
Was bedeuten die Zahlen auf meinem Befund?
Ein Spermiogramm beschreibt die Samenflüssigkeit und die Spermien darin. Beurteilt werden das Volumen, die Zahl der Spermien, ihre Beweglichkeit, ihre Form und der Anteil lebender Spermien. Der Befund ist eine Momentaufnahme einer einzelnen Probe. Ein auffälliger Wert bedeutet weder Unfruchtbarkeit noch ein endgültiges Urteil.
Ein Spermiogramm misst mehrere Kennwerte. Sie werden immer gemeinsam beurteilt, nie einzeln.
Zuerst wird gemessen, wie viel Samenflüssigkeit die Probe enthält. Das Volumen allein sagt nichts darüber, wie viele Spermien vorhanden sind. Ein niedriges Volumen hat oft eine einfache Erklärung. Häufig ist ein Teil der Probe verlorengegangen, besonders der erste Anteil, in dem die meisten Spermien enthalten sind. Auch eine kurze Karenzzeit kommt infrage, ein teilweise in die Blase gerichteter Samenerguss, hormonelle Ursachen oder eine Störung der ableitenden Samenwege.
Die Konzentration gibt an, wie viele Millionen Spermien in einem Milliliter enthalten sind. Die Gesamtzahl beschreibt, wie viele Spermien im gesamten Ejakulat vorhanden sind; sie ergibt sich aus Konzentration und Volumen. Beide Angaben können auseinanderfallen: Bei unauffälliger Konzentration und sehr kleinem Volumen kann die Gesamtzahl trotzdem vermindert sein. Eine niedrige Konzentration bedeutet, dass weniger Spermien zur Verfügung stehen, nicht dass keine vorhanden sind.
Unterschieden werden Spermien mit erkennbarer Vorwärtsbewegung, solche ohne wesentlichen Ortswechsel und unbewegliche Spermien. Die zielgerichtete Bewegung nennt man progressive Motilität. Für eine Befruchtung auf natürlichem Weg ist vor allem sie wichtig, weshalb dieser Anteil gesondert auf dem Befund steht. Bei einer ICSI gelten andere Voraussetzungen: Dort kann auch ein unbewegliches Spermium verwendet werden, wenn sich zeigen lässt, dass es lebt.
Ein unbewegliches Spermium ist nicht automatisch abgestorben. Erscheinen viele oder alle Spermien unbeweglich, prüfen wir im Labor gesondert, welcher Anteil lebt. Diese Unterscheidung ist wichtig, weil eine reine Bewegungsstörung andere Ursachen hat als ein Befund mit wenigen lebenden Spermien. Sie entscheidet auch darüber, welche Untersuchungen danach sinnvoll sind.
Beurteilt werden Kopf, Mittelstück und Schwanz, und zwar nach strengen Kriterien. Deshalb gilt auch bei fruchtbaren Männern nur ein kleiner Teil der Spermien als normal geformt. Ein niedriger Prozentsatz bedeutet nicht, dass alle übrigen Spermien unbrauchbar wären. Für sich genommen ist dieser Wert wenig aussagekräftig. Gemeinsam mit der Gesamtzahl und der Beweglichkeit kann er sehr wohl etwas bedeuten, ebenso im Licht früherer Behandlungen.
Neben den Kennwerten zu den Spermien beschreibt das Labor die Probe selbst. Diese Angaben erklären oft, warum eine Messung schwierig war.
| Angabe | Was sie bedeutet |
|---|---|
| Verflüssigung | Das Ejakulat ist zunächst zähflüssig und verflüssigt sich danach. Bleibt es zäh, erschwert das die Beurteilung. |
| Viskosität | Eine stark erhöhte Zähflüssigkeit kann die Messung erschweren und die Beweglichkeit beeinträchtigen. |
| pH-Wert | Gibt zusammen mit dem Volumen einen Hinweis auf die Funktion der Drüsen, die die Samenflüssigkeit bilden. |
| Rundzellen | Zellen, die keine Spermien sind. Dahinter können unreife Vorstufen der Spermien stecken oder weiße Blutkörperchen. |
| Leukozyten | Weiße Blutkörperchen. Erhöhte Werte passen zu einer Entzündung, sie beweisen aber keine bakterielle Infektion und begründen für sich allein keine Antibiotikatherapie. |
| Agglutination | Spermien, die aneinander haften. Dafür gibt es mehrere Erklärungen, eine Reaktion des Immunsystems ist nur eine davon. |
Für die einzelnen Kennwerte gibt die Weltgesundheitsorganisation untere Referenzgrenzen an, nachzulesen im WHO-Laborhandbuch in der 6. Auflage von 2021. Es sind keine Grenzen zwischen fruchtbaren und unfruchtbaren Männern. Die Grenzen beschreiben den unteren Rand einer Vergleichsgruppe von Männern, deren Partnerin innerhalb eines Jahres schwanger wurde. Auch Männer, die Kinder gezeugt haben, liegen bei einzelnen Werten darunter. Die vollständige Tabelle mit allen Werten finden Sie in unserem Ratgeber Spermiogramm: Kosten und Befund verstehen. Ihre eigenen Zahlen können Sie mit dem Spermiogramm-Interpreter einordnen, dort stehen alle Referenzwerte an einer Stelle.
Auf dieser Seite geht es um die Frage dahinter: Was bedeutet ein einzelner Wert überhaupt, und was bedeutet er nicht.
Ein einzelner Wert unterhalb eines Referenzwertes bedeutet nicht automatisch Unfruchtbarkeit. Ebenso garantiert ein unauffälliges Spermiogramm keine Schwangerschaft. Entscheidend ist das Gesamtbild aus allen Werten, Ihrer Vorgeschichte und den Befunden Ihrer Partnerin.
Viele Befunde enden mit einem Begriff, der auf „zoospermie" endet. Er fasst zusammen, welcher Kennwert außerhalb des Referenzbereichs liegt, und sagt nichts über die Ursache.
| Begriff | Bedeutung |
|---|---|
| Normozoospermie | Die beurteilten Hauptwerte liegen im Referenzbereich. |
| Oligozoospermie | Verminderte Konzentration oder Gesamtzahl der Spermien. |
| Asthenozoospermie | Zu geringer Anteil beweglicher Spermien. |
| Teratozoospermie | Zu geringer Anteil normal geformter Spermien. |
| OAT-Syndrom | Zahl, Beweglichkeit und Form sind gleichzeitig vermindert. Die Abkürzung steht für Oligo-Astheno-Teratozoospermie. |
| Nekrozoospermie | Zu geringer Anteil lebender Spermien. |
| Kryptozoospermie | Spermien sind erst nach längerer Suche oder nach Aufbereitung der Probe nachweisbar. |
| Azoospermie | Im Ejakulat wurden keine Spermien gefunden. |
| Leukozytospermie | Erhöhte Zahl weißer Blutkörperchen im Ejakulat. |
| Hypospermie | Geringes Ejakulatvolumen. |
| Aspermie | Es wurde kein Ejakulat abgegeben. |
Azoospermie und Aspermie sind nicht dasselbe. Bei einer Azoospermie wird Samenflüssigkeit abgegeben, darin finden sich aber keine Spermien. Bei einer Aspermie fehlt das Ejakulat. Was bei einer Azoospermie möglich ist, lesen Sie im Ratgeber Vater werden trotz Azoospermie.
Kaum ein Befund wird so persönlich genommen. Diese vier Irrtümer begegnen uns im Gespräch besonders oft.
Nein. Der Befund beschreibt eine Probe zu einem Zeitpunkt. Auch bei eingeschränkten Werten kommen Schwangerschaften zustande, teils spontan, teils mit Unterstützung. Unfruchtbarkeit lässt sich aus einem einzelnen Befund nicht ableiten. Sind allerdings mehrere Werte deutlich vermindert, sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass eine Schwangerschaft auf natürlichem Weg eintritt. Auch das ist eine Wahrscheinlichkeit und kein Ausschluss.
Nicht unbedingt. Konzentration, Gesamtzahl, Beweglichkeit und Form wirken zusammen. Eine unauffällige Konzentration hilft wenig, wenn sich kaum ein Spermium vorwärtsbewegt. Kein Wert sollte für sich allein beurteilt werden, weder im Guten noch im Schlechten.
Manches lässt sich beeinflussen, etwa Rauchen, starke Hitzeeinwirkung oder bestimmte Medikamente. Vieles aber nicht. Häufig steht am Anfang auch schlicht eine unvollständig gewonnene Probe oder ein Infekt in den Wochen davor. Schuldzuweisungen an sich selbst helfen an dieser Stelle niemandem weiter.
In der Regel nicht. Weil die Werte natürlicherweise schwanken, bestätigen wir einen auffälligen Befund mit einer zweiten Samenanalyse. Wann diese sinnvoll ist, hängt vom Befund ab. Steht ein Problem bei Gewinnung oder Transport im Raum, kontrollieren wir zeitnah. Nach einem Infekt oder einer Umstellung von Medikamenten warten wir einige Monate ab.
Ein Wert liegt unter der Referenzgrenze und Sie wissen nicht, wie ernst das ist?
Kostenloses OrientierungsgesprächZwei Proben desselben Mannes können deutlich unterschiedlich ausfallen, ohne dass sich grundsätzlich etwas geändert hat.
Ein Teil der Unterschiede ist biologisch, ein Teil entsteht rund um die Probengewinnung. Weil sich Spermien über etwa drei Monate entwickeln, wirken sich Ereignisse aus dieser Zeit auf den aktuellen Befund aus.
| Einflussfaktor | Was er bewirken kann |
|---|---|
| Karenzzeit seit dem letzten Samenerguss | Ein deutlich kürzerer oder längerer Abstand verändert die Messwerte, vor allem Volumen und Konzentration. |
| Unvollständig gewonnene Probe | Geht der erste, spermienreiche Anteil verloren, fallen Volumen und Gesamtzahl zu niedrig aus. |
| Transportdauer und Temperatur | Zu langer Weg, Kälte oder Hitze verschlechtern vor allem die Beweglichkeit. |
| Fieber oder Infekt in den Monaten davor | Vorübergehend deutlich schlechtere Werte, oft erst Wochen später sichtbar. |
| Medikamente | Manche Wirkstoffe beeinflussen die Spermienbildung. Bringen Sie Ihre Medikamentenliste mit. |
| Testosteron und Anabolika | Können die Spermienbildung stark unterdrücken, siehe Kasten unten. |
| Rauchen und höherer Alkoholkonsum | Können Konzentration und Beweglichkeit vermindern. |
| Starke oder wiederholte Hitzeeinwirkung | Sauna, heiße Bäder und ähnliche Belastungen können die Werte vorübergehend senken. |
| Erkrankungen, Operationen, Verletzungen | Können die Spermienbildung oder den Transportweg der Spermien beeinträchtigen. |
| Varikozele | Krampfaderartig erweiterte Venen am Hoden, die mit schlechteren Werten einhergehen können. |
| Hormonelle und genetische Ursachen | Können hinter dauerhaft niedrigen Werten stehen und werden gezielt abgeklärt. |
Von außen zugeführtes Testosteron kann die eigene Steuerung der Hoden hemmen und die Spermienbildung stark vermindern. Das gilt für Gele und Spritzen ebenso wie für den Einsatz beim Muskelaufbau. Manchmal sind vorübergehend gar keine Spermien mehr nachweisbar. Bei aktuellem Kinderwunsch gehört eine solche Behandlung deshalb vorher besprochen. Setzen Sie verordnete Medikamente nicht eigenmächtig ab, sondern sprechen Sie uns oder Ihren behandelnden Arzt an.
Bei einem auffälligen Ergebnis empfehlen wir je nach Befund eine Kontrolle. Da die Spermienbildung mehrere Wochen dauert, ist bei vielen Veränderungen ein Abstand von etwa zwei bis drei Monaten sinnvoll. Ist der erste Befund deutlich auffällig oder gab es ein Problem bei der Probengewinnung, kontrollieren wir auch früher. Halten Sie dabei möglichst dieselbe Karenzzeit ein wie beim ersten Mal, sonst lassen sich die Befunde schwer vergleichen.
Aus einem auffälligen Befund folgt nicht sofort eine Behandlung. Zuerst klären wir, woher die Auffälligkeit kommt.
Ein Spermiogramm zeigt, dass etwas auffällig ist. Es zeigt nicht, warum. Deshalb prüfen wir zunächst, ob die Probe vollständig gewonnen wurde und ob vorübergehende Einflüsse vorlagen. Bestätigt die zweite Untersuchung den Befund, ist je nach Ausprägung eine urologische oder andrologische Abklärung sinnvoll.
Erst danach, oft auch parallel dazu, entscheidet sich der weitere Weg. Bei leichten Einschränkungen kommt häufig eine Insemination infrage, bei deutlicheren eher eine ICSI. Dabei bringen wir ein einzelnes Spermium direkt in die Eizelle ein. Findet sich im Ejakulat kein Spermium, kann eine operative Gewinnung aus dem Hoden über eine TESE infrage kommen. Welcher Weg zu Ihnen passt, ergibt sich erst aus dem Gesamtbild beider Partner.
Kinderwunsch betrifft beide. Deshalb sehen wir uns von Anfang an beide Seiten an, statt nacheinander vorzugehen.
Nein. Volumen und Spermienzahl sind zwei verschiedene Angaben. Es gibt Befunde mit kleinem Volumen und unauffälliger Konzentration, und es gibt das Umgekehrte. Erst die Gesamtzahl bringt beides zusammen.
Nein. Deshalb prüfen wir bei sehr geringer Beweglichkeit gesondert, welcher Anteil der Spermien lebt. Lebende, aber unbewegliche Spermien lassen sich bei einer ICSI verwenden. Ein hoher Anteil abgestorbener Spermien führt dagegen zu anderen Untersuchungen.
Es bedeutet, dass unter den beurteilten Spermien dieser Probe keines sämtliche strengen Formkriterien erfüllt hat. Es bedeutet nicht, dass im Ejakulat kein befruchtungsfähiges Spermium vorhanden ist. Ein solcher Befund wird kontrolliert und gemeinsam mit den übrigen Werten beurteilt.
Diesen Abstand nennt man Karenzzeit. Wir teilen Ihnen den empfohlenen Zeitraum vor dem Termin mit; deutlich kürzere oder längere Abstände verändern das Ergebnis und erschweren die Beurteilung. Bei einer Kontrolluntersuchung sollte die Karenzzeit möglichst gleich lang sein. Alles zur Vorbereitung steht auf der Seite zur Untersuchung.
Grundsätzlich ja, allerdings muss die Probe innerhalb der von uns genannten Zeit im Labor sein und unterwegs vor Auskühlung und Hitze geschützt bleiben. Wichtig ist außerdem, das gesamte Ejakulat aufzufangen. Geht ein Teil verloren, sagen Sie uns bitte Bescheid, sonst beurteilen wir eine unvollständige Probe. Ist der Weg zu weit, ist die Gewinnung vor Ort die verlässlichere Variante. Alles Weitere finden Sie auf der Seite zur Untersuchung.
Nein. Das Spermiogramm beurteilt Zahl, Beweglichkeit, Vitalität und Form, nicht aber direkt das Erbgut. Dafür gibt es einen eigenen Test auf DNA-Fragmentierung. Er ist keine Routineuntersuchung für jeden Mann, kann aber bei wiederholten Fehlgeburten oder nach erfolglosen Behandlungen sinnvoll sein. Was sich daraus für die Spermienauswahl im Labor ergibt, erklären wir beim Mikrofluidik-Chip.
Die Werte verändern sich mit den Jahren, meist langsamer und weniger deutlich als bei der Frau. Betroffen sind vor allem Beweglichkeit und Volumen, dazu nimmt die Zahl der Spermien mit beschädigtem Erbgut zu. Eine feste Altersgrenze gibt es beim Mann nicht. Das Alter fließt in die Beurteilung ein, steht aber selten allein im Vordergrund.
In unserer Klinik rechnen wir das Spermiogramm nach unserer Tarifliste ab; ob eine Kostenübernahme möglich ist, hängt vom Anlass der Untersuchung ab. Die aktuellen Tarife finden Sie auf unserer Kostenseite.
Alle Rechner und Selbsttests der Kinderwunschklinik Dr. Pavlik, darunter der Spermiogramm-Interpreter, finden Sie im Überblick.
Im Erstgespräch in unserer Kinderwunschklinik in Thalheim bei Wels sehen wir uns Ihre Befunde gemeinsam an, beide Seiten, und besprechen, was daraus folgt. Unverbindlich und in Ruhe.
Weitere Begriffe und Befunde erklären wir im Lexikon.
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