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Im Labor

Assisted Hatching

Was ist die Schlüpfhilfe, und wann kommt sie infrage?

Ein Embryo ist in den ersten Tagen von einer Hülle umgeben, der Zona pellucida. Vor der Einnistung muss er sie verlassen. Beim Assisted Hatching wird diese Hülle im Labor mit einem Laser ausgedünnt oder leicht geöffnet. Es ist eine Zusatzoption und kein Bestandteil unserer Behandlung. Wir sprechen sie nur an, wenn es dafür einen Anlass gibt.

Embryo im Achtzellstadium, an der Haltepipette im Labor
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Was passiert dabei im Labor?

Die Hülle des Embryos wird mit einem Laser an einer Stelle ausgedünnt oder geöffnet, kurz bevor er in die Gebärmutter übertragen wird. Der Embryo selbst wird dabei nicht berührt.

Querschnitt eines Embryos: Der Laserstrahl trifft einen einzelnen Punkt der Zona pellucida
Der Laser arbeitet an der Hülle. Der Embryo selbst wird nicht berührt.

Der Ablauf unterscheidet sich bis dahin nicht von einer gewöhnlichen Behandlung:

  1. 01IVF oder ICSI wie sonst auch: Die Eizellen werden entnommen und befruchtet
  2. 02Kultur im Labor, bis die Embryonen das Blastozystenstadium erreichen
  3. 03Assisted Hatching kurz vor dem Transfer: Die Zona pellucida wird mit dem Laser bearbeitet
  4. 04Embryotransfer wie gewohnt

Für Sie ändert sich am Ablauf nichts. Die Maßnahme findet im Labor statt und dauert nur wenige Augenblicke.

Drei Stadien nebeneinander: Blastozyste in geschlossener Hülle, geöffnete Hülle, schlüpfender Embryo
Vor der Einnistung muss der Embryo seine Hülle verlassen.
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Wann sprechen wir es an?

Nicht bei jeder Behandlung, und nie stillschweigend als Teil eines Pakets. Es gibt zwei Situationen, in denen das Thema überhaupt aufkommt.

  1. 01Die Hülle wirkt im Labor auffällig fest oder dick. Das ist eine Beobachtung unserer Biologen am einzelnen Embryo
  2. 02Mehrere Übertragungen sind ohne Einnistung geblieben, obwohl die Embryonen gut entwickelt waren

Eine feste Altersgrenze gibt es bei uns nicht. Ältere Darstellungen nennen häufig fünfunddreißig Jahre als Schwelle. Dafür gibt es keine belastbare Grundlage, und die vorliegenden Auswertungen sprechen eher dagegen, dass ältere Patientinnen von der Maßnahme profitieren.

Ob es in Ihrem Fall zur Sprache kommt, ergibt sich aus dem Verlauf Ihrer Behandlung und aus dem, was das Labor an den Embryonen sieht. Die Entscheidung fällt kurz vor dem Transfer, und sie liegt bei Ihnen.

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Was sich belegen lässt und was nicht

Ob Assisted Hatching die Chance auf ein Kind erhöht, lässt sich nicht pauschal beantworten. Die Studien kommen zu unterschiedlichen Ergebnissen.

Assisted Hatching soll dem Embryo das Verlassen seiner Hülle erleichtern. Für Frauen nach mehreren Übertragungen ohne Einnistung gibt es inzwischen Hinweise auf einen möglichen Nutzen.

FrageWas die Studien zeigen
Führt es zu mehr Geburten? Ein allgemeiner Vorteil ist bisher nicht belegt. Die Cochrane-Auswertung von 2021 konnte nicht eindeutig klären, ob Assisted Hatching die Geburtenrate erhöht.
Hilft es nach mehreren Übertragungen ohne Einnistung? Hier gibt es Hinweise auf einen möglichen Nutzen. Eine Studienauswertung von 2025 fand häufiger Einnistungen, eine weitere von 2026 mehr Schwangerschaften und auch mehr Geburten. Eine große Studie aus den Niederlanden konnte einen Vorteil bei den Geburten dagegen nicht nachweisen. Die Ergebnisse sind also uneinheitlich, und viele der Studien sind klein. Ob Assisted Hatching nach Ihrem bisherigen Verlauf infrage kommt, besprechen wir mit Ihnen.
Hilft es bei aufgetauten Embryonen? Eine italienische Studie mit knapp siebenhundert Patientinnen hat aufgetaute Blastozysten untersucht. Sie fand keinen Vorteil bei den Geburten.
Was ist über mögliche Risiken bekannt? In der Cochrane-Auswertung kamen Mehrlingsschwangerschaften etwas häufiger vor. Die neueren Auswertungen zu Frauen nach mehreren Übertragungen ohne Einnistung fanden keinen eindeutigen Unterschied. Auch zu Fehlgeburten sind die Ergebnisse uneinheitlich. Wir übertragen bevorzugt einen einzelnen Embryo, auch um das Mehrlingsrisiko gering zu halten.
Was die europäische Fachgesellschaft sagt

Die ESHRE, die europäische Fachgesellschaft für Reproduktionsmedizin, empfiehlt Assisted Hatching in ihren Empfehlungen zu Zusatzmaßnahmen von 2023 nicht. Sie begründet das damit, dass ein Vorteil bei den Geburten nicht nachgewiesen war, und nennt mögliche Risiken wie Mehrlingsschwangerschaften.

Diese Empfehlung stammt aus der Zeit vor den Studienauswertungen von 2025 und 2026. Die neueren Ergebnisse geben Hinweise auf einen möglichen Nutzen nach mehreren Übertragungen ohne Einnistung. Eine allgemeine Empfehlung für alle Patientinnen rechtfertigen sie nicht.

Wir berücksichtigen sowohl die Empfehlung der Fachgesellschaft als auch die neueren Ergebnisse.

Wie wir damit umgehen:

  1. 01Wir schlagen es nicht allgemein vor und rechnen es nicht stillschweigend mit ab
  2. 02Wir sprechen es dort an, wo es einen Anlass gibt, und sagen Ihnen dabei, was Sie hier lesen
  3. 03Sie entscheiden. Wenn Sie sich dagegen entscheiden, ändert das an Ihrer Behandlung nichts

Sie möchten wissen, ob das in Ihrer Situation überhaupt eine Rolle spielt?

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Häufige Fragen

Was ist Assisted Hatching auf Deutsch?

Schlüpfhilfe. Der Embryo muss vor der Einnistung seine Hülle verlassen, und beim Assisted Hatching wird diese Hülle im Labor ausgedünnt oder geöffnet.

Ist Assisted Hatching sinnvoll?

Das lässt sich nicht pauschal beantworten, und wir wollen Ihnen hier nichts versprechen. Über alle Patientinnen hinweg war ein Nutzen für die Geburtenrate bisher nicht nachweisbar, ausgeschlossen ist er aber auch nicht. Nach mehreren Übertragungen ohne Einnistung gibt es Hinweise auf einen Vorteil. Sinnvoll kann die Überlegung dort sein, wo es einen konkreten Anlass gibt. Ob der bei Ihnen vorliegt, besprechen wir im Einzelfall.

Wie viel kostet das Verfahren bei uns?

320 Euro, Stand Oktober 2026. Es ist eine Zusatzleistung, im Behandlungspreis nicht enthalten, und der IVF-Fonds übernimmt sie nicht. Einen Überblick über alle Preise finden Sie unter Was eine Behandlung kostet.

Ist Assisted Hatching gefährlich für den Embryo?

Die Hülle wird mit einem Laser bearbeitet, der Embryo selbst wird dabei nicht berührt. Der einzige in Studien gezeigte Nachteil betrifft nicht den Embryo, sondern die Schwangerschaft: Mehrlinge kamen in den Studien insgesamt etwas häufiger vor.

Wird es bei jeder IVF gemacht?

Nein. Es ist kein Bestandteil unserer Behandlung und kommt nur zur Sprache, wenn es dafür einen Anlass gibt.

Hilft es, wenn meine Embryonen eingefroren waren?

Diese Überlegung liegt nahe, weil sich die Hülle beim Einfrieren und Auftauen verändern kann. Untersucht wurde das an knapp siebenhundert Patientinnen mit aufgetauten Blastozysten, und ein Unterschied bei den Geburten zeigte sich nicht. Wir stellen das Verfahren deshalb nicht als Lösung für aufgetaute Embryonen dar.

Quellen zum Nachlesen
  1. 01Lacey L, Hassan S, Franik S, Seif MW, Akhtar MA. Assisted hatching on assisted conception (in vitro fertilisation (IVF) and intracytoplasmic sperm injection (ICSI)). Cochrane Database of Systematic Reviews 2021, CD001894. Lebendgeburt OR 1,09 (95-%-KI 0,92 bis 1,29; 14 Studien, 2.849 Frauen), Mehrlingsschwangerschaft OR 1,38 (1,13 bis 1,68). doi.org/10.1002/14651858.CD001894.pub6
  2. 02Du T, Ma Y, Huang Z, Zhao X, Zhang Q, Ren N. Unlocking the potential of embryos: insight of systematic review and meta-analysis into laser-assisted hatching's role in conquering recurrent implantation failure. Frontiers in Reproductive Health 2025;7:1581529. Acht Studien, 2.634 Patientinnen. Einnistung OR 1,26 (1,05 bis 1,51), Fehlgeburt bei Kryotransfer OR 1,45 (1,04 bis 2,02). doi.org/10.3389/frph.2025.1581529
  3. 03Parsaei M, Karimi E, Seifi P, Dehghan Tarzjani M, Tarafdari A. Outcomes of embryo transfer following laser-assisted hatching in patients with recurrent implantation failure: a systematic review and meta-analysis of randomized controlled trials. Reproductive Sciences 2026. Neun Studien, 2.481 Frauen. Lebendgeburt log-OR 0,52 (0,13 bis 0,91), Fehlgeburt log-OR −0,63 (−1,14 bis −0,13), Einnistung nicht signifikant. doi.org/10.1007/s43032-026-02219-z
  4. 04Curfs MHJM, Cohlen BJ, Slappendel EJ et al. A multicentre double-blinded randomized controlled trial on the efficacy of laser-assisted hatching in patients with repeated implantation failure undergoing IVF or ICSI. Human Reproduction 2023;38(10):1952–1960. 592 Paare, kumulative Lebendgeburt 25,9 gegenüber 23,1 %, RR 1,13 (0,85 bis 1,49). doi.org/10.1093/humrep/dead173
  5. 05Alteri A, Reschini M, Guarneri C et al. The effect of laser-assisted hatching on vitrified/warmed blastocysts: the ALADDIN randomized controlled trial. Fertility and Sterility 2024;122(1):106–113. 698 Frauen, Lebendgeburt 29,8 gegenüber 29,2 %, RR 1,02 (0,86 bis 1,19). doi.org/10.1016/j.fertnstert.2024.02.010
  6. 06ESHRE Add-ons Working Group. Good practice recommendations on add-ons in reproductive medicine. Human Reproduction 2023;38(11):2062–2104. Empfehlung: „Assisted hatching is not recommended.“ doi.org/10.1093/humrep/dead184
Dr. med. Roman Pavlik, Facharzt für Gynäkologie und Geburtshilfe
Dr. med. Roman Pavlik Facharzt für Gynäkologie und Geburtshilfe, Kinderwunschklinik Dr. Pavlik in Thalheim bei Wels (Oberösterreich) · zuletzt geprüft am 13.10.2026
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