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22. März 2025

Ein oder zwei Embryonen – die vielleicht wichtigste Entscheidung auf dem Weg zum Wunschkind
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Ein oder zwei Embryonen – die vielleicht wichtigste Entscheidung auf dem Weg zum Wunschkind

Sollen ein oder zwei Embryonen übertragen werden?

Zwei Embryonen erhöhen die Wahrscheinlichkeit einer Zwillingsschwangerschaft deutlich, und Zwillinge sind medizinisch eine Risikoschwangerschaft. Gerechnet über alle Transfers eines Zyklus, frische wie eingefrorene, holt der Einzeltransfer meist auf, ohne dieses Risiko. Wie sich die Situationen unterscheiden, steht weiter unten.

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Mehrlinge: doppeltes Glück oder doppeltes Risiko?

Abbildung 1
Ein oder zwei Embryonen?
Ein Embryo übertragen
  • Sehr geringes Zwillingsrisiko
  • Übrige Embryonen bleiben eingefroren
  • Über zwei Versuche etwa gleiche Chance auf ein Kind
Zwei Embryonen übertragen
  • Höhere Chance im einzelnen Versuch
  • Deutlich höheres Zwillingsrisiko
  • Mehr Risiken für Mutter und Kinder
Quelle Kamath MS et al., Cochrane Database Syst Rev. 2020;8(8):CD003416. doi: 10.1002/14651858.CD003416.pub5

Zwillinge gelten für viele als das große Los im Kinderwunschspiel. Zwei Babys auf einen Schlag, eine Vorstellung, die Herzen höherschlagen lässt. Doch medizinisch betrachtet ist eine Mehrlingsschwangerschaft keineswegs harmlos. Studien zeigen, dass ein Doppeltransfer (DET) das Risiko für Frühgeburten, Kaiserschnitte, Blutdruckprobleme in der Schwangerschaft und niedrige Geburtsgewichte deutlich erhöht. Ein Einzeltransfer (SET) dagegen verringert diese Risiken ganz erheblich, bei nahezu gleicher Erfolgschance. In unserer Klinik sehen wir immer wieder, dass Paare nach einer bewusst getroffenen Entscheidung für den Einzeltransfer ruhiger durch die Behandlung gehen.

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Ein bisschen Geduld: für ein großes Ergebnis

„Zwei Embryonen, doppelte Chance?“ Das klingt logisch, doch bei genauem Hinsehen stimmt das so nicht. Natürlich ist die Zahl der Schwangerschaften beim DET zunächst höher. Entscheidend ist aber, wie viele Kinder am Ende geboren werden. Also nach einem oder mehreren Zyklen zusammengerechnet. Und hier zeigt sich: Zwei Einzeltransfers nacheinander führen am Ende etwa gleich oft zu einer Geburt wie ein Doppeltransfer, aber bei deutlich geringerem Risiko. Besonders bei Patientinnen unter 35 Jahren ist SET sogar überlegen. Wer bereit ist, dem Körper etwas mehr Zeit zu geben, wird oft mit einem umso sichereren Schwangerschaftsverlauf belohnt.

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Ein hochwertiger Embryo kann alles verändern

Nicht die Menge macht’s, sondern die Qualität. Jeder Embryo wird nach bestimmten Kriterien beurteilt, etwa Zellanzahl, Gleichmäßigkeit und Entwicklungsgeschwindigkeit. Ein sogenannter guter Embryo (GQE) hat das Potenzial, sich zu einer gesunden Schwangerschaft zu entwickeln, oft ganz ohne „Verstärkung“. Zwei Embryonen unterschiedlicher Qualität können sich gegenseitig stören. Und bei zwei sehr guten Embryonen steigt vor allem eines: das Risiko einer Zwillingsschwangerschaft. Deshalb ist es meist sinnvoller, sich auf einen starken Kandidaten zu konzentrieren. Ein bisschen wie bei einem Orchester: Ein einzelner, gut gestimmter Ton kann mehr bewegen als ein lautes, unkoordiniertes Ensemble.

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Ihre persönliche Ausgangslage zählt

Keine zwei Paare stehen an derselben Stelle. Deshalb sehen wir uns nicht nur die Qualität der Embryonen, sondern auch Ihren Körper und Ihre Geschichte. Faktoren wie Alter, Body-Mass-Index (BMI), hormonelles Profil und Vorrat an Eizellen spielen eine entscheidende Rolle bei der Wahl der passenden Strategie. Vor jedem Übertragung des Embryos sehen wir uns die Befunde an: AMH-Wert, FSH, die Zahl der Eibläschen und den Ultraschall. Diese Werte zeigen, wo Sie stehen. Auf dieser Grundlage lässt sich die Frage beantworten. Eine Regel, die für alle gilt, gibt es nicht.

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ieSET: der moderne Mittelweg zwischen Sicherheit und Effizienz

Abbildung 2
So funktioniert der Einzeltransfer über mehrere Versuche
  1. 1
    Alle Embryonen einfrieren
    nach der Entnahme
  2. 2
    Einen übertragen
    in einem späteren, ruhigeren Zyklus
  3. 3
    Klappt es nicht
    folgt der nächste, ohne neue Hormonbehandlung
  4. 4
    Ergebnis
    die Chance summiert sich, das Zwillingsrisiko bleibt klein
Quelle Kamath MS et al., Cochrane Database Syst Rev. 2020;8(8):CD003416

Vielleicht sind Sie bei Ihrer Recherche bereits auf den Begriff ieSET gestoßen. Das steht für „intermediate embryo single embryo transfer“. Klingt kompliziert? Ist aber ein sehr intelligenter Ansatz. Die Idee dahinter: Man friert mehrere Embryonen ein, wählt jedoch für den frischen Transfer nur den besten Einzelnen aus. Klappt es im ersten Versuch nicht, stehen die übrigen Embryonen für spätere Transfers bereit. Eine neue Hormonbehandlung und eine neue Punktion sind dafür nicht nötig. Studien zeigen, dass der wiederholte Einzeltransfer etwa gleich viele Geburten bringt wie der Doppeltransfer, bei deutlich weniger Mehrlingen. Kurz gesagt: ieSET verbindet die Sicherheit des Einzeltransfers mit einem klar geplanten Ablauf.

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Unser Fazit: Ihre Entscheidung, unsere Verantwortung

Ein einzelner Embryo kann der Anfang von allem sein. In unserer Arbeit mit hunderten Paaren haben wir gesehen, dass die Frage „SET oder DET?“ selten nur eine medizinische ist. Es geht um Träume, um Verantwortung, um Ihr ganz persönliches Bauchgefühl. Wir stehen Ihnen dabei zur Seite, mit fundierter Expertise, moderner Diagnostik und einem offenen Ohr für Ihre Wünsche. Ob SET, DET oder ieSET: Wir finden gemeinsam heraus, welcher Weg zu Ihnen passt.

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Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Bringt ein Transfer von zwei Embryonen wirklich eine höhere Chance auf Schwangerschaft?

Kurzfristig ja. Die Zahl der Schwangerschaften pro Transfer kann beim Doppeltransfer (DET) höher sein. Über zwei Versuche gerechnet führen Einzeltransfers zu etwa gleich vielen Geburten, bei deutlich geringerem Risiko für Mutter und Kind. Wichtig zur Einordnung: Ein einzelner Einzeltransfer führt seltener zu einer Geburt als ein einzelner Doppeltransfer. Der Ausgleich entsteht erst durch den zweiten Transfer. Und die Übersichtsarbeit dazu gilt vor allem für Frauen mit guter Ausgangslage (Quelle 1). Das nennt man „kumulative Zahl der geborenen Kinder“.

Warum wird heutzutage so häufig ein einzelner Embryo empfohlen?

Weil ein Einzeltransfer (SET) die Risiken senkt: weniger Frühgeburten, weniger Kaiserschnitte, weniger Komplikationen für Mutter und Baby. Und: Bei guter Qualität der Embryonen ist die Chance auf eine Schwangerschaft mit einem Embryo sehr hoch, ganz ohne Mehrlingsrisiko.

Wann ist ein Transfer von zwei Embryonen (DET) trotzdem sinnvoll?

In bestimmten Fällen, z. B. bei älteren Patientinnen über 38, bei wiederholtem Implantationsversagen oder schwacher Qualität der Embryonen, kann ein DET diskutiert werden. Entschieden wird das im Gespräch, nach Abwägung der Risiken.

Was bedeutet ieSET, und warum gilt es als moderner Ansatz?

ieSET steht für „intermediate embryo single embryo transfer“. Dabei wird nur ein Embryo transferiert, während weitere gute Embryonen für spätere Versuche eingefroren werden. Das erhöht die Sicherheit, senkt das Mehrlingsrisiko, und verbessert durch Wiederholungsmöglichkeiten die Gesamtchancen.

Ist ein SET auch aus finanzieller Sicht sinnvoll?

Ja. Zwar muss man bei SET unter Umständen mehrere Transfers einplanen, doch Komplikationen wie Frühgeburten oder Neonatalstationen nach Zwillingsgeburten verursachen hohe Folgekosten. SET ist langfristig meist günstiger und belastet Körper, Psyche und Gesundheitssystem weniger.

Quellen zum Nachlesen
  1. 01Kamath MS, Mascarenhas M, Kirubakaran R, Bhattacharya S. Number of embryos for transfer following in vitro fertilisation or intra-cytoplasmic sperm injection. Cochrane Database Syst Rev. 2020;8(8):CD003416. doi: 10.1002/14651858.CD003416.pub5 — 17 randomisierte Studien mit 2.505 Frauen. Kumulative Zahl der geborenen Kinder nach wiederholtem Einzeltransfer gegenüber einem Doppeltransfer: RR 0,95 (0,82 bis 1,10). Mehrlingsrate: Peto OR 0,13 (0,08 bis 0,21).
Verfasst von Dr. Roman Pavlik, Facharzt für Gynäkologie und Reproduktionsmedizin — Stand: 14.09.2026
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Ihr nächster Schritt

Wenn Sie diese Entscheidung vor sich haben

Die Entscheidung hängt vom Alter, von der Embryonenqualität und von der Vorgeschichte ab, und sie gehört besprochen, bevor der Transfertag da ist. In der Kinderwunschklinik Dr. Pavlik in Thalheim bei Wels nehmen wir uns diese Zeit vorher.

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