
Wie wählen wir die Spermien für die Befruchtung aus?
Beim üblichen Weg wird die Samenprobe zentrifugiert. Bei der Chip-Aufreinigung entfällt das: Die Spermien schwimmen selbst durch einen feinen Kanal, und nur die beweglichen kommen an. Weil die Aufbereitung damit schonender wird und wir gute Erfahrungen gemacht haben, empfehlen wir sie inzwischen allen Paaren. Sie ist eine Zusatzleistung, Sie können sie jederzeit abwählen, und wir sagen Ihnen offen, was belegt ist und was nicht.
Die Samenprobe wird auf einen kleinen Einwegchip gegeben. Darin liegt ein Kanal, der feiner ist als ein Haar. Die Spermien schwimmen selbst hindurch. Was unbeweglich ist, bleibt zurück.
Der Unterschied zum üblichen Weg ist die Zentrifuge. Bei der Dichtegradientenzentrifugation wird die Probe geschleudert, um die beweglichen Spermien abzutrennen. Das funktioniert seit Jahrzehnten gut. Es setzt die Zellen dabei aber mechanisch und chemisch unter Druck, und ein Teil der Erbgutschäden, die man am Ende misst, entsteht erst in diesem Schritt.
Der Chip kehrt das Prinzip um. Statt die Spermien auszusortieren, lässt er sie sich selbst sortieren. Wer den Kanal durchschwimmt, hat gezeigt, dass er beweglich und intakt ist. Das ist näher an dem, was im Körper passiert, wo die Spermien ebenfalls eine Strecke zurücklegen müssen.
Für Sie ändert sich am Ablauf nichts. Die Abgabe der Probe, die Eizellentnahme und der Transfer verlaufen unverändert. Der Unterschied liegt allein im Labor.
Wir sprechen die Chip-Aufreinigung inzwischen bei allen Paaren an. Der Grund ist die schonendere Aufbereitung, nicht ein Versprechen auf mehr Schwangerschaften. Dieser Unterschied ist uns wichtig, und wir erklären ihn hier.
Drei Dinge sprechen aus unserer Sicht dafür, und sie sind unterschiedlich gut belegt. Wir sagen jeweils dazu, was davon Datenlage ist und was unsere eigene Erfahrung.
Besonders ins Gewicht fällt das dort, wo die Ausgangsprobe empfindlich ist: bei einem auffälligen Spermiogramm, bei nachgewiesen erhöhter DNA-Fragmentierung, nach Versuchen mit auffälliger Embryonalentwicklung und bei wiederholten Fehlgeburten ohne andere erkennbare Ursache. In diesen Situationen ist auch die Studienlage am deutlichsten. Es heißt aber nicht, dass die schonendere Aufbereitung sonst wirkungslos wäre.
Eine Grenze gibt es trotzdem, und dort raten wir ausdrücklich ab: bei sehr geringer Spermienzahl. Der Chip gibt am Ende weniger Spermien zurück als die Zentrifugation, weil er strenger auswählt. Wenn ohnehin nur wenige zur Verfügung stehen, ist er der falsche Weg. Diese Einschätzung treffen unsere Biologen an Ihrer Probe, und sie sagen es Ihnen auch dann, wenn Sie das Verfahren bereits gewählt haben.
Die Chip-Aufreinigung ist eine Zusatzleistung. Der übliche Weg im Labor bleibt die Zentrifugation, sie ist im Behandlungspreis enthalten, und wenn Sie die Zusatzleistung abwählen, bereiten wir so auf.
Das ist kein Nachteil für Ihre Behandlung. Die Zentrifugation ist seit Jahrzehnten erprobt und der Weg, auf dem die allermeisten Kinder der Kinderwunschmedizin entstanden sind. Wir empfehlen die Chip-Aufreinigung, weil wir sie für den schonenderen Weg halten. Wir behaupten nicht, dass Ihre Behandlung ohne sie schlechter wäre.
Was das Verfahren kostet, sagen wir Ihnen, bevor Sie danach fragen müssen. Der Betrag steht unten bei den häufigen Fragen.
Die Datenlage teilt sich sauber in zwei Hälften. Was im Labor geschieht, ist gut belegt. Was daraus für die Geburtenrate folgt, ist es noch nicht.
| Frage | Was die Datenlage hergibt |
|---|---|
| Wählt der Chip bessere Spermien aus? | Ja. Eine Zusammenstellung von neununddreißig Studien aus dem Jahr 2025 zeigt deutlich weniger Erbgutschäden sowie bessere Beweglichkeit und Form als nach der Zentrifugation. Das ist der am besten belegte Teil. |
| Führt das zu mehr Geburten? | Das ist offen. Dieselbe Zusammenstellung findet einen Vorteil, wenn man je Embryoübertragung rechnet, und keinen, wenn man je abgeschlossener Behandlung rechnet. Beide Rechenweisen sind zulässig und beantworten verschiedene Fragen. |
| Wie gut sind die Studien? | Uneinheitlich. Die Cochrane Collaboration lässt für diesen Vergleich nur eine einzige kleine Studie mit hundertzweiundzwanzig Teilnehmerinnen gelten und stuft die Verlässlichkeit als sehr gering ein. Breitere Auswertungen schließen auch Beobachtungsstudien ein und kommen deshalb zu klareren Ergebnissen. |
| Wo sind die Hinweise am deutlichsten? | Bei männlicher Ursache und bei erhöhten Erbgutschäden. In einer türkischen Studie mit hundertachtundzwanzig Paaren mit männlichem Faktor lag die Geburtenrate deutlich höher als in der Vergleichsgruppe. Bei unerklärter Sterilität fand dieselbe Arbeitsgruppe keinen Unterschied. |
| Gibt es einen Nachteil? | Berichtet wurden keine. Der Chip gibt weniger Spermien zurück, was bei sehr geringer Zahl gegen ihn spricht. Eigene Sicherheitsuntersuchungen gibt es zu dem Verfahren bisher nicht. |
Ausführlich haben wir die einzelnen Studien in unserem Ratgeber Mikrofluidik-Chip zur Spermienauswahl aufbereitet, mit Tabellen und den Grenzen jeder Arbeit.
Diese Frage liegt nahe, wenn man die Zeile zur Geburtenrate liest, und sie verdient eine gerade Antwort.
Wir haben uns nicht für eine Behandlung entschieden, sondern für eine Aufbereitungsmethode. Das ist ein Unterschied. Ob eine Zusatzbehandlung die Schwangerschaftsrate hebt, muss man beweisen, bevor man sie anbietet. Bei der Frage, wie eine Samenprobe im Labor aufbereitet wird, gab es dagegen nie einen Beweis, dass die Zentrifugation die beste aller Methoden ist. Sie ist die eingeführte, weil es sie zuerst gab.
Zwischen zwei Aufbereitungswegen entscheiden wir deshalb nach dem, was messbar ist: Der eine setzt die Zellen unter Druck und erzeugt dabei nachweislich einen Teil der Schäden, die man anschließend misst. Der andere tut das nicht. Diese Entscheidung können wir treffen, ohne Ihnen ein Ergebnis zu versprechen.
Was wir Ihnen deshalb nicht sagen: dass Ihre Chance dadurch steigt. Was wir Ihnen sagen können: dass wir den schonenderen von zwei Wegen gewählt haben, dass die europäische Fachgesellschaft ihn zur Anwendung freigibt, und dass die Entscheidung bei Ihnen bleibt.
Die ESHRE hat 2023 siebenundzwanzig Zusatzleistungen der Kinderwunschmedizin bewertet und dafür vier Abstufungen verwendet. Die Chip-Auswahl fällt in die zweithöchste: Sie kann in Erwägung gezogen werden. Von allen Zusatzleistungen, die wir im Labor anbieten, steht nur das Transfermedium EmbryoGlue noch höher.
Die ESHRE knüpft daran den Hinweis, dass eine breitere Empfehlung erst möglich ist, wenn größere Studien vorliegen. Eine solche Studie läuft: In Hongkong werden derzeit gut elfhundert Frauen doppelt verblindet untersucht, mit der Geburtenrate als Hauptfrage. Bis dahin bleibt es bei einem gut begründeten Verfahren, dessen letzter Nachweis aussteht.
Sie möchten wissen, ob das in Ihrem Fall sinnvoll ist?
Erstgespräch vereinbarenEin Einwegchip mit einem sehr feinen Kanal, durch den die Spermien selbst schwimmen. Fachlich heißt das Verfahren mikrofluidische Spermienauswahl. Es ersetzt die Zentrifugation bei der Aufbereitung der Samenprobe. Am Spermium selbst wird nichts verändert, es wird nur ausgewählt.
280 Euro, Stand Juli 2026. Es ist eine Zusatzleistung, im Behandlungspreis nicht enthalten, und der IVF-Fonds übernimmt sie nicht. Alle Preise im Überblick finden Sie unter Was eine Behandlung kostet.
Weil der Chip ein Einwegartikel ist, der je Behandlung anfällt, und weil der IVF-Fonds diese Leistung nicht übernimmt. Im Behandlungspreis enthalten ist die klassische Aufbereitung durch Zentrifugation. Wir stellen den Chip deshalb nicht stillschweigend in Rechnung, sondern fragen Sie. Wenn Sie ihn nicht möchten, bereiten wir wie gewohnt auf, und Ihre Behandlung läuft im Übrigen unverändert.
In den vorliegenden Studien wurden keine Schäden berichtet. Einschränkend gilt: Eigene Sicherheitsuntersuchungen zu dem Verfahren gibt es bisher nicht, das hält auch die europäische Fachgesellschaft ausdrücklich fest. Da das Spermium nicht verändert, sondern nur ausgewählt wird, ist ein zusätzliches Risiko theoretisch schwer zu begründen.
Nein. Die Samenprobe geben Sie wie gewohnt am Tag der Eizellentnahme ab. Der Unterschied liegt allein im Labor und kostet dort etwa eine halbe Stunde mehr Zeit.
Vor der Behandlung, weil der Chip bereitliegen muss. Sprechen Sie uns beim Behandlungsplan darauf an. Nachträglich lässt sich das nicht mehr ändern, da die Aufbereitung am Tag der Eizellentnahme stattfindet.
Nein. Die Untersuchung sagt uns, ob erhöhte Schäden vorliegen. Der Chip ist eine mögliche Antwort darauf. Ob eine solche Untersuchung in Ihrem Fall sinnvoll ist, besprechen wir gemeinsam. Was im Spermiogramm steht und was die Werte bedeuten, erklären wir unter Spermiogramm verstehen.
EmbryoGlue, Assisted Hatching, Calcium-Ionophor und der Verwechslungsschutz
Zum NachlesenWie die Technik funktioniert und was die einzelnen Studien zeigen
Im Erstgespräch in Thalheim bei Wels sehen wir uns Ihre Vorgeschichte und das Spermiogramm an und besprechen, welche Schritte sinnvoll sind. Über Zusatzleistungen im Labor entscheiden wir nicht vorab, sondern dann, wenn wir wissen, worum es geht.
Sie sind bereits bei uns in Behandlung? Sprechen Sie uns beim nächsten Termin darauf an oder rufen Sie an: +43 7242 22 44 66.