
Womit umgeben wir den Embryo in den Stunden vor der Übertragung?
Wird ein eingefrorener Embryo aufgetaut, liegt er noch einige Stunden im Labor, bevor er übertragen wird. Diese Zeit nutzen wir: Das Medium enthält GM-CSF, einen Botenstoff, den die Gebärmutter selbst bildet und den der Embryo an dieser Stelle erwarten würde. Er kommt damit nicht aus einer neutralen Lösung in die Gebärmutter, sondern aus einer, die dem Ort ähnelt, an den er gleich gelangt.
Am Tag des Transfers wird der eingefrorene Embryo aufgetaut. Bis zur Übertragung vergehen einige Stunden. In dieser Zeit liegt er in einem Medium mit GM-CSF. Am Embryo selbst wird nichts verändert.
GM-CSF ist die Abkürzung für einen körpereigenen Botenstoff. Gebärmutterschleimhaut und Eileiter bilden ihn, und der Embryo trägt die passende Andockstelle dafür. Im Körper begegnen sich beide von Anfang an. In der Schale nicht: Dort liegt der Embryo in einer Lösung, die ihn versorgt, aber dieses Signal nicht enthält.
Der Gedanke ist deshalb einfach. Der Embryo hat gerade das Auftauen hinter sich und steht kurz vor dem Wechsel in die Gebärmutter. Wenn ihn in diesen letzten Stunden dasselbe Signal umgibt, das ihn dort erwartet, ist der Übergang weniger ein Bruch.
Für Sie ändert sich am Ablauf nichts. Der Termin bleibt, die Übertragung selbst verläuft unverändert.
Beide Medien sitzen an derselben Stelle: Sie sind das Letzte, was den Embryo vor der Übertragung umgibt. Deshalb lässt sich nur eines von beiden verwenden.
Sie setzen aber an verschiedenen Punkten an. EmbryoGlue enthält Hyaluronsäure, eine zähflüssige Substanz, die dem Embryo helfen soll, an Ort und Stelle zu bleiben. Das GM-CSF-Medium enthält keinen Klebstoff, sondern ein Signal: Es spricht den Embryo über seine eigenen Andockstellen an. Welches der beiden bei Ihnen sinnvoller ist, besprechen wir vor dem Transfer.
Beim Transfer aufgetauter Embryonen. Das ist die Situation, für die wir das Medium einsetzen, und es ist auch die Situation, zu der die passenden Untersuchungen vorliegen.
In der Kultur über mehrere Tage verwenden wir es dagegen nicht. Das wäre eine andere Anwendung mit anderer Datenlage, und wir behalten sie einzelnen Ausnahmen vor, die wir dann eigens mit Ihnen besprechen.
Besonders naheliegend ist das Medium in zwei Situationen. Zum einen nach vorangegangenen Fehlgeburten: In der grössten Untersuchung zu diesem Botenstoff war der Vorteil in dieser Gruppe am ausgeprägtesten. Zum anderen, wenn frühere Übertragungen aufgetauter Embryonen ohne Einnistung geblieben sind und sich dafür keine andere Erklärung findet.
Was wir daraus nicht ableiten: dass sich mit dem Medium eine ungünstige Ausgangslage ausgleichen liesse. Eine eigens dafür angelegte Auswertung hat genau das untersucht und kam zu einem klaren Ergebnis: Was ein Embryo nicht mitbringt, holt er auch in diesem Medium nicht auf. Es kann begleiten, nicht ersetzen. Diese Grenze nennen wir lieber selbst, als dass Sie eine Erwartung mitnehmen, die wir nicht einlösen können.
Was das Medium kostet, sagen wir Ihnen, bevor Sie danach fragen müssen. Der Betrag steht unten bei den häufigen Fragen.
Zu diesem Botenstoff gibt es zwei getrennte Forschungsstränge. Der eine betrifft die Kultur über mehrere Tage, der andere genau unsere Anwendung. Wir halten sie auseinander, weil sie zu verschiedenen Ergebnissen kommen.
| Frage | Was die Datenlage hergibt |
|---|---|
| Gibt es Untersuchungen zu genau dieser Anwendung? | Ja. Eine japanische Arbeit von 2022 hat bei über fünfhundert Übertragungen aufgetauter Blastozysten verglichen, ob das Medium in den Stunden nach dem Auftauen einen Unterschied macht. Sie fand bessere Ergebnisse in der Gruppe mit GM-CSF, und zwar bei der Einnistung ebenso wie bei den Geburten. |
| Ist das damit belegt? | Noch nicht. Diese Arbeit hat bestehende Behandlungen im Nachhinein ausgewertet und nicht vorab zugelost. Solche Auswertungen können Unterschiede zwischen den Gruppen ausgleichen, die man kennt, aber nicht solche, die man nicht kennt. Deshalb nennen wir hier bewusst keine Zahlen. |
| Wird das noch geprüft? | Ja, und zwar richtig. In Japan läuft seit 2025 eine Studie an mehreren Zentren mit siebenhundertfünfzig Teilnehmerinnen, bei der die Zuteilung ausgelost wird und die Geburtenrate die Hauptfrage ist. Sie untersucht genau diesen Ablauf. |
| Was sagen die Studien zur Kultur über mehrere Tage? | Uneinheitlich. Eine grosse doppelt verblindete Studie mit über dreizehnhundert Frauen fand einen kleinen Vorteil bei den Geburten. Zusammenfassende Auswertungen bestätigten ihn nicht sicher. Für unsere Anwendung ist das Hintergrund, nicht Beleg, weil dort etwas anderes untersucht wurde. |
| Ist es sicher? | Es sind keine Schäden berichtet worden. Geburtsgewicht und Fehlbildungshäufigkeit unterschieden sich in der grossen Studie nicht von der Vergleichsgruppe. Eigene Sicherheitsuntersuchungen zur kurzen Anwendung nach dem Auftauen gibt es bisher nicht. |
Die ESHRE hat 2023 siebenundzwanzig Zusatzleistungen bewertet. Nährmedien, denen Wachstumsfaktoren zugesetzt sind, empfiehlt sie derzeit nicht. Das sagen wir Ihnen, damit Sie es nicht anderswo zum ersten Mal lesen.
Zwei Dinge gehören zu dieser Einstufung dazu. Erstens ihre Begründung: Sie lautet nicht, dass ein Schaden nachgewiesen wäre, sondern dass zu wenige Daten vorliegen. Zweitens ihr Gegenstand: Bewertet wurde das Kulturmedium über mehrere Tage. Die kurze Zeit nach dem Auftauen, um die es hier geht, ist dort nicht eigens beurteilt worden. Die Untersuchungen dazu sind erst danach erschienen.
Dieselbe Fachgesellschaft schreibt in demselben Dokument, ihre Empfehlungen setzten keinen Behandlungsstandard und ersetzten nicht die ärztliche Beurteilung des Einzelfalls. In diesem Rahmen bewegen wir uns, und die Entscheidung liegt bei Ihnen.
Sie möchten wissen, ob das für Ihren Transfer sinnvoll ist?
Erstgespräch vereinbarenEin körpereigener Botenstoff. Die Abkürzung steht für einen Wachstumsfaktor, den unter anderem Gebärmutterschleimhaut und Eileiter bilden. Der frühe Embryo trägt die passende Andockstelle dafür. Im Handel sind die Medien unter Namen wie EmbryoGen und BlastGen bekannt.
280 Euro, Stand Juli 2026. Es ist eine Zusatzleistung, im Behandlungspreis nicht enthalten, und der IVF-Fonds übernimmt sie nicht. Alle Preise im Überblick finden Sie unter Was eine Behandlung kostet.
Nein. Beide sind das letzte Medium vor der Übertragung, es kann also nur eines sein. Was für Sie eher infrage kommt, besprechen wir gemeinsam. EmbryoGlue hat für die Behandlung insgesamt die breitere Studienlage, das GM-CSF-Medium hat die Untersuchungen, die sich gezielt mit dem Transfer aufgetauter Embryonen befassen.
Wir setzen es beim Transfer aufgetauter Embryonen ein. Dort liegen die passenden Untersuchungen vor, und dort ergibt die Überlegung mit dem Auftauen auch Sinn. Für den Transfer frischer Embryonen sprechen wir es nicht von uns aus an.
In der grossen Untersuchung zum Botenstoff unterschieden sich Geburtsgewicht und Fehlbildungshäufigkeit nicht von der Vergleichsgruppe, und aus den Arbeiten zum Auftautag sind keine Schäden berichtet. Einschränkend gilt: Eigene Sicherheitsuntersuchungen zu dieser kurzen Anwendung gibt es bisher nicht. Der Embryo wird dabei nicht verändert, sondern liegt lediglich in einer anderen Lösung.
Vor dem Auftautag, weil das Medium an diesem Morgen bereitstehen muss. Sprechen Sie uns beim Planen des Transfers darauf an.
EmbryoGlue, Assisted Hatching, Calcium-Ionophor und der Verwechslungsschutz
Zum NachlesenDas andere Medium vor dem Transfer, und warum nur eines von beiden geht
Im Erstgespräch in Thalheim bei Wels sehen wir uns Ihre Vorgeschichte an und besprechen, welche Schritte sinnvoll sind. Über das Medium vor dem Transfer entscheiden wir nicht vorab, sondern dann, wenn der Transfer geplant wird.
Sie sind bereits bei uns in Behandlung? Sprechen Sie uns beim nächsten Termin darauf an oder rufen Sie an: +43 7242 22 44 66.