kann es trotzdem sinnvoll sein. Ob Sie es weiternehmen, entscheiden Sie gemeinsam mit Ihrer Ärztin. Bitte setzen Sie es nicht von sich aus ab und beginnen Sie es auch nicht von sich aus.
Der Blutdruck. Er wird bei jeder Vorsorge gemessen. Starke oder anhaltende Kopfschmerzen, Sehstörungen, Schmerzen im Oberbauch, plötzliche starke Schwellungen oder Atemnot sollten noch am selben Tag abgeklärt werden, bei starken Beschwerden sofort. Das gilt für jede Schwangere, mit und ohne PCOS.
Zu Vitamin D bei PCOS gibt es Hinweise auf einen Nutzen für den Eisprung, allerdings aus Studien mit unterschiedlicher Qualität.4 Ob eine Einnahme sinnvoll ist, hängt vom gemessenen Wert ab. Mehr dazu auf unserer Seite zu Vitamin D und Kinderwunsch.
Häufige Fragen zu PCOS und Schwangerschaft
Ist eine Schwangerschaft mit PCOS eine Risikoschwangerschaft?
Nicht automatisch. PCOS sollte in der Schwangerenbetreuung bekannt sein, weil einige Komplikationen häufiger vorkommen. Ob zusätzliche Kontrollen nötig sind, hängt von Blutdruck, Zucker, Gewicht, Alter und Vorgeschichte ab.
Wie hoch ist das Risiko bei PCOS wirklich?
In einer Auswertung von 1,6 Millionen Geburten hatten knapp 3 von 100 Frauen mit PCOS eine schwere Komplikation, gegenüber gut 2 von 100 Frauen ohne PCOS. Häufigere Probleme wie Schwangerschaftsdiabetes kommen bei PCOS öfter vor, sind aber gut behandelbar.
Kann man mit PCOS schwanger werden?
Ja, häufig sogar von selbst. PCOS kann den Eisprung stören, hebt ihn aber nicht zwangsläufig auf. Wenn es nicht klappt, beginnt die Behandlung meist mit einer Tablette zur Auslösung des Eisprungs.
Schwanger mit PCO: was sollte ich beachten?
Sagen Sie in der betreuenden Praxis, dass ein PCOS bekannt ist. Nehmen Sie den Zuckerbelastungstest wahr, bei PCOS gern früher als üblich. Und achten Sie auf die Blutdruckkontrollen.
Wann sollte der Zuckertest gemacht werden?
In Österreich ist er für alle Schwangeren zwischen der 25. und 28. Woche vorgesehen und kostenlos. Bei PCOS empfiehlt die internationale Leitlinie, den Zucker zusätzlich schon vor der Schwangerschaft oder zu Beginn einer Kinderwunschbehandlung prüfen zu lassen. Bei uns gehört außerdem der HOMA-Index zur Abklärung: Er zeigt, wie gut der Körper auf sein eigenes Insulin anspricht.
Erhöht PCOS das Risiko einer Fehlgeburt?
Fehlgeburten kommen bei PCOS etwas häufiger vor. Wie viel davon am PCOS liegt und wie viel an Begleitfaktoren, ist offen. Nach mehreren Fehlgeburten gehört die Ursache eigens abgeklärt.
Ist eine Schwangerschaft nach IVF riskanter?
Für Fehlgeburt, Frühgeburt, ein zu kleines Kind und einen Kaiserschnitt bringt die Behandlung bei PCOS kein zusätzliches Risiko. Wichtiger ist, ob ein Kind oder Zwillinge erwartet werden.
Darf ich Metformin in der Schwangerschaft weiternehmen?
Das entscheiden Sie gemeinsam mit Ihrer Ärztin. Ein Schutz vor Schwangerschaftsdiabetes oder Bluthochdruck ist nicht nachgewiesen, und zu den langfristigen Folgen für das Kind gibt es offene Fragen. Bitte verändern Sie die Einnahme nicht von sich aus.
Quellen: eine Leitlinie, drei Auswertungen und der Eltern-Kind-Pass
- 1Internationale PCOS-Leitlinie 2023. Teede HJ, et al. Hum Reprod. 2023;38(9):1655-1679. Empfehlungen 1.9.11, 4.10.1 bis 4.10.7, 4.11.1 bis 4.11.3, 5.1.2. Zur Leitlinie
- 2Auswertung von 1.596.228 Geburten in Ontario, Kanada, 2006 bis 2021. Hincapie MA, et al. Gynecol Obstet Invest. 2026;91(4):480-483. Zur Studie
- 3Zusammenfassung von 63 Studien zu Schwangerschaftskomplikationen bei PCOS. Bahri Khomami M, et al. Obes Rev. 2019;20(5):659-674. Zur Studie
- 4Zusammenfassung von 20 Studien zu Vitamin D bei PCOS. Yang M, et al. Front Endocrinol. 2023;14:1148556. Zur Studie
- 5Zuckerbelastungstest im Eltern-Kind-Pass, 25. bis 28. Schwangerschaftswoche. Gesundheitsportal des Bundes. gesundheit.gv.at
Wenn aus der Frage ein Anliegen wird
Wenn Sie mit PCOS schwanger werden möchten, beginnt der wirksamste Teil vor der Schwangerschaft: Zyklus, Zucker und Blutdruck einmal in Ruhe ansehen. Genau damit fangen wir an.
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