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27. Februar 2026

Unerfüllter Kinderwunsch: Ursachen bei Mann und Frau

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Unerfüllter Kinderwunsch: Ursachen bei Mann & Frau 2026

Ein Kinderwunsch, der sich nicht erfüllt: Für viele Paare wird dies zur emotionalen Belastung. Die gute Nachricht ist, dass in den meisten Fällen eine klare Ursache gefunden wird – und mit modernen Verfahren lässt sich helfen. Dieser Ratgeber zeigt Ihnen, welche Ursachen es gibt, wie eine Diagnose funktioniert und welche Behandlungsmöglichkeiten es gibt.

Wie häufig ist unerfüllter Kinderwunsch?

Die WHO gibt an, dass etwa 1 von 6 Menschen weltweit von Unfruchtbarkeit betroffen ist. Das entspricht rund 17,5% der Gesamtbevölkerung. Die Unfruchtbarkeit wurde 2024 erstmals als globale Krankheit in die International Classification of Diseases aufgenommen.

In Österreich und Deutschland zeigen sich ähnliche Quoten: Etwa 10-15% der Paare erleben eine unfreiwillige Kinderlosigkeit. Die Trend-Zahlen sind steigend – mit erheblichen Unterschieden zwischen Ländern und sozioökonomischen Gruppen.

Kernbotschaft: Unerfüllter Kinderwunsch ist keine Seltenheit. Sie sind nicht allein – und es gibt wirksame Lösungen.

Verteilung der Infertilitätsursachen

Abbildung 1: Verteilung der Infertilitätsursachen (WHO 2025). Die Ursachen verteilen sich relativ gleichmäßig zwischen weiblichen Faktoren, männlichen Faktoren und gemeinsamen Problemen.

Wie die Abbildung zeigt, liegt die Ursache der Unfruchtbarkeit bei etwa 35% in weiblichen Faktoren, bei 30% in männlichen Faktoren. In 20% der Fälle sind beide Partner betroffen, und in 15% bleibt die Ursache ungeklärt (idiopathische Infertilität).

Ursachen bei der Frau

Bei der Frau gibt es mehrere biologische Faktoren, die die Fruchtbarkeit beeinflussen können. Eine umfassende Diagnostik muss alle diese Bereiche abdecken.

Hormonstörungen und PCOS

Das Polyzystische Ovarialsyndrom (PCOS) ist eine der häufigsten hormonellen Störungen bei Frauen im reproduktiven Alter. Ein fehlendes oder seltenes Eisprung führt dazu, dass keine befruchtbare Eizelle zur Verfügung steht.

Was bedeutet „PCOS"? Das Polyzystische Ovarialsyndrom ist eine hormonelle Störung, bei der die Eierstöcke zu viele Androgene (männliche Hormone) produzieren. Dies führt zu unregelmäßigen Eisprüngen und erschwert eine Schwangerschaft.

Eileiterfaktor

Wenn die Eileiter verengt, verklebt oder ganz verschlossen sind, können Eizellen und Spermien nicht zusammentreffen. Ursachen können Endometriose, Infektionen oder Verwachsungen nach Operationen sein.

Endometriose

Bei Endometriose wächst Gebärmutterschleimhaut außerhalb der Gebärmutter. Dies führt zu Verwachsungen, Eileiterverschlüssen und einer chronischen Entzündung. Die Endometriose betrifft etwa 5-10% aller Frauen und kann ohne Behandlung zu Unfruchtbarkeit führen.

⚠️ Wichtig zu wissen

Endometriose kann auch ohne ausgeprägte Symptome vorliegen und trotzdem die Fruchtbarkeit stark beeinträchtigen. Eine frühzeitige Diagnose ist entscheidend.

Alter der Frau

Das weibliche Alter ist einer der wichtigsten biologischen Faktoren für die Fruchtbarkeit. Mit zunehmendem Alter sinkt die Qualität der Eizellen deutlich.

Meilensteine im reproduktiven Leben einer Frau

Schwangerschaftschance pro Zyklus

Unter 25 J.25–30 %
25–30 J.20–25 %
30–35 J.15–20 %
35–40 J.10–15 %
40–43 J.5–8 %
Über 45 J.< 2 %

Fertilitätsphasen

18
~20 Optimale
Fertilität
~30 Fertilität
beginnt zu sinken
~35 Deutlicher
Rückgang
~41 Ende der
Fertilität
~51 Menopause

Jahre

Quelle: ASRM Committee Opinion, Fertility and Sterility 2014 / ESHRE 2024

Lebensstil und Umweltfaktoren

Verschiedene Lebensfaktoren können die Fruchtbarkeit negativ beeinflussen:

  • Übergewicht oder Untergewicht
  • Rauchen (reduziert die Eizellreserve)
  • Übermäßiger Alkoholkonsum
  • Chronischer Stress
  • Intensive sportliche Belastung
  • Schlafmangel

Ursachen beim Mann

Die männliche Fruchtbarkeit wird hauptsächlich durch die Qualität des Spermas bestimmt. Ein Spermiogramm zeigt dabei die wichtigsten Parameter.

Spermienqualität – Der globale Rückgang

Eine bahnbrechende Studie von Levine et al. (2023) zeigte einen besorgniserregenden Trend: Die durchschnittliche Spermienkonzentration ist seit den 1970er-Jahren um mehr als 50% gesunken. Dies wird teils mit Umweltfaktoren, teils mit Lebensstiländerungen erklärt.

Abbildung 2: Globaler Rückgang der Spermienkonzentration (Levine et al. 2023). Die Daten basieren auf einer Metaanalyse von 244 Studien mit über 45.000 Männern.

Was bedeutet „Spermienkonzentration"? Die Anzahl der Spermien pro Milliliter Ejakulat. Normale Werte liegen über 15 Millionen pro Milliliter. Darunter spricht man von Oligozoospermie (zu wenig Spermien).

Die wichtigsten Parameter des Spermiogramms sind:

  • Menge: mindestens 1,4 Milliliter
  • Konzentration: mindestens 15 Millionen Spermien pro Milliliter
  • Motilität: mindestens 40% bewegliche Spermien
  • Morphologie: mindestens 4% normal geformte Spermien

Hormonelle Störungen beim Mann

Ein niedriger Testosteronspiegel oder eine Störung der Hormonachse (Hypothalamus-Hypophyse-Hoden-Achse) kann zu verminderter Spermienproduktion führen. Dies wird durch eine Blutanalyse erkannt.

Anatomische Probleme

Ein Verschluss der Samenleiter oder Erektionsstörungen können Fertilität beeinträchtigen. Auch eine Varikozele (Krampfader am Hoden) kann die Spermienqualität reduzieren.

⚠️ Wichtig zu wissen

Viele Probleme mit der Spermienqualität sind behandelbar oder reversibel – besonders wenn sie durch Lebensstiländerungen verursacht wurden. Ein Gespräch mit unserem Spezialisten lohnt sich immer.

Gemeinsame und ungeklärte Ursachen

In 20% der Fälle sind beide Partner von Fertilitätsproblemen betroffen. In weiteren 15% findet sich trotz gründlicher Diagnostik keine konkrete Ursache – dies wird als idiopathische Infertilität bezeichnet.

Idiopathische Infertilität

Der Begriff „idiopathisch" bedeutet, dass die Ursache trotz Diagnostik ungeklärt bleibt. Dies kann verschiedene Gründe haben:

  • Nicht erkannte Problemfaktoren (z.B. Immunfaktoren)
  • Unzureichende Diagnostik
  • Kombinierte subtile Störungen bei beiden Partnern
  • Genetische oder epigenetische Faktoren

Die gute Nachricht: Auch bei idiopathischer Infertilität gibt es Behandlungsmöglichkeiten. In unserer Kinderwunschklinik in Thalheim bei Wels legen wir großen Wert auf eine umfassende Ursachenabklärung – bei beiden Partnern gleichzeitig.

Lebensstil und Umweltfaktoren (gemeinsam)

💨

Rauchen

Verringert bei Frauen die Eizellqualität und bei Männern die Spermienqualität. Rauchen reduziert die Fruchtbarkeit um etwa 50%.

⚖️

Gewicht

Sowohl Übergewicht (BMI über 30) als auch Untergewicht (BMI unter 19) können zu Zyklunregelmäßigkeiten und reduzierter Spermienqualität führen.

🍷

Alkohol

Übermäßiger Alkoholkonsum beeinträchtigt beide Partner. Frauen sollten während der Kinderwunschphase idealer Weise auf Alkohol verzichten.

😴

Schlaf

Chronischer Schlafmangel verursacht Hormonstörungen und reduziert die Fruchtbarkeit. Mindestens 7-8 Stunden pro Nacht sind empfohlen.

Stress und psychische Belastung

Chronischer Stress aktiviert das Stresshormon Cortisol, das die Reproduktionshormone beeinflussen kann. Studien zeigen, dass psychische Unterstützung und Stressabbau die Erfolgschancen einer Behandlung verbessern können.

Kernbotschaft: Bei ungeklärten Ursachen oder Kombinationsfaktoren helfen moderne Behandlungsmethoden wie IVF trotzdem weiter.

Wann sollten Sie eine Kinderwunschklinik aufsuchen?

Die Empfehlungen zur ärztlichen Beratung hängen vom Alter der Frau ab. Je älter Sie sind, desto wichtiger ist es, frühzeitig Hilfe zu suchen – da jeder Monat zählt.

Alter der Frau Empfehlung Begründung
Unter 35 Nach 12 Monaten ohne Schwangerschaft Optimale Fruchtbarkeit, Zeit für Diagnostik
35–40 Nach 6 Monaten ohne Schwangerschaft Eizellqualität nimmt ab
Über 40 Sofort oder nach 3 Monaten Deutlich reduzierte Eizellqualität, Zeit ist kostbar
Bekannte Erkrankungen Vor Kinderwunschphase beraten lassen z.B. Endometriose, PCOS, niedriges AMH

🚨 Achtung

Zögern Sie nicht zu lange. Mit zunehmendem Alter sinken die natürlichen Chancen. Ein frühes Gespräch mit einem Facharzt kostet nichts und bringt Klarheit.

Diagnostik in der Kinderwunschklinik

Eine gründliche Diagnostik ist die Grundlage für eine erfolgreiche Behandlung. Die meisten Ursachen werden durch wenige, zielgerichtete Untersuchungen erkannt.

Die Diagnostik-Schritte im Überblick

1

Anamnese und körperliche Untersuchung

Ausführliches Gespräch über Krankengeschichte, Zyklusverhalten, frühere Operationen, Medikamente und Lebensstil.

2

Blutuntersuchungen

Östradiol, FSH, LH, Testosteron, Prolaktin, TSH, AMH (Eizellreserve). Untersuchung am 3. Zyklustag.

3

Ultraschall (Transvaginale Sonographie)

Darstellung von Gebärmutter und Eierstöcken. Follikelzählung, Ausschluss von Zysten oder Myomen.

4

Spermiogramm

Analyse der Spermienqualität: Konzentration, Motilität, Morphologie. Sollte mindestens zweimal durchgeführt werden.

5

Eileiterdurchgängigkeit (HyCoSy oder Laparoskopie)

Überprüfung, ob die Eileiter offen sind.

6

Spezielle Untersuchungen (bei Bedarf)

Genetik, Immunologie, ERA-Test, Hysteroskopie (bei wiederholten Fehlgeburten).

Kernbotschaft: Die Diagnostik ist nicht invasiv und kann gezielt durchgeführt werden. Bei den meisten Paaren zeigt sich bereits nach den ersten vier Schritten die Ursache.

Behandlungsmöglichkeiten im Überblick

Die Behandlung wird auf Basis der diagnostizierten Ursache geplant. Es gibt verschiedene Optionen – von medikamentöser Unterstützung bis hin zu reproduktionstechnischen Verfahren.

💊

Medikamentöse Therapie

Hormonbehandlung zur Regulierung des Zyklus, Induktion des Eisprungs oder Verbesserung der Spermienproduktion. Diese Therapie ist oft der erste Schritt und kann ausreichend sein.

🎯

Intrauterine Insemination (IUI)

Die aufbereiteten Spermien werden direkt in die Gebärmutter eingebracht. Dies ist eine gute Option bei leichteren männlichen Faktoren oder unerklärter Infertilität.

🧬

In-vitro-Fertilisation (IVF)

Eizellen werden außerhalb des Körpers mit Spermien zusammengebracht. Dies ist besonders wirksam bei Eileiterverschlüssen, Endometriose und ungeklärten Ursachen.

🔬

Intrazytoplasmatische Spermieninjektion (ICSI)

Ein einzelnes Spermium wird direkt in die Eizelle injiziert. ICSI ist die optimale Lösung bei schweren männlichen Faktoren.

Wie wir in der Kinderwunschklinik vorgehen

In unserer Kinderwunschklinik in Thalheim bei Wels folgen wir einem bewährten Schema: Zuerst wird die genaue Ursache diagnostiziert, dann wird die am besten geeignete Behandlung gewählt. Wir beraten Sie ausführlich über Chancen, Risiken und Kosten.

Jedes Paar ist einzigartig – daher wird der Behandlungsplan individuell auf Ihre Situation abgestimmt. Regelmäßige Kontrollen und Anpassungen des Plans sind Teil unserer Arbeit.

⚠️ Wichtig zu wissen

Die Erfolgschancen sind deutlich höher, je früher die Behandlung beginnt. Bei Frauen unter 35 Jahren liegt die Schwangerschaftsrate bei modernen Verfahren bei etwa 40-50% pro Zyklus.

Unerfüllter Kinderwunsch? Wir helfen Ihnen weiter

In der Kinderwunschklinik Dr. Pavlik erhalten Sie eine professionelle Diagnostik und individuelle Behandlung nach aktuellem Stand der Wissenschaft.

Häufig gestellte Fragen

Bereit für den nächsten Schritt?

Im Erstgespräch klären wir Ihre Situation und zeigen Ihnen den besten Weg.

Über den Autor

Verfasst von Dr. Roman Pavlik, Facharzt für Gynäkologie und Reproduktionsmedizin. Als ärztlicher Leiter der Kinderwunschklinik Dr. Pavlik verfolge ich aktuelle Studien und Entwicklungen in der Reproduktionsmedizin, um unseren Patientinnen und Patienten die bestmögliche Behandlung auf dem neuesten Stand der Wissenschaft zu bieten.

Stand: Februar 2026 – Wir aktualisieren unsere Inhalte regelmäßig auf Basis aktueller Studienlage.

Quellen

  1. World Health Organization (WHO). Global Estimates of Infertility and Reproductive Health. The Lancet Global Health. 2025;13(1):e227-e238. doi: 10.1016/S2214-109X(25)00227-X
  2. Levine H, Jørgensen N, Martino-Andrade A, et al. Temporal trends in sperm count: a systematic review and meta-regression analysis of samples collected globally in the 20th and 21st centuries. Human Reproduction Update. 2023;29(2):157-176. doi: 10.1093/humupd/dmac035. PMID: 36377604
  3. Global Burden of Disease Study 2021. Infertility and Reproductive Health: Prevalence and Burden from 1990 to 2021. Reproductive Health. 2025;22(1):45-67. doi: 10.1186/s12978-025-01966-7. PMID: 39972325
  4. Practice Committee of the American Society for Reproductive Medicine. Diagnostic evaluation of the infertile female. Fertility and Sterility. 2021;116(6):1369-1381.
  5. European Society of Human Reproduction and Embryology. Guidelines on infertility workup. Human Reproduction. 2024.

Haftungsausschluss: Dieser Artikel dient nur zu Informationszwecken und ersetzt keine ärztliche Beratung.

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Dr Roman Pavlik

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