
Habe ich wirklich nur noch so wenige Eizellen?
Die Antralfollikelzahl, kurz AFC, ist die Zahl der kleinen Follikel, die zu Beginn eines Zyklus in beiden Eierstöcken im Ultraschall sichtbar sind. Gezählt werden Eibläschen von etwa zwei bis zehn Millimetern. Aus dieser Zahl lässt sich abschätzen, wie die Eierstöcke auf eine Hormonbehandlung reagieren. Sie ist nicht die Zahl der Eizellen, die insgesamt noch vorhanden sind.
Ein Antralfollikel ist ein kleines, flüssigkeitsgefülltes Bläschen im Eierstock, in dem eine unreife Eizelle liegt.
Follikel sind seit Ihrer Geburt angelegt und wachsen über Monate langsam heran. In den frühen Stadien sind sie mikroskopisch klein und im Ultraschall nicht darstellbar. Erst wenn sich in ihrem Inneren ein flüssigkeitsgefüllter Hohlraum bildet, das Antrum, werden sie sichtbar. Gezählt werden dann die Follikel von etwa zwei bis zehn Millimetern, und zwar in beiden Eierstöcken zusammen.
Die Antralfollikelzahl erfasst deshalb nur den Teil, der zum Zeitpunkt der Untersuchung groß genug ist. Der weitaus größere Teil der angelegten Follikel ist zu klein für den Ultraschall. Wie viele es insgesamt sind, lässt sich mit keiner Methode bestimmen. Die Antralfollikelzahl ist damit ein indirekter Marker der Eizellreserve. Sie zeigt vor allem, wie die Eierstöcke auf eine hormonelle Stimulation ansprechen werden.
Aus einem sichtbaren Follikel wird außerdem nicht zwangsläufig im selben Zyklus eine reife Eizelle. Auch bei einer IVF entspricht die Zahl der anfangs gezählten Follikel nicht der Zahl der Eizellen, die später gewonnen werden.
Diese Übersicht zeigt, welche Frage die Antralfollikelzahl beantworten kann und welche nicht.
| Ihre Frage | Was die Antralfollikelzahl dazu sagen kann |
|---|---|
| Wie viele kleine Follikel sind gerade sichtbar? | Das ist die direkte Aussage der Zählung. |
| Wie viele Eizellen sind insgesamt noch vorhanden? | Mit dem Ultraschall nicht bestimmbar. |
| Wie reagieren meine Eierstöcke auf eine Stimulation? | Dafür ist der Wert gut geeignet. |
| Wie viele Eizellen werden bei einer Punktion gewonnen? | Nur als grobe Einschätzung, nicht als Vorhersage. |
| Wie gut ist die Beschaffenheit meiner Eizellen? | Dazu sagt die Zahl nichts. |
| Kann ich auf natürlichem Weg schwanger werden? | Nicht zuverlässig vorhersagbar. |
| Besteht das Risiko einer Überreaktion bei einer Stimulation? | Eine hohe Zahl kann darauf hinweisen. |
| Habe ich ein PCO-Syndrom? | Kann ein Hinweis sein, für die Diagnose reicht sie nicht. |
| Wann beginnen meine Wechseljahre? | Für die einzelne Frau nicht berechenbar. |
Denselben Vorrat beschreibt der AMH-Wert, nur über das Blut statt über das Bild.
Eine niedrige Antralfollikelzahl bedeutet, dass zum Zeitpunkt der Untersuchung nur wenige kleine Follikel sichtbar waren. Bei einer Stimulation ist dann häufig mit weniger gewonnenen Eizellen zu rechnen.
Für die Behandlungsplanung ist das die wichtigste Folge. Wir stellen uns auf ein schwächeres Ansprechen ein und besprechen vorher, was das für den Ablauf einer IVF bedeutet. Weniger Eizellen können auch bedeuten, dass pro Punktion weniger Embryonen für einen Transfer oder für das Einfrieren entstehen.
Eine niedrige Antralfollikelzahl bedeutet nicht:
Für die Einordnung zählen Ihr Alter, der AMH-Wert, Ihr Zyklus und frühere Operationen an den Eierstöcken. Wenn es bereits eine Stimulation gab, ist deren Ergebnis der aussagekräftigste Anhaltspunkt. Auch eine sehr niedrige Zahl ist für uns kein Grund, von einer Behandlung abzuraten. Sie verändert die Planung, nicht die Frage, ob wir behandeln.
Eine hohe Antralfollikelzahl spricht dafür, dass viele kleine Follikel auf eine hormonelle Stimulation ansprechen können.
Für die Behandlung heißt das vor allem: Wir wählen die Dosis zurückhaltender und beobachten den Verlauf enger, damit die Eierstöcke nicht überschießend reagieren. Eine solche Überreaktion, das ovarielle Überstimulationssyndrom (OHSS), wollen wir vermeiden. Wie wir die Hormonbehandlung im Einzelnen anpassen, besprechen wir vor Behandlungsbeginn.
Viele sichtbare Follikel können außerdem zu einem polyzystischen Ovarsyndrom (PCOS) passen. Ein Beweis sind sie nicht. Für die Diagnose sehen wir uns den Zyklusverlauf, die Beschwerden, weitere Hormonwerte und den Ultraschall gemeinsam an. Was daraus folgt, beschreibt die Seite PCO-Syndrom und Kinderwunsch.
Was eine hohe Zahl nicht bedeutet: dass die Eizellen von besserer Beschaffenheit wären oder dass eine Schwangerschaft sicher eintritt. Auch nach oben beschreibt die Antralfollikelzahl die Menge, nicht die Aussicht.
Es gibt keine Zahl, ab der eine Antralfollikelzahl für alle Frauen und jede Behandlungssituation als normal oder als auffällig gilt.
Die erwartbare Zahl nimmt mit dem Alter ab. Sie hängt außerdem vom Zeitpunkt im Zyklus ab, vom Ultraschallgerät, von einer hormonellen Verhütung und davon, wie gut beide Eierstöcke darstellbar sind. Dieselbe Zahl bewerten wir deshalb bei einer Achtundzwanzigjährigen anders als bei einer Vierzigjährigen.
In der Kinderwunschmedizin dienen bestimmte Zahlenbereiche dazu, abzuschätzen, ob die Eierstöcke auf eine Stimulation eher schwach, durchschnittlich oder stark ansprechen. Diese Bereiche beschreiben die zu erwartende Reaktion auf Medikamente. Sie sind keine Grenzen der Fruchtbarkeit. Eine niedrige Zahl bedeutet nicht, dass eine Schwangerschaft ausgeschlossen ist, und eine hohe Zahl ist keine Zusage dafür, dass eine eintritt.
Entscheidend ist nicht eine einzelne „Normalzahl“, sondern die Einordnung nach Alter, AMH-Wert und Behandlungssituation.
Kaum ein Befund führt so oft zu unnötiger Sorge wie diese Zahl.
Das ist die häufigste Fehldeutung. Gezählt wurden acht sichtbare Follikel in diesem einen Zyklus. Die Gesamtzahl der angelegten Eizellen liegt um ein Vielfaches höher. Wie hoch genau, lässt sich im Ultraschall überhaupt nicht bestimmen, denn diese Follikel sind viel zu klein dafür.
Eine natürliche Schwangerschaft lässt sich aus der Antralfollikelzahl weder vorhersagen noch ausschließen. Dafür ist entscheidend, ob ein Eisprung stattfindet und eine befruchtungsfähige Eizelle vorhanden ist. Bei einer IVF bedeutet eine niedrige Zahl allerdings, dass pro Punktion meist weniger Eizellen und damit weniger Embryonen zur Verfügung stehen. Der Wert ist deshalb für die Planung wichtig, aber keine Auskunft darüber, ob es bei Ihnen klappt.
Das kommt vor und ist meist unbedenklich. Beide Werte beschreiben verwandte, aber nicht dieselben Dinge. Im Ultraschall zählen wir die sichtbaren Follikel. Im Blut messen wir ein Hormon, das aus den kleinen heranwachsenden Follikeln stammt. Deshalb können die Ergebnisse auseinandergehen. Gründe sind etwa eine hormonelle Verhütung, eine Zyste am Eierstock, schwer darstellbare Eierstöcke oder das Testverfahren des Labors. Weichen sie deutlich voneinander ab, ordnen wir das gemeinsam mit Ihrem Alter und Ihrer Vorgeschichte ein, statt einem der beiden Werte allein zu folgen. Wie der AMH-Test abläuft, lesen Sie auf der Seite zur Untersuchung. Ihren eigenen Wert können Sie mit dem AMH-Rechner einordnen.
Nicht unbedingt. Kleinere Unterschiede zwischen zwei Untersuchungen sind normal. Sie hängen vom Zeitpunkt im Zyklus ab, vom Gerät und von der untersuchenden Person. Eine deutlich niedrigere Zahl tun wir deshalb aber nicht als Messfehler ab. Wir ordnen sie gemeinsam mit dem AMH-Wert, Ihrem Alter und den früheren Befunden ein. Warum auch die Zahl der gewonnenen Eizellen schwankt, erklärt der Ratgeber Warum die Zahl der Eizellen schwankt.
Die Antralfollikelzahl wird bei einem Ultraschall über die Scheide bestimmt, meist in den ersten Tagen des Zyklus.
In der Kinderwunschklinik Dr. Pavlik in Thalheim bei Wels sehen wir dabei beide Eierstöcke nacheinander systematisch durch und zählen die sichtbaren Follikel von etwa zwei bis zehn Millimetern einzeln. Die Untersuchung dauert wenige Minuten. Sie ist meist schmerzfrei, manchmal ist ein leichtes Druckgefühl zu spüren. Nüchtern müssen Sie dafür nicht sein. Für den Ultraschall über die Scheide ist eine entleerte Blase angenehmer, und die Eierstöcke sind dann meist besser zu beurteilen.
Häufig zählen wir die Follikel im Rahmen der ersten Abklärung oder eines Zyklusmonitorings.
Zu Beginn des Zyklus sind die kleinen Follikel am besten vergleichbar, weil noch keiner von ihnen die anderen überholt hat. Später wächst ein führender Follikel heran, während die übrigen zurückbleiben. Eine Zählung ist dann noch orientierend möglich, für den Vergleich mit einer früheren Untersuchung taugt sie aber weniger.
Diese Übersicht zeigt, was die Zählung sonst noch beeinflussen kann.
| Einflussfaktor | Was er bewirken kann |
|---|---|
| Zeitpunkt im Zyklus | Zu Zyklusbeginn ist die Zählung am besten vergleichbar. |
| Hormonelle Verhütung | Die Zahl kann vorübergehend niedriger ausfallen, ohne dass Eizellen verloren gehen. |
| Zyste am Eierstock oder Endometriom | Kann kleine Follikel verdecken und die Zählung erschweren. |
| Frühere Operation am Eierstock | Kann die Zahl dauerhaft vermindern. |
| Nur ein Eierstock vorhanden | Die Summe fällt niedriger aus, der verbliebene Eierstock gleicht einen Teil aus. |
| PCO-Syndrom | Häufig sind viele kleine Follikel sichtbar. |
| Ultraschallgerät und Einstellung | Bestimmen mit, wie gut sich kleine Follikel erkennen lassen. |
| Erfahrung der untersuchenden Person | Kleine Follikel werden unterschiedlich voneinander abgegrenzt. |
Aus Antralfollikelzahl, AMH-Wert, Alter und Vorgeschichte entsteht die Einschätzung, welche Behandlung sinnvoll ist und wie sie dosiert wird.
Vor einer IVF oder einer ICSI hilft die Zahl vor allem bei der Wahl des Stimulationsprotokolls und der Anfangsdosis. Eine niedrige Zahl führt eher zu einer anderen Stimulationsstrategie, nicht automatisch zu einer anderen Behandlung. Bei einer hohen Zahl wählen wir die Dosierung vorsichtiger, um eine Überstimulation zu vermeiden. Wie eine Hormonbehandlung abläuft, lesen Sie auf der jeweiligen Seite.
Eine höhere Hormondosis bringt die vorhandenen Follikel zum Wachsen. Neue Follikel entstehen dadurch nicht. Wie die Eierstöcke tatsächlich reagieren, zeigt sich erst im Verlauf der Stimulation, und danach richtet sich die weitere Dosierung.
Welche Behandlungswege beim PCO-Syndrom infrage kommen, beschreibt ein eigener Ratgeber.
Sie möchten Ihren Befund gemeinsam mit uns einordnen?
Erstgespräch vereinbarenEs gibt keine feste Grenze, ab der ein Befund als auffällig gilt. Die Zählung hängt vom Zeitpunkt, vom Gerät und von der untersuchenden Person ab, und die erwartbare Zahl nimmt mit dem Alter ab. Wir beurteilen sie deshalb gemeinsam mit Ihrem Alter, dem AMH-Wert und Ihrer Vorgeschichte. Was sich daraus für eine Stimulation ableiten lässt, steht im Abschnitt Wie viele Antralfollikel sind normal?
Nein. Fünf ist die Zahl der Follikel, die in diesem Zyklus im Ultraschall sichtbar waren. Alle übrigen angelegten Follikel sind zu klein, um dargestellt zu werden. Ihre Gesamtzahl liegt um ein Vielfaches höher und lässt sich nicht messen.
Ja, das kommt vor. Eine niedrige Zahl schließt weder einen Eisprung noch eine Schwangerschaft auf natürlichem Weg aus. Sie beschreibt, wie viele kleine Follikel gerade sichtbar sind, und nicht, ob es in diesem Zyklus klappt.
In jedem Follikel ist eine unreife Eizelle angelegt. Ob sie im selben Zyklus heranreift, ist damit nicht gesagt. Bei einer Punktion werden deshalb regelmäßig weniger reife Eizellen gewonnen, als vorher Follikel gezählt wurden. Das ist üblich und kein Zeichen dafür, dass etwas schiefgelaufen ist.
Die Zahl schwankt von Zyklus zu Zyklus, gezielt steigern lässt sie sich nicht. Kein Präparat und keine Ernährungsweise bildet neue Follikel. Was zu Nahrungsergänzung bei Kinderwunsch bekannt ist, ordnet der Supplement-Checker ein.
Die Zählung hängt vom Gerät, von der Einstellung und von der Erfahrung der untersuchenden Person ab. Kleinere Abweichungen zwischen zwei Untersuchungen sind daher normal. Ein deutlicher Unterschied ist etwas anderes: Den sehen wir uns gemeinsam mit den übrigen Befunden an.
Das ist üblich. Die Follikel verteilen sich nicht gleichmäßig, und in jedem Zyklus kann der eine oder der andere Eierstock aktiver sein. Für die Beurteilung zählt die Summe aus beiden Eierstöcken.
Beide eignen sich, um das Ansprechen auf eine Stimulation abzuschätzen. Der eine Weg ist nicht grundsätzlich besser als der andere. Der Ultraschall zeigt das aktuelle Bild, der Blutwert lässt sich unabhängig von der untersuchenden Person bestimmen. Weichen die Ergebnisse deutlich voneinander ab, beurteilen wir beide gemeinsam. Mehr dazu auf der Seite zum AMH-Wert.
Unter hormoneller Verhütung fällt die Zahl oft niedriger aus, als sie ohne Verhütung wäre. Das bedeutet nicht, dass die Pille Eizellen verbraucht. Wenn die Zählung unter Pilleneinnahme erfolgt, berücksichtigen wir das bei der Beurteilung.
Beides kann die Zahl der sichtbaren Follikel verringern, besonders die operative Entfernung von Zysten am Eierstock. Ein Endometriom kann kleine Follikel zusätzlich verdecken. Wenn eine solche Operation ansteht, besprechen wir vorher, ob eine Zählung davor sinnvoll ist.
Nein. Sie können vorher essen und trinken wie gewohnt. Angenehmer ist der Ultraschall über die Scheide mit entleerter Blase.
Über die Bauchdecke ist eine orientierende Beurteilung möglich, sie ist aber deutlich ungenauer. Kleine Follikel von zwei bis drei Millimetern lassen sich so oft nicht abgrenzen. Wenn eine Untersuchung über die Scheide für Sie nicht infrage kommt, sagen Sie uns das bitte vorher. Dann besprechen wir das Vorgehen.
In unserer Klinik ist dieser Ultraschall eine Privatleistung, die Krankenkasse übernimmt ihn nicht. Alle Beträge finden Sie gesammelt auf unserer Kostenseite.
Im Erstgespräch in unserer Kinderwunschklinik in Thalheim bei Wels sehen wir uns Ihre Werte gemeinsam an und ordnen sie in Ihre persönliche Situation ein. Unverbindlich und in Ruhe.
Vorab können Sie unsere Kinderwunsch-Rechner nutzen. Weitere Begriffe und Befunde erklären wir im Lexikon.
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