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Im Labor

Calcium-Ionophor

Was ist die künstliche Eizellaktivierung, und wann braucht man sie?

Damit sich eine Eizelle nach dem Eindringen des Spermiums entwickelt, muss in ihrem Inneren die Kalziumkonzentration ansteigen. Bleibt dieses Signal aus, kommt es zu keiner Befruchtung. Calcium-Ionophor kann diesen Anstieg im Labor auslösen. Dies ist kein Verfahren für jede Behandlung. Es hat einen klar umrissenen Anlass: wenn sich Eizellen bei einem früheren Versuch nicht befruchten liessen.

Calciumsalz als Symbolbild für die Aktivierung der Eizelle
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Was passiert dabei im Labor?

Nach der Injektion des Spermiums werden die Eizellen für kurze Zeit in eine Lösung gelegt, die den natürlichen Kalziumanstieg in der Eizelle nachahmt.

Im gewöhnlichen Ablauf löst das Spermium selbst dieses Signal aus. Es bringt dafür einen Eiweißstoff mit, der in der Eizelle eine Kette von Kalziumschwankungen anstößt. Fehlt dieser Stoff oder wirkt er nicht, bleibt die Eizelle untätig, obwohl das Spermium erfolgreich eingebracht wurde.

Zwei Eizellen im Vergleich: links breitet sich das Kalziumsignal in Wellen aus, rechts bleibt es aus
Ohne den Kalziumanstieg bleibt die Eizelle untätig.
  1. 01Eizellentnahme wie bei jeder Behandlung
  2. 02ICSI: Ein Spermium wird in die Eizelle eingebracht
  3. 03Kurze Behandlung mit Calcium-Ionophor unmittelbar danach
  4. 04Kultur und Transfer wie gewohnt

Für Sie ändert sich am Behandlungsablauf nichts. Der Schritt findet im Labor statt und dauert wenige Minuten.

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Wann kommt es infrage?

Der Anlass ist eng umrissen. Es geht um Fälle, in denen sich Eizellen trotz eingebrachtem Spermium nicht befruchtet haben.

  1. 01Bei einem früheren Versuch hat sich keine einzige Eizelle befruchtet
  2. 02Die Befruchtungsrate lag unter dreißig Prozent, obwohl genügend Eizellen vorhanden waren
  3. 03Globozoospermie, eine seltene Form der Spermienfehlbildung, bei der jener Eiweißstoff fehlt, der das Signal auslöst
Ein häufiges Missverständnis

Ausbleibende Befruchtung und ausbleibende Einnistung sind zwei verschiedene Dinge. Wenn sich Ihre Eizellen befruchtet haben und Embryonen entstanden sind, die sich dann nicht eingenistet haben, ist die Eizellaktivierung nicht das passende Mittel. Sie setzt am Beginn an, nicht am Ende.

Zeitstrahl von der Befruchtung über Embryo und Transfer bis zur Einnistung, die Aktivierung ist am Anfang markiert
Die Eizellaktivierung setzt bei der Befruchtung an, nicht bei der Einnistung.

Ob es in Ihrem Fall infrage kommt, ergibt sich aus dem Befruchtungsergebnis eines vorangegangenen Versuchs und aus dem Spermiogramm. Es ist also eine Entscheidung, die auf konkreten Befunden beruht und nicht auf einer allgemeinen Erfolgshoffnung.

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Was sich belegen lässt und was nicht

Für die genannten Anlässe spricht die Datenlage. Ausserhalb davon spricht sie dagegen, und das ist der Grund, warum wir es nicht breit anbieten.

FrageWas die Datenlage hergibt
Hilft es nach ausgebliebener Befruchtung? Dafür gibt es Hinweise. Die Cochrane-Auswertung von 2024 sieht in dieser Gruppe eine höhere Geburtenrate, stuft die Verlässlichkeit aber als gering ein, weil es nur wenige gut gemachte Studien gibt.
Wirkt es bei allen Behandlungen? Nein. Ausserhalb der genannten Anlässe fanden mehrere Auswertungen keinerlei Verbesserung, weder bei Befruchtung noch bei Embryonen noch bei Geburten.
Kann es schaden, wenn kein Anlass besteht? Eine Studie fand bei breitem Einsatz weniger Embryonen bester Qualität. Das ist ein Einzelbefund, aber ein Grund mehr, das Verfahren nicht vorsorglich einzusetzen.
Wie gut ist die Beweislage insgesamt? Schwach. Die Cochrane-Auswertung stützt sich für die Hauptaussage auf eine einzige verlässliche Studie mit dreihundertdreiundvierzig Teilnehmerinnen.
Was die europäische Fachgesellschaft sagt

Die ESHRE hat sich 2023 zu den Zusatzleistungen der Kinderwunschmedizin geäußert und gibt zur Eizellaktivierung zwei getrennte Empfehlungen ab.

Für den allgemeinen Einsatz rät sie ab. Für drei benannte Situationen dagegen empfiehlt sie das Verfahren ausdrücklich: wenn sich überhaupt keine Eizelle befruchtet hat, wenn die Befruchtungsrate unter dreißig Prozent lag, und bei Globozoospermie.

Genau diese drei Situationen sind es, in denen wir es ansprechen. Das ist keine eigene Auslegung, sondern die Empfehlung selbst.

Sie hatten einen Versuch ohne Befruchtung und fragen sich, woran es lag?

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Häufige Fragen

Ist das für mein Kind unbedenklich?

Diese Frage stellen fast alle, und sie ist berechtigt. Die vorliegenden Untersuchungen sind beruhigend: In der grössten Auswertung mit rund zweihundert Kindern zeigten sich keine Unterschiede bei Fehlbildungen, Geburtsgewicht oder Frühgeburtlichkeit. Eine Untersuchung aus dem Jahr 2025 prüfte bei hundertachtundfünfzig Kindern die Entwicklung im Alter von einem bis fünf Jahren und fand ebenfalls keine Unterschiede.

Ehrlicherweise gehört dazu: Diese Zahlen sind klein. Seltene Auffälligkeiten liessen sich damit nicht sicher erkennen, und keine der randomisierten Studien hat Fehlbildungen überhaupt als Zielgrösse erfasst. Es gibt keinen Hinweis auf Schaden, aber auch keine abschließende Entwarnung. Das ist mit ein Grund, warum wir das Verfahren nur bei klarem Anlass einsetzen.

Wie viel kostet das Verfahren bei uns?

327 Euro, Stand Juli 2026. Es ist eine Zusatzleistung, im Behandlungspreis nicht enthalten, und der IVF-Fonds übernimmt sie nicht. Alle Preise im Überblick finden Sie unter Was eine Behandlung kostet.

Meine Embryonen nisten sich nicht ein. Hilft das?

Nach heutigem Kenntnisstand nicht. Die Eizellaktivierung setzt bei der Befruchtung an, also ganz am Anfang. Wenn Embryonen entstanden sind und sich nicht einnisten, liegt die Ursache an anderer Stelle, und wir suchen sie dort.

Wirkt es auch bei schlechtem Spermiogramm allgemein?

Nur bei einer bestimmten Form. Bei der Globozoospermie fehlt den Spermien der Kopfabschnitt, der jenen Eiweißstoff enthält, der das Signal in der Eizelle auslöst. Bei anderen Einschränkungen der Spermienqualität ist ein Nutzen nicht belegt.

Welcher Stoff wird verwendet?

Ein sogenanntes Kalzium-Ionophor, meist die Substanz A23187, auch Calcimycin genannt. Sie macht die Zellhülle für kurze Zeit durchlässig für Kalzium und löst so das Signal aus, das sonst vom Spermium ausgeht.

Wann fällt die Entscheidung?

Vor der Behandlung, weil der Schritt unmittelbar nach der Injektion des Spermiums erfolgt. Grundlage ist das Ergebnis eines vorangegangenen Versuchs.

Dr. med. Roman Pavlik, Facharzt für Gynäkologie und Geburtshilfe
Dr. med. Roman Pavlik Facharzt für Gynäkologie und Geburtshilfe, Kinderwunschklinik Dr. Pavlik in Thalheim bei Wels (Oberösterreich) · zuletzt geprüft am 27.08.2026
Ihr nächster Schritt

Ein Versuch ohne Befruchtung ist ein harter Rückschlag

Er ist aber auch ein Befund, mit dem sich arbeiten lässt. Im Erstgespräch in Thalheim bei Wels sehen wir uns an, was beim letzten Versuch geschehen ist, und besprechen, ob die Eizellaktivierung für Sie infrage kommt oder ob eine andere Erklärung näher liegt.

Sie sind unsicher, ob ein Erstgespräch schon der richtige Schritt ist? Dann buchen Sie ein kostenloses Orientierungsgespräch: ein Anruf, ohne Verpflichtung. Lieber gleich sprechen? Rufen Sie uns an: +43 7242 22 44 66.

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