IVF Ablauf: So funktioniert die künstliche Befruchtung Schritt für Schritt
Wie läuft eine IVF-Behandlung Schritt für Schritt ab?
Ein IVF-Zyklus besteht aus Stimulation, Entnahme der Eizellen, Befruchtung im Labor und Übertragung des Embryos. Am längsten dauert die Hormongabe mit ihren Kontrollen. Die Entnahme der Eizellen selbst ist in einer knappen halben Stunde vorbei. Was in jedem Schritt passiert und wie lange er dauert, steht weiter unten.

Ihr IVF-Zyklus im Überblick
- 1VorbereitungBeratung, Blutwerte, Ultraschall, Spermiogramm
- 2Hormone, Woche 1 bis 2täglich eine Spritze zu Hause, 2 bis 3 Kontrollen
- 3Entnahme der Eizellenkurzer Eingriff, 15 bis 20 Minuten
- 4Im Labor, 3 bis 5 TageBefruchtung und Entwicklung der Embryonen
- 5Übertragungetwa 10 Minuten, meist ohne Narkose
- 6Warten, etwa 2 Wochendann der Schwangerschaftstest
- 01Woche 1–2: Behandlung mit Hormonen: Tägliche Pen-Injektion zuhause, 2–3 Kontrollen per Ultraschall in der Klinik.
- 02Tag 12–14: Entnahme der Eizellen: Kurzer Eingriff unter Sedation, ca. 20 Minuten. 1–2 Tage Ruhe danach.
- 03Tag 13–19: Befruchtung und Embryoentwicklung: 3–5 Tage im Labor. IVF oder ICSI, je nach Befund.
- 04Tag 17–19: Übertragung des Embryos: Dauert etwa 10 Minuten, meist ohne Narkose. Die meisten Frauen empfinden dabei nicht mehr als bei einer Untersuchung beim Frauenarzt.
- 05Etwa zwei Wochen nach der Übertragung: der Test. Den Tag legen wir fest; bei Unklarheiten folgt ein Bluttest in der Klinik.
Insgesamt vergehen 4–5 Wochen vom Start bis zum Test. Die meisten Frauen arbeiten in dieser Zeit normal weiter. Nur am Tag der Entnahme und ein bis zwei Tage danach sollten Sie es ruhig angehen. Ist der Test positiv, ergibt sich der voraussichtliche Geburtstermin nicht aus der letzten Regel, sondern aus dem Punktions- oder Transferdatum: Der Rechner für Geburtstermin und Schwangerschaftswoche berücksichtigt beide Varianten und nennt auch die Mutterschutzfristen.
Vorbereitung und Erstgespräch
Bevor die IVF beginnt, führen wir ein ausführliches Erstgespräch durch. Hier besprechen wir Ihre Vorgeschichte, Ihre Wünsche und den individuellen Behandlungsplan.
- 01Anamnese und Untersuchung: Krankengeschichte, gynäkologische Untersuchung und Ultraschall.
- 02Labor, je nach Vorgeschichte und Befund: Neben FSH und LH können wir bestimmen: AMH, Schilddrüsenwerte, Vitamin D, Ferritin und weitere Parameter, um alles optimal vorzubereiten.
- 03Spermiogramm: Menge, Beweglichkeit und Struktur der Spermien. Entscheidend für die Wahl zwischen IVF und ICSI.
- 04Individueller Behandlungsplan: Hormondosen, Protokoll und Zeitrahmen, maßgeschneidert auf Ihre Testergebnisse.
Im Erstgespräch können Sie alle Fragen stellen. Auf Wunsch vermitteln wir auch Kontakt zu Psychologinnen, die sich auf Kinderwunsch spezialisiert haben.
Hormonelle Stimulation
Normalerweise reift pro Zyklus eine Eizelle heran. Für die IVF brauchen wir mehrere. Deshalb geben Sie sich täglich Hormoninjektionen (FSH) per Fertigpen unter die Haut. Die Stimulation dauert 10–14 Tage.
Nach Ultraschall und Blutabnahme beginnen Sie mit den täglichen Injektionen, meist abends. Die Fertigpens sind einfach zu handhaben, kaum spürbar.
Wann die erste Kontrolle sinnvoll ist, hängt vom Protokoll, von der Dosis und von Ihrem Risiko ab. Sehr frühe Untersuchungen liefern oft noch kein brauchbares Bild.
Follikel wachsen weiter (Ziel: 16–20 mm). Dosisanpassung bei Bedarf. Insgesamt 2–3 Kontrollen per Ultraschall.
Eine Spritze löst die letzte Reifung der Eizellen aus. Meist ist das hCG, dasselbe Hormon, das in der Schwangerschaft gebildet wird; bei erhöhtem Risiko für eine Überstimulation wird stattdessen ein GnRH-Agonist verwendet oder beides kombiniert. Die Punktion folgt etwa 34 bis 36 Stunden später, den genauen Zeitpunkt bekommen Sie von uns.
Wie viele Eizellen heranreifen, kann selbst bei identischer Dosierung variieren. Warum das so ist, erklären wir hier.
Bei jeder Stimulation besteht ein geringes Risiko für eine übermäßige Reaktion der Eierstöcke (Überstimulationssyndrom). Wir senken dieses Risiko durch engmaschige Kontrollen, angepasste Dosierungen und bei Bedarf den Freeze-all-Ansatz. Mehr zur OHSS-Prävention.
Die Entnahme der Eizellen
Sie ist der einzige kleine Eingriff der ganzen Behandlung. Es ist auch der Schritt, vor dem die meisten Frauen am meisten Respekt haben. So läuft der Tag ab:
- 01Ankunft nüchtern: Identitätsprüfung (RI-Witness-System), Venenzugang, letzte Fragen.
- 02Schmerzausschaltung: Meist genügt eine leichte Sedierung, bei der Sie selbst atmen und vom Eingriff nichts mitbekommen. Je nach Befund und nach Ihrem Wunsch ist auch eine tiefere Narkose möglich. Was für Sie vorgesehen ist, besprechen wir vorher.
- 03Punktion (15–20 Min): Unter Ultraschallsicht wird eine dünne Nadel transvaginal eingeführt. Die Follikelflüssigkeit mit den Eizellen wird abgesaugt.
- 04Aufwachraum (30–60 Min): Sie wachen sanft auf, erfahren die Eizellzahl. Leichte Krämpfe sind normal und klingen schnell ab.
Bequeme Kleidung, Begleitperson mitbringen (Sie dürfen danach nicht selbst fahren), Rest des Tages freinehmen. Am Folgetag können die meisten arbeiten.
Im Labor: Befruchtung und Embryoentwicklung
Nach der Entnahme werden die Eizellen gereinigt. Dann prüft das Labor, welche reif sind. Dann entscheidet das Team: klassische IVF oder ICSI.
Ein Embryo am Tag 5–6 nach Befruchtung mit über 100 Zellen. Er hat zwei Bereiche: die innere Zellmasse (zukünftiges Baby) und den Trophoblast (zukünftige Plazenta). Blastozysten haben eine deutlich höhere wie oft sich ein Embryo einnistet als frühere Stadien.
Zwei Vorkerne sichtbar, erfolgreiche Befruchtung.
Erste Zellteilung hat stattgefunden.
Gleichmäßige Zellen, gutes Zeichen.
Aus den einzelnen Zellen wird ein Zellverband.
Zellen verschmolzen, Blastozystenreifung beginnt.
Über 100 Zellen. Jetzt kann übertragen oder eingefroren werden.
Mikroskopaufnahmen aus unserem Embryologie-Labor in Thalheim bei Wels (Timelapse-Inkubator).
Nur die besten Embryonen werden transferiert oder eingefroren. Manche Embryonen entwickeln sich nicht weiter. Das ist biologisch normal.
Übertragung des Embryos: Fresh oder Frozen?
- 3 bis 5 Tage nach der Entnahme
- Schneller fertig
- Körper steht noch unter Hormonen
- Höheres Risiko einer Überstimulation
- In einem späteren Zyklus
- Der Körper hat sich erholt
- Deutlich geringeres Risiko einer Überstimulation
- Bei guter Aussicht gleich gute Chance
Der Übertragung des Embryos ist der Moment, in dem der Embryo in die Gebärmutter kommt. Es gibt zwei Wege: frischer Transfer (3–5 Tage nach Punktion) oder gefrorener Transfer (FET) zu einem späteren Zeitpunkt.
| Merkmal | Frischer Transfer | Frozen Transfer (FET) |
|---|---|---|
| Zeitpunkt | 3–5 Tage nach Punktion | Wochen/Monate später |
| OHSS-Risiko | Höher | Deutlich niedriger |
| Mehrlingsrisiko (SET) | < 1 % | < 1 % |
Quelle Vergleich nach den randomisierten Studien von Wei, Shi und Chen (Quellen 01 bis 03). Welches Verfahren besser ist, hängt vom Einzelfall ab; für Frauen mit PCOS sprechen die Daten deutlicher für den eingefrorenen Transfer.
Bei guter Prognose sind Fresh und FET gleichwertig (Shi 2018). Bei PCOS kann FET Vorteile bieten (Chen 2016). Bei eingeschränkter Prognose (wenige Eizellen) kann ein frischer Transfer sogar besser sein (Wei 2025, BMJ). Die Strategie muss individuell gewählt werden.
So läuft der Transfer ab
- 01Schleimhaut-Vorbereitung: Östrogen + Progesteron bauen die Schleimhaut der Gebärmutter auf. Ultraschall prüft die Dicke.
- 02Embryo-Auswahl: Das Labor wählt den Embryo mit dem besten Potenzial. Bei FET wird er am Transfertag aufgetaut.
- 03Ultraschallgesteuerter Transfer, 5 bis 10 Minuten: In aller Regel ohne Narkose. Der dünne Katheter ist für die meisten Frauen kaum zu spüren. Wenn es doch unangenehm wird, sagen Sie es uns, dann halten wir an. Unter Ultraschallsicht legen wir den Embryo in einem geeigneten Abstand zum oberen Ende der Gebärmutterhöhle ab.
Nach dem Transfer: Die Wartephase
Die 14-Tage-Wartezeit bis zum Schwangerschaftstest ist die emotionalste Phase. Was passiert biologisch:
- 01Die ersten Tage: Der Embryo liegt frei in der Gebärmutter, bevor der Kontakt zur Schleimhaut beginnt. Wann das geschieht, hängt davon ab, in welchem Stadium er übertragen wurde.
- 02Tag 3–5: Hatching und Anhaftung: Der Embryo schlüpft aus seiner Schutzhülle und haftet an der Schleimhaut der Gebärmutter an.
- 03Tag 6–10: Implantation: Der Embryo dringt tiefer ein und beginnt, hCG zu produzieren.
- 04Nach etwa zwei Wochen: der Test. Wir sagen Ihnen den Tag. Früher zu testen lohnt nicht: Die Auslösespritze kann noch nachwirken und einen Test falsch positiv machen.
Nicht alle Frauen spüren Implantationssymptome. Das ist normal. Mögliche Anzeichen: leichte Krämpfe, Schmierblutung, Brustspannen, Müdigkeit. Diese können auch von der Hormonbehandlung kommen.
Was tun: und was nicht
Leben Sie normal weiter. Das Progesteron nehmen Sie wie besprochen. Bettruhe bringt nachweislich nichts, leichte Bewegung schadet nicht.
Rohes Fleisch und roher Fisch, Katzenkot, Rauchen und Alkohol. Bei schwerem Heben und bei Sauna gilt: Maßhalten, feste Grenzen gibt es dafür nicht.
Ja. Es geht nicht um Schonung, sondern darum, sich nicht zu überfordern. Lassen Sie sich helfen, wo es geht.
Häufige Fragen zum IVF-Ablauf
Wie lange dauert ein IVF-Zyklus?
Etwa 4–5 Wochen: 10–14 Tage Stimulation, 1–5 Tage Embryoentwicklung, 14 Tage Wartezeit bis zum Test.
Ist die Entnahme der Eizellen schmerzhaft?
Nein. Unter leichter Sedation bekommen Sie nichts mit. Danach können leichte Krämpfe auftreten, ähnlich wie Menstruationsbeschwerden.
Wie viele Termine brauche ich?
2–3 Kontrollen per Ultraschall à 15–20 Minuten während der Stimulation. Die Hormonmedikamente spritzen Sie sich selbst zuhause.
Wie viele Embryonen werden transferiert?
In der Regel einer (Single Embryo Transfer). Das reduziert das Mehrlingsrisiko auf unter 1 %. Nur in Ausnahmefällen zwei.
Fresh oder Frozen, was ist besser?
Hängt von Ihrer Situation ab. Bei guter Prognose gleichwertig. Bei PCOS kann FET Vorteile bieten. Bei wenigen Eizellen kann frisch besser sein (Wei 2025). Wir besprechen die Strategie individuell.
Wie viele IVF-Zyklen braucht man?
Das lässt sich nicht allgemein sagen. Die Chance steigt mit jedem Versuch, weil sich die Einzelchancen aufsummieren, und sie hängt stark am Alter: Bei einer Frau unter 35 liegt sie nach drei Versuchen deutlich höher als bei einer Frau über 40. Eine belastbare Zahl für Ihre Situation können wir erst nennen, wenn wir Ihre Befunde und den Verlauf des ersten Zyklus kennen. Nach jedem Versuch schauen wir, was sich verbessern lässt.
Was ist eine Blastozyste?
Ein Embryo am Tag 5–6 mit über 100 Zellen. Besteht aus innerer Zellmasse (zukünftiges Baby) und Trophoblast (zukünftige Plazenta). Höchste wie oft sich ein Embryo einnistet aller Stadien.
Kann ich während der IVF arbeiten?
Ja. Nur am Punktionstag und 1–2 Tage danach ist Ruhe sinnvoll. Danach können Sie normal arbeiten, nur extreme Belastung vermeiden.
Quellen zum Nachlesen
- 01Wei D, Sun Y, Zhao H, et al. Frozen versus fresh embryo transfer in women with low prognosis. BMJ. 2025;388:e081474. Doi: 10.1136/bmj-2024-081474
- 02Shi Y, Sun Y, Hao C, et al. Transfer of fresh versus frozen embryos in ovulatory women. N Engl J Med. 2018;378(2):126-136. Doi: 10.1056/NEJMoa1705334
- 03Chen ZJ, Shi Y, Sun Y, et al. Fresh versus frozen embryos for PCOS. N Engl J Med. 2016;375(6):523-533. Doi: 10.1056/NEJMoa1513873
- 04ESHRE. ART fact sheet 2024 – European IVF Monitoring (EIM). 2024.
Haftungsausschluss: Dieser Artikel dient nur zu Informationszwecken und ersetzt keine ärztliche Beratung.
Wenn Sie den Ablauf für sich durchgehen möchten
Kein IVF-Zyklus gleicht dem anderen: Protokoll, Dosis und Zeitpunkt des Transfers richten sich nach Ihren Werten. In der Kinderwunschklinik Dr. Pavlik in Thalheim bei Wels legen wir das vor dem Start gemeinsam fest, damit Sie wissen, worauf Sie sich einstellen.
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