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20. Oktober 2026

Kinderwunsch über 40: Was Leitlinien empfehlen und was nicht
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Ratgeber

Kinderwunsch über 40: Was Leitlinien empfehlen und was nicht

Ich bin über 40 und möchte ein Kind. Was hilft mir wirklich?

Auch über 40 kann sich ein Kinderwunsch erfüllen. Die Chancen sind geringer als in jüngeren Jahren, aber das Alter allein entscheidet nicht. Am meisten hilft eine zeitnahe Beratung, in der wir Ihre Befunde ansehen. Viele Zusatzangebote bringen dagegen nach heutigem Wissen keinen belegten Vorteil.

Ein aufgeschlagenes Buch aus klarem Glas neben einer gläsernen Eizelle
01

Ist ein Kind mit über 40 noch möglich?

Ja, ein Kind ist auch mit über 40 möglich, nur seltener als in jüngeren Jahren.

Die Fruchtbarkeit nimmt schrittweise ab. Der 40. Geburtstag ist keine Grenze, ab der nichts mehr geht. Wie es bei Ihnen aussieht, hängt von Ihren Befunden ab und nicht vom Alter allein.

Warum die Chancen sinken, ist gut verstanden. Mit den Jahren reifen weniger Eizellen heran, und mehr von ihnen tragen eine falsche Zahl an Chromosomen (Quelle 3). Deshalb klappt es seltener, und Fehlgeburten werden häufiger (Quelle 4). Auch eine IVF kann das nicht ganz ausgleichen, weil sie mit denselben Eizellen arbeitet.

Abbildung 1Links ein gläserner Eierstock mit mehreren Eibläschen, rechts eine einzelne gläserne Eizelle, beide gleich beleuchtet
Zahl und Qualität. Links der Eierstock mit seinen Eibläschen. Er zeigt, wie viele Eizellen noch heranreifen können. Rechts eine einzelne Eizelle. Ob sie ein gesundes Erbgut mitbringt, lässt sich von außen nicht messen.
Das Wichtigste in Kürze

Ein Kind ist auch über 40 möglich. Lassen Sie sich zeitnah beraten, eine Beratung verpflichtet Sie zu nichts. Für die meisten Zusatzangebote ist kein Vorteil belegt; eine gute Behandlung richtet sich nach Ihren Befunden.

02

Wann sollten Sie sich beraten lassen?

Mit über 40 am besten gleich, sobald Ihr Kinderwunsch konkret wird.

Jüngeren Paaren raten Fachleute oft, es zuerst eine Zeit lang selbst zu versuchen. Für Frauen über 40 empfehlen die amerikanischen Fachgesellschaften dagegen, ohne Wartezeit abzuklären und, wenn nötig, zu behandeln (Quelle 2). Die deutschsprachige Leitlinie zur Abklärung vor einer Kinderwunschbehandlung ist 2026 neu erschienen. Sie ordnet, wie wir beide Partner untersuchen (Quelle 1).

Ein früher Termin bedeutet nicht automatisch eine IVF. Er gibt Ihnen eine Grundlage. Danach wissen Sie, ob Sie es zunächst selbst versuchen können oder ob eine Behandlung sinnvoll ist.

Abbildung 2
So läuft die Abklärung bei uns ab
  1. 1
    Erstgespräch
    vorhandene Befunde mitbringen, in der Klinik oder per Video
  2. 2
    Eizellreserve schätzen
    AMH-Wert aus dem Blut, Eibläschen im Ultraschall
  3. 3
    Den Partner einbeziehen
    Spermiogramm, bei Bedarf die Eileiter prüfen
  4. 4
    Gemeinsam planen
    welcher Schritt jetzt passt und wann wir neu entscheiden
Quelle Ablauf in der Kinderwunschklinik Dr. Pavlik; Empfehlung zur zeitnahen Abklärung: ACOG/ASRM 2014 (Quelle 2)
03

Was sagt der AMH-Wert?

Der AMH-Wert hilft, eine Hormonbehandlung zu planen; über die Qualität der Eizellen sagt er nichts.

Das Anti-Müller-Hormon, kurz AMH, stammt aus den kleinen Eibläschen im Eierstock. Der Wert zeigt ungefähr, wie viele davon noch heranreifen können. Damit lässt sich abschätzen, wie die Eierstöcke auf eine Hormonbehandlung ansprechen (Quelle 5).

Ob eine Frau auf natürlichem Weg schwanger wird, lässt sich aus dem AMH-Wert allein nicht ablesen. In einer Studie mit Frauen ohne bekannte Fruchtbarkeitsprobleme wurden Frauen mit niedrigem AMH nicht seltener schwanger als Frauen mit normalem Wert (Quelle 6). Die meisten Teilnehmerinnen waren allerdings jünger als 40. Für Frauen, die schon länger auf ein Kind warten, lässt sich das nicht einfach übertragen.

Abbildung 3
Was der AMH-Wert sagt und was nicht
Das zeigt der AMH-Wert
  • ungefähr, wie viele Eibläschen noch heranreifen
  • wie die Eierstöcke auf eine Hormonbehandlung ansprechen
  • wie viele Eizellen bei einer IVF zu erwarten sind
Das zeigt er nicht
  • ob eine Eizelle ein gesundes Erbgut hat
  • ob Sie auf natürlichem Weg schwanger werden
  • ob eine Behandlung gelingt
Quelle ESHRE-Leitlinie 2020 (Quelle 5); Steiner et al. 2017 (Quelle 6)
Für Sie heißt das

Lassen Sie den Wert gemeinsam mit Ihrem Alter und dem Ultraschall erklären. Ein niedriger AMH-Wert ist kein Urteil über Ihre Fruchtbarkeit, ein hoher gleicht das Alter nicht aus.

04

Welche Behandlung passt zu Ihnen?

Welche Behandlung passt, hängt von Ihren Befunden ab, nicht vom Alter allein.

Ob Sie es zunächst selbst versuchen, ob eine Insemination oder eine IVF infrage kommt, besprechen wir anhand der Befunde beider Partner. Bei der IVF bringen wir Eizellen und Spermien im Labor zusammen. Bei der ICSI spritzen wir ein einzelnes Spermium direkt in die Eizelle.

Die ICSI ist nicht deshalb besser, weil eine Frau über 40 ist. Ist die Spermienqualität in Ordnung, bringt sie älteren Frauen nach heutigem Wissen keinen Vorteil (Quelle 7)(Quelle 8). Auch ein bestimmtes Schema der Hormonbehandlung hat sich in Studien nicht als generell überlegen erwiesen (Quelle 8). Die Dosis richten wir danach, wie Ihre Eierstöcke voraussichtlich ansprechen.

Fragen, die Sie im Gespräch stellen können:

  • Was spricht in unserer Lage für diese Behandlung?
  • Welche Aussicht besteht mit eigenen Eizellen, und worauf beruht die Einschätzung?
  • Wann sehen wir gemeinsam nach, ob wir den Plan ändern?
05

Helfen Zusatzbehandlungen?

Für die meisten Zusatzbehandlungen ist nicht belegt, dass sie zu mehr Geburten führen.

Die Europäische Gesellschaft für Reproduktionsmedizin (ESHRE) hat 2023 die gängigen Zusatzangebote rund um die IVF bewertet (Quelle 7). Für keine einzige Empfehlung gab es Belege von hoher Qualität. Eine große Übersichtsarbeit hat 2025 gezielt Studien bei älteren Frauen ausgewertet und kam zu ähnlichen Ergebnissen (Quelle 8).

Abbildung 4
Was die Leitlinien raten
Gut begründet
  • zeitnahe Abklärung beider Partner
  • Behandlung nach den eigenen Befunden
  • sorgfältige Vorsorge in der Schwangerschaft
Nicht als Routine empfohlen
  • Assisted Hatching (Anritzen der Embryohülle)
  • DHEA, Wachstumshormon oder Testosteron vor der Stimulation
  • ICSI ohne eingeschränkte Spermienqualität
  • genetischer Test aller Embryonen (PGT-A)
Quelle ACOG/ASRM 2014 (Quelle 2); ESHRE 2023 (Quelle 7); Ganer Herman et al. 2025 (Quelle 8); ESHRE 2025 (Quelle 9)

Assisted Hatching, also das Anritzen der Embryohülle, empfiehlt die ESHRE nicht (Quelle 7). Bei älteren Frauen fand die Übersichtsarbeit damit sogar weniger Geburten (Quelle 8).

DHEA und Wachstumshormon empfiehlt die ESHRE vor oder während der Hormonbehandlung nicht (Quelle 7)(Quelle 9). Für Testosteron rät die aktuelle Leitlinie bei Frauen mit schwachem Ansprechen ebenfalls eher ab, wenn auch weniger streng (Quelle 9). Ein Cochrane-Review sieht für diese Gruppe einen möglichen Nutzen (Quelle 10). Ein schwaches Ansprechen ist dabei nicht dasselbe wie ein Alter über 40. Wir setzen Testosteron derzeit nicht ein.

Abbildung 5Eine Waage aus klarem Glas mit zwei leeren Schalen auf gleicher Höhe
Nutzen abwägen. Auf die eine Seite gehört, was eine Zusatzleistung nachweislich bringt. Auf die andere kommen Kosten, Aufwand und mögliche Nebenwirkungen.
Gut zu wissen

Wer auf eine nicht belegte Zusatzleistung verzichtet, verpasst damit keine nachweislich wirksame Möglichkeit. Fragen Sie bei jedem Angebot nach dem Nutzen für Frauen mit ähnlichen Befunden.

06

Was leistet ein genetischer Test der Embryonen?

Ein genetischer Test macht keinen Embryo gesünder, und ein allgemeiner Vorteil ist nicht belegt.

Bei der PGT-A entnehmen wir einige Zellen vom Embryo und lassen die Zahl der Chromosomen untersuchen. Das Ergebnis gibt Hinweise, ist aber nicht in jedem Fall eindeutig.

Dass dadurch insgesamt mehr Kinder geboren werden, ist nicht belegt (Quelle 11)(Quelle 12). Die ESHRE empfiehlt den Test deshalb nicht als Routine (Quelle 7). Ein Nutzen gerade bei älteren Frauen wird diskutiert, beruht bisher aber auf nachträglichen Auswertungen (Quelle 7).

In Österreich ist die Untersuchung zudem nur in gesetzlich festgelegten Fällen erlaubt: nach drei oder mehr erfolglosen Transfers, wenn eine genetische Ursache anzunehmen ist, nach mindestens drei Fehl- oder Totgeburten, die mit hoher Wahrscheinlichkeit genetisch bedingt waren, oder bei einer bekannten Erbanlage eines Elternteils (Quelle 13). Das Alter allein ist kein Grund.

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Worauf kommt es in der Schwangerschaft an?

Eine Schwangerschaft über 40 kann gut verlaufen; einige Komplikationen sind häufiger, deshalb zählt eine gute Vorsorge.

Häufiger sind zum Beispiel eine Präeklampsie, Frühgeburten und Kaiserschnitte (Quelle 14). Eine Präeklampsie ist eine Schwangerschaftserkrankung mit hohem Blutdruck. Ab 45 nehmen die Risiken weiter zu (Quelle 14). Nach einer Eizellspende tritt eine Präeklampsie zusätzlich häufiger auf (Quelle 15).

Ein höheres Risiko bedeutet nicht, dass eine Komplikation bei Ihnen eintritt. Für die Betreuung zählen neben dem Alter auch Vorerkrankungen und der bisherige Verlauf.

Für Sie heißt das

Besprechen Sie die Schwangerschaft früh mit Ihrer gynäkologischen Praxis. Blutdruck und bestehende Erkrankungen sollten von Anfang an im Blick sein.

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Wenn die Aussicht mit eigenen Eizellen gering ist

Dann besprechen wir ausführlich, worauf die Einschätzung beruht und welche Wege es noch gibt.

Ein möglicher Weg ist die Eizellspende. In Österreich ist sie erlaubt, wenn mit eigenen Eizellen nach ärztlicher Beurteilung keine Schwangerschaft mehr zu erwarten ist. Die Frau muss bei Behandlungsbeginn jünger als 45 sein (Quelle 16). Wir führen die Eizellspende nur als gerichtete Spende durch. Dabei bringen Sie eine Spenderin aus Ihrem persönlichen Umfeld mit.

Weil die Altersgrenze am Behandlungsbeginn hängt, können Sie die Frage gerne früh ansprechen. Entscheiden müssen Sie im ersten Gespräch nichts.

Der IVF-Fonds fördert eine IVF nur, wenn die Frau zu Beginn des Versuchs jünger als 40 ist (Quelle 17). Das ist eine Grenze für die Förderung, keine medizinische Altersgrenze für die Behandlung.

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Häufige Fragen

Bin ich mit über 40 zu alt für eine Kinderwunschbehandlung?

Nein. Das Gesetz nennt für eine Behandlung mit eigenen Eizellen keine Altersgrenze. Ob eine Behandlung aussichtsreich ist, beurteilen wir anhand Ihrer Befunde.

Wie lange sollte ich mit über 40 selbst probieren?

Nicht lange. Lassen Sie sich beraten, sobald Sie schwanger werden möchten. Danach wissen Sie, ob Sie es zunächst selbst weiter versuchen können.

Ich habe einen niedrigen AMH-Wert. Kann ich trotzdem schwanger werden?

Ja, das ist möglich. Der AMH-Wert zeigt vor allem, wie viele Eizellen bei einer Hormonbehandlung zu erwarten sind. Über die Qualität der Eizellen sagt er nichts.

Soll ich Zusatzbehandlungen dazunehmen, um meine Chance zu erhöhen?

Für die meisten Zusatzangebote ist kein Vorteil belegt. Fragen Sie bei jedem Angebot, was es für Frauen mit ähnlichen Befunden nachweislich bringt.

Kann ich meine Embryonen wegen meines Alters genetisch untersuchen lassen?

Nein. In Österreich ist die Untersuchung nur in gesetzlich festgelegten Fällen erlaubt, das Alter allein gehört nicht dazu.

Quellen zum Nachlesen
  1. 01Diagnostik und Therapie vor einer assistierten reproduktionsmedizinischen Behandlung. AWMF-Leitlinie 015-085, Version 2.0, Stand 01.04.2026. www.awmf.org
  2. 02ACOG Committee on Gynecologic Practice, ASRM Practice Committee. Female age-related fertility decline. Committee Opinion No. 589. Fertil Steril. 2014. doi: 10.1016/j.fertnstert.2013.12.032
  3. 03Franasiak JM et al. The nature of aneuploidy with increasing age of the female partner. Fertil Steril. 2014. doi: 10.1016/j.fertnstert.2013.11.004
  4. 04Magnus MC et al. Role of maternal age and pregnancy history in risk of miscarriage: prospective register based study. BMJ. 2019. doi: 10.1136/bmj.l869
  5. 05ESHRE Guideline Group on Female Fertility Preservation. ESHRE guideline: female fertility preservation. Hum Reprod Open. 2020. doi: 10.1093/hropen/hoaa052
  6. 06Steiner AZ et al. Association between biomarkers of ovarian reserve and infertility among older women of reproductive age. JAMA. 2017. doi: 10.1001/jama.2017.14588
  7. 07ESHRE Add-ons Working Group. Good practice recommendations on add-ons in reproductive medicine. Hum Reprod. 2023. doi: 10.1093/humrep/dead184
  8. 08Ganer Herman H et al. A meta-analysis and systematic review of advanced maternal age patients in IVF. Hum Reprod Update. 2025;31(6):626-642. doi: 10.1093/humupd/dmaf020
  9. 09ESHRE Guideline Group on Ovarian Stimulation. ESHRE guideline: ovarian stimulation for IVF/ICSI: an update in 2025. Hum Reprod. 2026. doi: 10.1093/humrep/deag018
  10. 10Naik S et al. Androgens (dehydroepiandrosterone or testosterone) for women undergoing assisted reproduction. Cochrane Database Syst Rev. 2024. doi: 10.1002/14651858.CD009749.pub3
  11. 11Cornelisse S et al. Preimplantation genetic testing for aneuploidies (abnormal number of chromosomes) in in vitro fertilisation. Cochrane Database Syst Rev. 2020. doi: 10.1002/14651858.CD005291.pub3
  12. 12ASRM and SART Practice Committees. The use of preimplantation genetic testing for aneuploidy: a committee opinion. Fertil Steril. 2024. doi: 10.1016/j.fertnstert.2024.04.013
  13. 13Fortpflanzungsmedizingesetz, § 2a (Präimplantationsdiagnostik). Rechtsinformationssystem des Bundes. www.ris.bka.gv.at
  14. 14Saccone G et al. Maternal and perinatal complications according to maternal age: a systematic review and meta-analysis. Int J Gynaecol Obstet. 2022;159:43-55. doi: 10.1002/ijgo.14100
  15. 15Masoudian P et al. Oocyte donation pregnancies and the risk of preeclampsia or gestational hypertension: a systematic review and metaanalysis. Am J Obstet Gynecol. 2016. doi: 10.1016/j.ajog.2015.11.020
  16. 16Fortpflanzungsmedizingesetz, § 3 Abs. 3 (Eizellspende). Rechtsinformationssystem des Bundes. www.ris.bka.gv.at
  17. 17IVF-Fonds-Gesetz, § 4 Abs. 4. Rechtsinformationssystem des Bundes. www.ris.bka.gv.at
Dr. med. Roman Pavlik, Facharzt für Gynäkologie und Geburtshilfe
Dr. med. Roman PavlikFacharzt für Gynäkologie und Geburtshilfe, Kinderwunschklinik Dr. Pavlik in Thalheim bei Wels (Oberösterreich) · zuletzt geprüft am 19.10.2026
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